Wirtschaft

China: Experte sieht Risiko und Chance

Der Wermelskirchener Harald Lux ist ein ausgewiesener China-Experte. Umso eindrucksvoller war sein Vortrag bei der MIT. Foto: Michael Schütz
+
Der Wermelskirchener Harald Lux ist ein ausgewiesener China-Experte. Umso eindrucksvoller war sein Vortrag bei der MIT.

Der Vorsitzende der Deutsch-Chinesischen Wirtschaftsvereinigung, Harald Lux, referierte bei der Mittelstandsvereinigung.

Von Tristan Krämer

Wie groß die Sorgen vor dem wirtschaftlichen Einfluss Chinas sind, zeigten die Fragen, die die Mitglieder der Remscheider Mittelstands- und Wirtschaftsvereinigung (MIT) der CDU am Mittwoch dem Referenten des Abends stellten. Harald Lux, früherer Vorstandsvorsitzender der Baumarkt-Handelskette Obi und heute Leiter des Deutsch-Chinesischen Wirtschaftsvereinigung (DCW) e.V., sprach über die Bedeutung Chinas für die Weltwirtschaft sowie Chancen und Risiken, die das Reich der Mitte auch für bergische Unternehmen bietet.

Die Mitglieder der MIT, die sich zuvor zur Mitgliederversammlung (siehe Infokasten) im Schützenhaus getroffen hatten, wollten von Lux wissen, was gegen den Diebstahl von Patenten und geistigem Eigentum getan werden könne. Und wie Lux den unfairen Wettbewerb mit Staatsunternehmen bei Investitionen in China einschätze. Und ob die Macht des 1,3-Milliarden-Reiches der deutschen Industrie bald den Rang ablaufen könne. Sogar die „Methode Trump“, mit Strafzöllen gegen das chinesische Wirtschaftsgebaren vorzugehen, wurde in Betracht gezogen, um Druck auszuüben.

WAHLEN

MIT Vorsitzender der Mittelstandsvereinigung bleibt Alexander Lampe, der einstimmig im Amt bestätigt wurde. Seine Stellvertreter sind Kurt-Peter Friese und Dr. Peter Dültgen. Als Schatzmeister wurde Ralf Hesse einstimmig bestätigt. Weitere Mitglieder des Vorstands: Jan-Wilhelm Arntz, Axel Eversberg, Ulrich Gehrlein, Michael Hagemann, Sandra Maria Hefen, Gero Hübenthal, Thorsten Kapitza, Dr. Peter Neu, Bernd Quinting und Peter Reintzsch.

Tatsächlich beschrieb Harald Lux in seinem Vortrag einen status quo Chinas, bei dem den Zuhörern zwar nicht zwangsläufig angst und bange, dafür aber schwindelig werden konnte. „Das Land verfügt über die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt und steuert allein 30 Prozent zum weltweiten Wachstum bei“, erläuterte der Experte. Dass das Wirtschaftswachstum nicht mehr bei 8, sondern „nur noch“ bei gut 6 Prozent liege, sei angesichts des rasanten Aufstiegs der vergangenen Jahre und mit Blick auf europäische Verhältnisse kein Indiz für Schwäche.

Stattdessen investiere die Volksrepublik kräftig in ihre Infrastruktur. „China verfügt bereits über das größte Netz für Hochgeschwindigkeitszüge. Von aktuell 20 000 Kilometer soll es bis 2035 auf 45 000 Kilometer mehr als verdoppelt werden“, nannte Lux ein Beispiel. Insgesamt sollen in den nächsten fünf Jahren 480 Milliarden Euro in die Verkehrsnetze investiert werden – und zwar in China, aber auch in Afrika und Südamerika, die das Land als Investitions- und Absatzmärkte entdeckt habe.

China ist auch ein riesiger Absatzmarkt

Der DCW-Vorsitzende machte auch keinen Hehl daraus, dass der chinesische Staat in seiner Handelspolitik nicht immer fair vorgehe. „Kritiker sagen, dass China zwar gerne vom freien Welthandel profitiert, sich aber selbst über dessen Prinzipien hinwegsetzt“, sagte Lux und meinte damit unter anderem den Zwang, Technologie-Know-How preiszugeben, wenn in China investiert werde. Auch die Tatsache, dass das Reich der Mitte zahlreiche ausländische und auch deutsche Unternehmen und damit auch deren Wissen übernehme, sei nicht von der Hand zu weisen. So lagen die chinesischen Auslandsinvestitionen 2016 bei 180 Milliarden Euro. Rund 35 Milliarden flossen nach Europa, nach Deutschland gingen 11 Milliarden Euro und damit mehr als in jedes andere europäische Land.

Allerdings, betonte Lux, müssten die Zahlen in Relation gesetzt werden. Denn von den 1500 Übernahmen deutscher Unternehmen seien nur 58 von chinesischen Investoren getätigt worden. Und ohnehin, das wurde deutlich, halten sich Risiken und Chancen Chinas für die deutsche Wirtschaft nach Ansicht von Harald Lux die Waage.

Denn das Land sei auch ein riesiger Absatzmarkt. Zum einen, weil der private Konsum rasant ansteige, der aktuelle Fünfjahresplan der Regierung bis 2020 im Vergleich zu 2010 eine Verdopplung der Einkommen vorsehe. Zum anderen, weil China gerade in den Bereichen Investitionsbedarf habe, in denen deutsche Unternehmen die Nase vorn haben. Einerseits bei Infrastrukturprojekten und andererseits bei erneuerbaren Energien. Derzeit kostet die Umweltverschmutzung China rund 10 Prozent des Bruttoinlandsproduktes – und 750 000 Menschen frühzeitig das Leben. Entsprechend absehbar sei, dass das Land in saubere Energietechnik investieren müsse.

Das könnte Sie auch interessieren

Meistgelesen

Video von Unfallgeschehen gemacht? Remscheidern droht Strafverfahren
Video von Unfallgeschehen gemacht? Remscheidern droht Strafverfahren
Video von Unfallgeschehen gemacht? Remscheidern droht Strafverfahren
Waffeleria im Zentrum Süd: Familie Salsedo sorgt für eine gelungene Party
Waffeleria im Zentrum Süd: Familie Salsedo sorgt für eine gelungene Party
Waffeleria im Zentrum Süd: Familie Salsedo sorgt für eine gelungene Party
Die Vergessenen aus dem Morsbachtal
Die Vergessenen aus dem Morsbachtal
Die Vergessenen aus dem Morsbachtal
Nach Schüssen: Die Opfer müssen sich verstecken
Nach Schüssen: Die Opfer müssen sich verstecken
Nach Schüssen: Die Opfer müssen sich verstecken

Unsere News per Mail

Nach der Registrierung erhalten Sie eine E-Mail mit einem Bestätigungslink. Erst mit Anklicken dieses Links ist die Anmeldung abgeschlossen. Ihre Einwilligung zum Erhalt des Newsletters können Sie jederzeit über einen Link am Ende jeder E-Mail widerrufen.

Die mit Stern (*) markierten Felder sind Pflichtfelder.

Kommentare