FDP-Bundesvorsitzender in Remscheid

Christian Lindner hält Corona-Krise für beherrschbar

Christian Lindner sprach am gestrigen Abend vor annähernd 60 Zuhörern in Lennep. Und rief die Remscheider dabei unter anderem zur Teilnahme an der Kommunalwahl auf. Während die Menschen in Minsk für die Demokratie kämpfen, sei das schon eine moralische Verpflichtung. Foto: Roland Keusch
+
Christian Lindner sprach am gestrigen Abend vor annähernd 60 Zuhörern in Lennep. Und rief die Remscheider dabei unter anderem zur Teilnahme an der Kommunalwahl auf. Während die Menschen in Minsk für die Demokratie kämpfen, sei das schon eine moralische Verpflichtung.
  • Axel Richter
    VonAxel Richter
    schließen

Lob für Unternehmen, Warnung vor Zombiefirmen und Details über die nationale Erbsenreserve waren Thema in der Klosterkirche.

Von Axel Richter

Remscheid. In der Corona-Krise zählt die FDP nicht gerade zu den Gewinnern. Der gestrenge Landesvater geriet zum Idealbild der deutschen Politik, nicht der Kämpfer für die Freiheitsrechte. Das bekam Christian Lindner nach einem Auftritt bei Maybrit Illner zu spüren, wo er in bester liberaler Tradition für Lockerungen eingetreten war - und dafür in Zuschauermails beschimpft wurde. Gestern Abend hatte der FDP-Bundesvorsitzende in Remscheid dagegen ein Heimspiel. Und keiner widersprach, als er sagte: „Ich halte die Corona-Krise für beherrschbar.“

Knappe zwei Wochen vor der Kommunalwahl stattete der prominente Liberale der Remscheider FDP seinen Besuch ab, um Sven Chudzinski, FDP-Spitzenkandidat für die Ratswahl am 13. September, den Rücken zu stärken. Im Minoritensaal der Klosterkirche begegnete der Chefliberale einem freundlich gestimmten Publikum und das auf bekanntem Terrain. Der 41 Jahre alte FDP-Chef ist in Wermelskirchen aufgewachsen, Remscheid kennt er gut.

„Wirtschaft braucht Verlässlichkeit“, hatte Lindner seinen Vortrag überschrieben. Für die Unternehmen, denen es gelungen war, quasi über Nacht ganze Belegschaften ins Homeoffice zu schicken, hatte er viel Lob übrig. Und ebenso für die übergroße Mehrheit der deutschen Bevölkerung, die bis heute verantwortungsvoll, solidarisch und vernünftig agiere. Am Handeln des Staates hat der Oppositionspolitiker dagegen so einiges auszusetzen.

„Wir haben eine nationale Erbsenreserve“, erklärte er dem verdutzten Publikum. „Es werden im Falle nationaler Krisen auch noch andere Hülsenfrüchte für sie vorgehalten.“ Gelächter im Saal. „Da habe ich gedacht, das Land ist wirklich präpariert. Aber Schutzmasken hatte es nicht in seinen Depots, das heißt im wichtigsten Punkt, dem Bevölkerungsschutz, waren wir plötzlich blank.“

Also soll der Staat sich beschränken auf seine Kernaufgaben, fordert der Liberale. Und dazu in die Zukunft investieren, statt zum Beispiel mit einer Senkung der Mehrwertsteuer zum Ankurbeln der Wirtschaft nur ein Strohfeuer zu entfachen. „Das kostet uns 20 Milliarden Euro“, erklärte Lindner: „Für diesen Betrag könnte der Staat alle 35 000 Schulen in Deutschland an das Breitbandnetz anschließen, sie mit WLAN versorgen und zusätzlich alle bedürftigen Kinder und auch alle Lehrerinnen und Lehrer mit einem Notebook ausstatten. Und: Es wäre noch genug Geld übriggeblieben, um an allen 35 000 Schulen die Toiletten zu sanieren.“ Wieder hatte Lindner die Lacher auf seiner Seite.

„Es gibt eine nationale Erbsenreserve.“

Christian Lindner

Der Politiker, der schon als junger Wermelskirchener nicht auf den Mund gefallen war, fordert die Menschen heute dazu auf, sich ein kritisches Bewusstsein gegenüber staatlichen Eingriffen zu bewahren. Das gilt auch für mutmaßliche Wohltaten, wie die Verlängerung des Kurzarbeitergeldes bis Ende 2021. Lindner warnt vor Zombie-Firmen, die längst vor der Krise in Schieflage geraten waren und ihr Überleben am Ende allein den Geldern des Steuerzahlers verdanken.

„Wir müssen jetzt aufpassen, dass die Wirtschaftskrise für uns nicht riskanter wird als die Gesundheitskrise“, mahnte der FDP-Chef und warnte vor den Kollateralschäden der Krise durch Lockdown, Kurzarbeit, Schul- und Kitaschließungen, deren Ausmaß noch gar nicht absehbar ist. Er sieht aber auch Chancen: „Lassen sie uns das Positive aus der Krise mitnehmen: Verantwortungsbewusstsein, Flexibilität, Solidarität. Und lassen sie uns bürokratische Hemmnisse über Bord werfen.“ Dann sei das Land gut gerüstet. Denn, da ist er sich sicher: „Die nächste Krise kommt bestimmt.“

Mehr zum FDP-Spitzenkandidaten für Remscheid: FDP: Chudzinski steht für Erneuerung

Podiumsdiskussionen mit allen Spitzenkandidaten: Zum Schluss entbrennt eine hitzige Diskussion

Das sieht schon mehr nach Wahlkampf aus

Das könnte Sie auch interessieren

Meistgelesen

Dieb schlägt auf seinen Verfolger ein
Dieb schlägt auf seinen Verfolger ein
Dieb schlägt auf seinen Verfolger ein
Spiel, Bier und Musik: Das Großevent auf dem Schützenplatz startet
Spiel, Bier und Musik: Das Großevent auf dem Schützenplatz startet
Spiel, Bier und Musik: Das Großevent auf dem Schützenplatz startet
Fluthilfe Remscheid: 311.000 Euro sind eingegangen
Fluthilfe Remscheid: 311.000 Euro sind eingegangen
Fluthilfe Remscheid: 311.000 Euro sind eingegangen
Friedrich-Ebert-Platz: Der Umbau beginnt mit Abriss
Friedrich-Ebert-Platz: Der Umbau beginnt mit Abriss
Friedrich-Ebert-Platz: Der Umbau beginnt mit Abriss

Unsere News per Mail

Nach der Registrierung erhalten Sie eine E-Mail mit einem Bestätigungslink. Erst mit Anklicken dieses Links ist die Anmeldung abgeschlossen. Ihre Einwilligung zum Erhalt des Newsletters können Sie jederzeit über einen Link am Ende jeder E-Mail widerrufen.

Die mit Stern (*) markierten Felder sind Pflichtfelder.

Kommentare