Pandemie

Corona: Keine Testverweigerer an den Schulen

Wer in der Schule lernen will, muss sich regelmäßig testen: Schüler, die diese Tests verweigern, müssen dem Unterricht fernbleiben. Foto: Christian Beier
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Wer in der Schule lernen will, muss sich regelmäßig testen: Schüler, die diese Tests verweigern, müssen dem Unterricht fernbleiben.

900 Schüler in NRW müssen zu Hause bleiben – Hiesigen Schulen brennen andere Themen unter den Nägeln.

Von Timo Lemmer

Remscheid. Das NRW-Schulministerium hat bekanntgegeben, dass in der ersten Woche nach den Schulferien landesweit knapp 900 Schülerinnen und Schüler nicht am Unterricht teilgenommen haben, weil sie sich den verpflichtenden Corona-Selbsttests nicht unterziehen wollten. Die dreimalige Testung pro Woche ist an weiterführenden Schulen Voraussetzung für die Teilnahme an Unterricht oder pädagogischer Betreuung, an Grund- und Förderschulen wird zweimal wöchentlich im Pool getestet. In Remscheid gibt es hierbei keine gravierenden Probleme, wie es aus dem Schulamt sowie von den weiterführenden Schulen heißt.

Heike Adolf ist Schulaufsichtsbeamtin für die Grund- und Förderschulen. Test-, sowie vor Monaten auch Maskenverweigerer, habe es vereinzelt gegeben – Eltern hätten ihre Kinder dann nicht zur Schule geschickt. Aber: „Das Thema brennt den Schulen gerade nicht unter den Nägeln. Wir beobachten eher, dass die Eltern froh sind, wenn die Kinder in die Schule können.“

Adolf, die im Sommer die Nachfolge von Schulamtsdirektorin Brigitte Dörpinghaus, die nach 45 Dienstjahren in den Ruhestand gewechselt ist, angetreten hat, macht klar: Vielmehr belastet die Vielzahl positiver Tests den Schulalltag. Dass die PCR-Testlabore an ihre Kapazitätsgrenzen stoßen, Ergebnisse lange brauchen, verschärfe die Situation. Die Abkehr von Gruppenquarantänen könne man daher auch skeptisch beurteilen. Zu unklar sei, ob eine Erkrankung mit der Omikron-Variante bei jungen Schülern wirklich in der Regel mild verlaufe.

Aus der Praxis der weiterführenden Schulen können die Remscheider Schulleiterinnen und Schulleiter berichten. Eine stichprobenartige RGA-Umfrage ergab: Testverweigerer spielen keine Rolle. An der Nelson-Mandela-Sekundarschule gibt es unter den 470 Schülern sowie im 57 Personen starken Kollegium keinen einzigen. „Es gibt wirklich niemanden, der sagt, dass die aktuellen Regeln Schwachsinn wären“, sagt Ariane Güldenpfennig-Schemmann. Im Gegenteil: Es werde im Verdachtsfall sogar häufiger getestet als vorgegeben, erklärt die stellvertretende Schulleiterin. Denn: „Wir merken schon, dass Omikron Einzug gehalten hat.“

Ähnliches berichtete Elke Simon von der Ganztagshauptschule Hackenberg: Keine Testverweigerer unter den 426 Schülern sowie 45 Lehrkräften. Die wenigen Lehrer, die nicht komplett geimpft seien, würden sich täglich testen und das auch protokollieren müssen. Ebenso an der Albert-Einstein-Schule: Martina Gathen, Leiterin der Gesamtschule, vermeldet bei 1172 Schülern sowie 102 Lehrkräften keine Verweigerer.

Gesundheitsamt in Remscheid: Deshalb sind Gruppenquarantänen abgeschafft

In die Nachverfolgung etwaiger Testverweigerer ist das Gesundheitsamt und sein Schulteam nicht involviert. Das Amt mit seinem Leiter Jens Pfitzner kümmert sich indes um die positiv getesteten Schüler und Lehrer. Bis Freitag gehörte hierzu auch, zu prüfen, wann eine Gruppenquarantäne notwendig ist. Nun ist die Gruppenquarantäne für Grund- und weiterführende Schulen aber abgeschafft worden. „Wir schicken nur noch die positiv getesteten Schüler und Schülerinnen in Quarantäne“, sagt Pfitzner. So habe die Verfolgung der Infektionsketten zuletzt untermauert, dass die Schulen nicht Infektionsschwerpunkt seien, erklärt Pfitzner die Entscheidung. Zur Wahrheit gehört aber auch die eingeschränkte Verfügbarkeit von PCR-Tests sowie der Fokus, trotz der zuletzt stark ansteigenden Fallzahl sicherzustellen, dass das Schulteam des Gesundheitsamts handlungsfähig bleibt.

Heike Adolf wünscht sich, dass Schulen flexibler auf Ausbruchsgeschehen reagieren dürfen, nennt unter anderem Wechselunterricht als eine Möglichkeit: „Wenn acht Schüler im Klassenraum sitzen und der Rest daheim, ist das nicht zielführend.“

Hintergrund

Regeln: Das NRW-Schulministerium stellt klar: „Der Zugang zum Schulgebäude ist ab dem 10. Januar 2022 nur getesteten Personen gestattet.“

Testhäufigkeit: Für weiterführende Schulen gilt, dass Schüler, Lehrer und weiteres Schulpersonal dreimal wöchentlich einen Selbsttest durchführen müssen – auch, wenn sie vollständig immunisiert sind. Die Schüler-Tests müssen unter Aufsicht in der Schule stattfinden.

Standpunkt

timo.lemmer@rga.de

Kommentar von Timo Lemmer

Das Beispiel der nun aufgehobenen Gruppenquarantänen für Schulklassen zeigt exemplarisch ein Problem dieser Tage auf: Wie schafft man möglichst viel Sicherheit für Schüler und Lehrkräfte, auf der anderen Seite aber auch möglichst viel Unterricht und soziale Kontakte für Kinder? Das Gesundheitsamt schafft die Gruppenquarantänen ab und verweist unter anderem darauf, dass Schulen keine Infektionsbeschleuniger – den Masken sei Dank – sind. Für die Kinder, die negativ getestet sind, obwohl es Positivfälle in der Klasse gab, ist das super. Sie können weiter zur Schule gehen, wichtige Bezugspersonen treffen, wertvolle Erfahrungen sammeln, und natürlich vor allem lernen. Und doch schwingt irgendwo, so beschreibt es auch Schulrätin Heike Adolf, immer die Unsicherheit mit: Was, wenn die Infektion doch längst im Verbund weitergereicht wurde? Was, wenn die Infektion eben mal nicht mild verläuft? Und was ist eigentlich mit den Lehrern, die in eine Klasse mit nachgewiesenen Infektionen müssen, weil die eigentliche Klassenlehrerin positiv ist – die dürften zurecht ein mulmiges Gefühl haben. Es ist und bleibt ein Spagat: Wie weit öffnen wir Omikron die Tür?

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