Bühne

Comedian jammert sich durchs Leben

Stefan Waghubinger kam mit seinem trockenen Humor im Rotationstheater gut an. Foto: Roland Keusch
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Stefan Waghubinger kam mit seinem trockenen Humor im Rotationstheater gut an.

Stefan Waghubinger präsentierte sein Programm im Rotationstheater.

Von Elisabeth Erbe

Seine Nahtoderfahrung brachte Erkenntnis. Es lief ein trauriger Film, der vor seinen Augen ablief. Stefan Waghubinger gastierte am Sonntag im Rotationstheater.

Die Vorstellung sollte ursprünglich in der Klosterkirche gezeigt werden, im Haus des Veranstalters. „Bei uns passen 270 Personen in den Minoritensaal, aber bei so wenig Besuchern wären sie Lost in Space“, sagte Klosterkirchen-Kulturmanagerin Andrea Preker. Keine 20 Karten wurden verkauft, doch es hätte sich gelohnt.

Stefan Waghubinger kommt gebürtig aus Österreich und lebt seit 32 Jahren in Deutschland. Letztes Jahr gewann er mit seinem trockenen Humor den Kleinkunstpreis Baden-Württemberg. In seinem Programm „Ich sags jetzt nur zu Ihnen“ jammert er sich querfeldein durchs Leben. Mit doppeldeutigem Wortwitz analysiert er und zieht Bilanz: „Ich bin ein Gewinner, da ich gegen mich selbst spiele“, sagte er und ließ die Würfel fallen. Und wenn die Zahl nicht passte, dann wurde eben noch mal gewürfelt. Die Zukunft liege zwar vor uns, sei aber noch unbekannt. „Wie ein unbekanntes Gewässer, man geht tiefer und tiefer und verliert den Boden unter den Füßen“, sagte er metaphorisch.

Überaus klug klagte er über seine Schlafstörungen, Ängste und Sorgen und den Therapiekosten für sein Burnout. Zuviel gearbeitet, aber jetzt sei ja genug Geld für die Therapie da. „Burnout bekommt man nicht einfach so wie einen Virus. Den muss man sich erarbeiten“, sagte er.

Und eines Tages verließ ihn seine Frau. Dabei habe er ihren Geburtstag nur zwei Mal vergessen. Irgendwann passte es nicht mehr, das Miteinander. Sie hatte sich weiterentwickelt, er nicht. „Als ob ich eine Wohnung neu renoviere und dann dem Mieter kündige, weil er nicht mehr zur Wohnung passt“, verglich er.

Schon in der Kindheit begann sein verkorkstes Leben. Freunde durfte er nicht nach Hause bringen. „Damit der Teppich länger hält“, erinnerte er sich an die Worte seiner Mutter.

Ratschläge holt er sich in der Imbissstube nebenan. Doch in der Suppe fand Waghubinger ein Haar. „Der Rudi sagte mir, dass ich immer ein Haar in der Suppe finde, wenn ich danach suche“, sagte der Comedian, „beim Rudi bekomm ich philosophische Erkenntnisse für 3,50 Euro und eine Suppe“. Und genauso sei es im Leben. Wer Probleme suche, werde auch welche finden. „Und manchmal muss man nicht nach dem Warum fragen. Man muss einfach weitermachen und ein würdiges Ambiente schaffen“, erklärte er. Menschen erschafften etwas, obwohl es einstürzen könne, wie ein Bauwerk, ein Käsekuchen oder eine Firma. „Heutzutage wechseln sich richtig und falsch so schnell ab, dass selbst Opportunisten schwindelig wird“, sagte Waghubinger kopfschüttelnd. Und doch muss man weitermachen. „Und deshalb bin ich systemrelevant“, schloss er den Abend und erhielt lautstarken Applaus.

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