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Corona: Mehr Kraft fürs Gesundheitsamt

Das Gesundheitsamt in Remscheid.
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Das Gesundheitsamt in Remscheid.
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Wegen der Pandemie braucht das Amt mehr Personal – Praxen stoßen zudem an ihre Grenzen bei Testmaterial

Von Melissa Wienzek

Remscheid. Nur leicht entspannt – so lässt sich die aktuelle Gesundheitslage in Remscheid in Hinblick auf das Coronavirus beschreiben. 37 Personen sind derzeit an Covid-19 erkrankt, am Freitag waren es noch 39. Aber: „Das kann sich schlagartig ändern, wenn auch nur ein Fall in einer Schule auftritt, wie zuletzt geschehen. Das wirft uns dann direkt wieder zurück“, erklärt Gesundheitsamtsleiter Dr. Frank Neveling. Denn nicht immer verlaufen die Tests wie nun am Berufskolleg Wirtschaft und Verwaltung negativ. Dort waren 20 Schüler der Einzelhandelsklasse sowie drei Lehrer getestet worden.

Es seien gerade die Jüngeren, die derzeit an Covid-19 erkrankten, sagt Neveling. Immerhin seien die Verläufe derzeit bis auf zwei, drei Ausnahmen leicht – mit harmlosen Beschwerden, die einer leichten Erkältung glichen. Zwei Personen sind aktuell in stationärer Behandlung, davon einer auf der Intensivstation. Kinder hingegen zeigten oftmals keine bis nur leichte Symptome.

Gesundheitsamtsleiter Dr. Frank Neveling und sein Team haben wegen der Pandemie alle Hände voll zu tun.

Der Gesundheitsamtschef hält nichts von flächendeckenden Testungen bei Kindern. Denn schon jetzt stoßen die Hausarzt- und Kinderarztpraxen an ihre Grenzen: Die Kassenärztliche Vereinigung Remscheid hat beim Krisenstab Alarm geschlagen, weil Testmaterial fehlt. Die Ausstattung der Praxen sei jedoch keine Aufgabe der Stadt, erklärt Gesundheitsdezernent Thomas Neuhaus, der zugleich Leiter des Krisenstabs ist. Man habe den Appell an die Bezirksregierung weitergeleitet. Die Kliniken seien hingegen gut gerüstet, der Bestand an Desinfektionsmitteln und weiteren Materialien gut. Auch der Krisenstab hat sich der Lage angepasst und kommt nun zweimal in der Woche zusammen.

Aktuell hat sich dieser mit der Maskenpflicht in Schulen beschäftigt. Die Empfehlung: Schüler von weiterführenden Schulen sollten auch im Unterricht weiterhin ihre Mund-Nasen-Masken tragen. „Wir haben immer noch eine unsichere Situation“, betont Neveling. Gerade zum Thema Maskenpflicht liefen in den vergangenen Tagen wieder die Telefone im Gesundheitsamt heiß: Schüler, Eltern und Lehrer hatten viele Fragen. Denn neben Reiserückkehrern seien im Augenblick verstärkt Schulen von Infektionsfällen betroffen.

Um die Nachverfolgung von diesen Infektionsketten kümmert sich ein spezielles Team im Gesundheitsamt. Und um viele weitere Aufgaben, die die Pandemie mit sich bringt. Gerade am Dienstag hat daher ein neuer Arzt in Vollzeit im Gesundheitsamt seinen Dienst angetreten. Er wird die Kräfte nun ein Jahr lang in Sachen Corona unterstützen. Auch das Personal am Telefon wurde aufgestockt: Arzthelferinnen, Studenten, pensionierte Lehrer und Rentner beraten an der Hotline, ermitteln Kontaktpersonen, recherchieren Fälle, speisen Daten ins System ein.

Remscheid: Hauptausschuss beschäftigt sich mit der Personalaufstockung

Seit sechs Monaten ist das Gesundheitsamt bereits einer coronabedingten Dauerbelastung ausgesetzt – zusätzlich zum Alltagsgeschäft. „Ich bin froh, dass wir im Gegensatz zu anderen Städten die anderen Aufgaben wie Schuleingangsuntersuchungen durchführen konnten“, erklärt Thomas Neuhaus. Es habe zu keiner Zeit Einschränkungen bei wichtigen Themen gegeben. „Das darf die Bevölkerung auch zurecht von uns erwarten“, sagt der Dezernent.

Um diesen Betrieb aber auch weiterhin aufrechterhalten zu können, braucht das Gesundheitsamt dringend mehr Personal. „Wir müssen uns darauf einstellen, dass wir noch viele Monate in dieser Situation sein werden. Die temporäre Belastung des Gesundheitsamtes kann keine dauerhafte sein“, sagt Neuhaus. Deshalb wird sich der auch Hauptausschuss am 10. September mit der Personalaufstockung im Gesundheitsamt beschäftigt.

4 Milliarden Euro geben Bund und Land wegen Corona nun insgesamt für die Personalkosten in deutschen Gesundheitsämtern dazu. Geld, das auch Remscheid gut gebrauchen kann. „Das Gesundheitsamt hat durch die Pandemie eine viel größere Bedeutung bekommen. Nur muss es auch dementsprechend ausgestattet sein“, sagt Neuhaus.

Corona aktuell

Aktuell sind in Remscheid 37 Menschen an Covid-19 erkrankt und befinden sich in Quarantäne. Nicht erkrankte Personen, die sich nach Rücksprache mit dem Gesundheitsamt in häuslicher Quarantäne befinden, weil sie in Verdacht stehen, sich angesteckt zu haben, gibt es 97. Elf Reiserückkehrer, die aus einem Risikogebiet zurück nach Remscheid gekommen sind, sind in gesetzlicher Quarantäne. Insgesamt wurden seit Beginn der Pandemie 357 Remscheider positiv getestet, davon gelten 302 als genesen.

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