Meine erste Platte

Chet Baker weckte das Jazzfieber von Zahnarzt Felix Nolzen

Zahnarzt Felix Nolzen musste nach „The touch of your lips“ nicht lange suchen – die meisten seiner Platte sind Geschenke.
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Zahnarzt Felix Nolzen musste nach „The touch of your lips“ nicht lange suchen – die meisten seiner Platte sind Geschenke.

Seine Liebe galt dem Schlagzeug, doch auf seiner ersten Platte fehlte jenes Instrument.

Von Peter Klohs

Remscheid. Der Doktor muss nicht lange suchen. Kaum habe ich in seinem Haus in einem Lenneper Neubaugebiet Platz genommen und am Cappuccino genippt, zieht Felix Nolzen ohne zweiten Blick eine Langspielplatte aus einem Stapel LPs hervor und präsentiert sie mit einem: „Das ist sie.“ In der Hand hält er eine durchaus seltene Platte, die Ende der 70er Jahre auf dem dänischen Jazz-Label Steeplechase erschienen ist: „The touch of your lips“ des Trompeters Chet Baker. Das damals schlagzeuglose Trio spielt darauf eine Mixtur aus Cool Jazz und Bebop.

Dabei war Schlagzeug die erste musikalische Liebe des jungen Felix, sehr zum Leidwesen seiner Eltern. Also lernte er zunächst, Akkordeon zu spielen, später kam der Bass hinzu. „Es gab das Format ‚Bergischer Jazzlöwe‘“, erinnert sich der Zahnarzt, „und da ich ein bisschen E-Bass spielen konnte, meldete ich mich da an. Mein Lehrer war kein anderer als Dietmar Fuhr, ein in der Jazz-Szene sehr bekannter Musiker, der schon mit Richie Beirach, Enrico Rava und anderen Stars zusammengespielt hatte. Der brachte mich dann langsam zum Kontrabass.“ Während des Studiums ergab es sich, dass Felix in eine gerade gegründete Jazzband einstieg. „Wir Ärzte haben im OP festgestellt, dass wir alle ein Instrument spielten, und zwar alle unterschiedliche Instrumente. Da bot sich das an.“ Die Band gibt es heute noch und probt zweimal monatlich.

Warum er ein Faible für den Jazz hat, weiß er nicht genau zu beschreiben. „Ich höre das einfach gerne“, sagt er. Zu der Chet-Baker-LP (und zu vielen anderen in seiner Sammlung) kam er auf besondere Weise. Er habe, so berichtet er, zahlreiche Patienten, die wissen, dass er Jazzfan und überhaupt der Musik zugetan ist, die ihre Platten aber nicht mehr anhören könnten oder wollten. „Es ist tatsächlich so, dass ich die meisten Platten in meiner Sammlung von Freunden und Bekannten geschenkt bekommen habe. Und die erste Platte, die ich durch eine solche Schenkung bekam, war diese Chet-Baker-Aufnahme.“ Er weiß, dass Baker durch eine Schlägerei zwei Schneidezähne verloren hatte, nur nuschelnd und daher selten gesungen hat. Der heroinabhängige Trompeter starb 1988 mit 59 Jahren nach einen Sturz aus einem Hotelzimmer. „Aber musikalisch war er ein Genie“, ist Felix Nolzen überzeugt.

Musik anderer Genres ist ebenso Bestandteil von Nolzens Sammlung. Da sehe ich Pink Floyd und Genesis einträchtig beieinander, und auch viel klassische Musik, Klavierkonzerte, Symphonien, Opern. „Auch die sind durch Schenkungen in meinen Besitz gelangt“, erzählt der musizierende Zahnarzt. Durch die Freundschaft zu Christoph Spengler spielt er seit Jahren im Jungen Orchester, das vom Kirchenmusikdirektor geleitet wird. „Die hatten einen Mangel an Bassisten“, sagt Nolzen und schmunzelt. „Dann hat sich das so ergeben.“

Musik muss für ihn Emotionen auslösen. Daher kann er Techno nicht ertragen, eine Musikrichtung, die ihm zu wenig Gefühle transportiert. Harter Rock geht, Rammstein und solche Kaliber, Fanta 4 ist auch noch erträglich, Gangsta-Rap allerdings nicht. „Aber Klassik“, sagt er. „Das ist so friedlich.“ Einen Wunsch hat er noch: Er möchte das Bandoneon, was er auch spielen kann, in den Jazz integrieren, noch einen Schritt weitergehen als der wunderbare Astor Piazzolla.

Zur Person

Felix Nolzen wurde 1989 in Remscheid geboren und lebt in Lennep. Der Zahnarzt mit einer Praxis in Lüttringhausen ist Hobbyimker und Musiker, der im Jungen Orchester unter Christoph Spengler klassische Musik auf dem Kontrabass spielt. Seine Jazzband aus Studientagen existiert nach wie vor.

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