Pandemie

Corona-Fälle in Schulen schnellen in Remscheid nach oben

Lollitest in der 4 b der Daniel-Schürmann-Schule: vorne Zeynep (9), dahinter Mertcan (9), Abidin (10), Alpay (10), Hussein (9). Foto: Roland Keusch
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Lollitest in der 4 b der Daniel-Schürmann-Schule: vorne Zeynep (9), dahinter Mertcan (9), Abidin (10), Alpay (10), Hussein (9).
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Mit der vierten Welle wird ein Höchststand erreicht: Gesundheitsamt dokumentierte binnen 14 Tagen 152 Neuinfektionen

Remscheid. Nach den Herbstferien sind die Positivtestungen in den Remscheider Schulen explodiert. Seit dem 15. November dokumentierte das Gesundheitsamt bis Dienstagmorgen 152 Covid-19-Fälle in Grund- und weiterführenden Schulen. Insgesamt 400 Schüler waren binnen 14 Tagen von Quarantäne betroffen. „So viel hatten wir in den vergangenen 20 Monaten nie“, stellt Claudia Hüsch fest. Seit März 2020 betreut sie im Gesundheitsamt Kitas und Schulen. Mit der vierten Welle erreichen die Eingänge einen historischen Höchststand in Corona-Zeiten. In 152 Klassen gab es zumindest einen positiven Fall.

Darunter befanden sich acht sogenannte Ausbrüche. Unter dem Begriff sind mindestens zwei Fälle in einer Klasse – Lehrer oder Schüler – zusammengefasst, die dazu führen, dass nicht nur ein Einzelner bzw. weitere Kinder und Jugendliche aus dem unmittelbaren Umfeld, sondern die ganze Klasse für zehn Tage nach Hause geschickt werden. Freitestungen sind ab dem fünften Tage mit einem PCR-Test möglich, ab dem 7. Tag mit einem qualitativ hochwertigen Schnelltest.

„Der Aufwand, den wir nach 20 Monaten Dauerschleife betreiben, ist wahnsinnig.“

Claudia Hüsch, Gesundheitsamt

Auffällig dabei ist: „Es passiert häufig, dass sich Personen freitesten, negativ sind, zwei Tage später aber in der Schule einen positiven Befund haben.“ Claudia Hüsch hält diese Landesvorgabe deshalb für wenig sinnvoll: „Unserer Meinung nach sind fünf Tage viel zu kurz, um sich freitesten zu dürfen.“

Claudia Hüsch begrüßt die von NRW-Schulministerin Yvonne Gebauer angekündigte Rückkehr zur Maskenpflicht an Schulen. „Die Maßnahmen, die wir nach den Sommerferien bis zum Herbst hatten, waren zielführender“, betont Hüsch. Dazu zählte auch, dass nur der jeweils positiv Getestete in die Quarantäne ging.

Die sich sprunghaft nach oben entwickelnden Infektionszahlen und das politische Hin und Her mit wechselnden, unübersichtlichen Bestimmungen haben das Personal des Gesundheitsamtes an den Rand des Leistbaren und darüber hinaus getrieben: „Der Aufwand, den wir nach 20 Monaten Dauerschleife in der Nachverfolgung betreiben, ist wahnsinnig“, klagt Hüsch. „Wir sind absolut an der Belastungsgrenze und nehmen das Thema mit ins Wochenende.“

Allein sechs Mitarbeiter kümmern sich im Gesundheitsamt um Kitas und Schulen. Vier ermitteln, weitere zwei sind für den administrativen Part zuständig. Personell reicht das nicht aus, um Seite an Seite mit den ersten Ansprechpartnern, den Schulen, für eine hohe Transparenz zu sorgen. Die Zahlen aus den hiesigen Kitas bewegen sich noch nicht im roten Bereich. In den letzten 15 Tagen notierte das Gesundheitsamt zwölf Erzieherinnen und weitere acht Kinder, die positiv getestet wurden. Es gab dabei vergangene Woche nur einen Ausbruch an einer Kita, der für die Schließung einer Gruppe sorgte. Der Grund für die niedrigen Zahlen könnte darin liegen, dass an den Schulen deutlich verlässlicher getestet wird. In den Grundschulen zweimal wöchentlich mit Lolli-Tests im Mund-Rachenraum, die als Gruppentests ins Labor wandern, in den weiterführenden Schulen mit drei Selbsttests pro Woche im Unterricht.

In den Kitas gibt es keine Selbsttest-Pflicht. Die Eltern können darüber frei entscheiden. Bislang gingen die Lolli-Selbsttests daheim auf Treu und Glauben. Ob sie durchgeführt wurden und Ergebnisse richtig kommuniziert wurden, ließ sich nicht nachhalten. Mittlerweile sind einige Kitas dazu übergegangen, die Tests in der Einrichtung durchzuführen, um mehr Sicherheit zu haben. „Unsere Kitas haben dabei selber entschieden, ob sie es gestemmt bekommen oder nicht“, erklärt der städtische Kita-Planer Peter Nowack. Denn wie in der Schule, so sind die Selbsttestungen in den Kita-Gruppen ein erheblicher Mehraufwand für das Erzieher-Personal.

Hintergrund

Zwei weitere Remscheider im Alter von 64 und 83 Jahren sind an oder mit Covid-19 verstorben. Somit sind seit Beginn der Pandemie 192 Covid-Tote in Remscheid zu beklagen. Von den aktuell 23-Covid-19-Patienten in den Krankenhäusern, liegen fünf auf den Intensivstationen.

Standpunkt: Aufatmen im Hamsterrad

Kommentar von Andreas Weber

andreas.weber@rga.de

Am 2. November wurde die Maskenpflicht am Sitzplatz für Schüler und Schülerinnen aufgehoben. Das erlaubte buchstäblich ein kräftiges Durchatmen im Unterricht, mithin auch ein konzentrierteres Lernen unter ohnehin erschwerten Bedingungen. Verbunden jedoch mit dem Hinweis der Landesregierung, den sich dynamisch verändernden Bedingungen der Pandemie Rechnung zu tragen. Wenig überraschend tritt dieser Fall einen Monat später ein. Dabei hat die Angst, die durch die vermeintlich aus Südafrika stammende Covid-19-Variante ausgelöst wurde, keine Rolle gespielt. Auch ohne Omikron hätte uns ein wenig fröhliches Weihnachtsfest bevorgestanden. Denn die vierte Welle rollte schon vor vier Wochen über Deutschland hinweg. Nun kehrt die Maskenpflicht auf der Schulbank zurück. Weitere Restriktionen sind nur eine Frage der Zeit. Im Gesundheitsamt wird man dankbar dafür sein. Denn Verschärfungen der Corona-Bestimmungen bringen den Mitarbeitern bei dann vermutlich sinkenden Fallzahlen berufliche Erleichterung und ein Stück Normalität in ihrem Job, bei dem sie sich täglich ins Hamsterrad begeben.

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