Bundestagswahl 2021

Chorsänger sind noch unentschlossen

Viele der Chorsänger sind von den Kanzlerkandidaten enttäuscht Foto: Michael Schütz
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Viele der Chorsänger sind von den Kanzlerkandidaten enttäuscht
  • VonValeria Schulte-Niermann
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Mitglieder des Lüttringhauser Männerchors entscheiden sich erst am Wahlsonntag

Remscheid. Beim Besuch des Lüttringhauser Männerchors wurde eines sofort deutlich: Viele wissen nicht, welche Partei sie am 26. September wählen sollen.

In der Bevölkerung gebe es keinen Favoriten, hat Werner Marché (85) festgestellt. „Das zeigt, dass keine Politik sie in den Bann gezogen hat“, sagte er beim Bratwurstessen.

„Uns geht es ja gut, wir können uns nicht beschweren“, sagte Friedhelm Rohs (73). Er weiß, dass das egoistisch ist und natürlich gebe es immer etwas zu verbessern. Wer das tun kann, weiß er nicht. Armin Laschets (CDU) Verhalten empfindet er als Unding, und Annalena Baerbock (Grüne) habe zu wenig Politik-Erfahrung für die Kanzlerschaft.

Die Politik von Angela Merkel empfinden viele der Herren als in Ordnung. Bevor sie Kanzlerin wurde, war sie schon viele Jahre in der Politik und: „Sie hat etwas Berechenbares und sich international einen Namen gemacht“, sagte Chorleiter Klaus Everling.

Nun regiert bald ein neuer Bundeskanzler oder -kanzlerin in einer neuen Koalition. Die geringe Beliebtheit der Kandidaten und die Unsicherheit, welche Parteien eine Koalition bilden werden, verunsichern die Chormitglieder.

„Ich habe keine Meinung“, sagte Christian Matuschek (71). Er ist von den größeren Parteien enttäuscht, die seiner Meinung nach viel versprechen, aber wenig erfüllen. Er schwankt zwischen SPD und CDU, hat aber kein Verständnis für Laschets Lachen in Erftstadt nach der Flutkatastrophe. „Wie kann sowas passieren? Er weiß doch von den Kameras“, fragt sich Christian Matuschek.

Ein Problem ist auch, dass keine Partei die Senioren vollends anspricht. So auch Wolfgang Birkenstock (75): „In Nuancen kann ich jeder Partei etwas abgewinnen.“ Diese Unentschlossenheit führt bei Dirk Bosselmann (80) zu Politikverdrossenheit. Er wünscht sich eine Partei, „die mit Macht versucht, Bürokratie abzubauen.“ Denn diese verkompliziere einiges. Er macht sich aber auch Gedanken um jüngere Generationen. Besonders in Bezug auf die Rente, wenn wenig junge Menschen für viele alte sorgen sollen. Bei der Rente wünschen sich viele der Sänger höhere Auszahlungen und dass auch Hausfrauen und Mütter mehr verdienen. „Meine Frau hat vier Kinder und bekommt 300 Euro Rente. In den Niederlanden würde sie 1000 Euro bekommen“, sagte Werner Marché.

Extreme rechte und linke Parteien sollen nicht zu stark vertreten sein

Doch auch, wenn keine perfekte Partei dabei sei, wichtig sei, überhaupt wählen zu gehen, wie Chorleiter Klaus Everling betonte. Und: „Ich wünsche mir, dass extreme Parteien nicht unverhältnismäßig vertreten sind”, sagte er.

Viele warten noch ab, was bis zum Wahlsonntag passiert. Es entscheide sich auf den letzten Metern, sagte Christian Matuschek. Dann werden einige ihr Kreuz nach dem gleichen Kriterium wie Friedhelm Rohs setzen: „Ich wähle das kleinste Übel”, sagte er.

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