Gegen Mobbing

„Captain Ich“ setzt die Superkräfte bei Kindern frei

Katja Engelmann setzt bei ihrem Training mit Kindern Kuscheltiere ein. Auf ihrem Weg zur inneren Stärke begleitet die Kinder „Captain Ich“, ein Superheld, den die Mutter selbst kreiert hat. Foto: Roland Keusch
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Katja Engelmann setzt bei ihrem Training mit Kindern Kuscheltiere ein. Auf ihrem Weg zur inneren Stärke begleitet die Kinder „Captain Ich“, ein Superheld, den die Mutter selbst kreiert hat.

Trainerin Katja Engelmann erarbeitet mit Kindern und Jugendlichen eine Strategie, wie sie sich gegen Mobbing wehren können.

Von Melissa Wienzek

„Ich mach dich tot!“ Dieser Satz hat sich bei dem jungen Mädchen so eingeprägt, dass es nur noch mit Bauchschmerzen in die Schule gegangen ist – immer mit der Angst, der Klassenkamerad könnte es ernst meinen. In diesem Fall meinte der Junge es gar nicht so: Offenbar hatte er beim Kampfsport etwas aufgeschnappt. Doch zurück bleibt das mulmige Gefühl. Und manchmal steckt eben auch mehr hinter verbalen Attacken. In einigen Fällen bleibt es auch nicht nur bei Beleidigungen und Sprüchen, sondern wird es körperlich. Mobbing ist ein allgegenwärtiges Thema und fängt bereits im Kleinen an. Darüber sprechen möchten allerdings nur die wenigsten.

Anders Katja Engelmann (49): Die Remscheider Kinder-, Jugend- und Familientrainerin will in Kitas und Schulen aufklären und die Kinder gezielt stärken – damit sie für Angriffe von außen gewappnet sind. „Mittlerweile wird bereits jedes dritte Kind ab dem Vorschulalter gehänselt, ausgegrenzt, ihm werden Gegenstände entwendet, es gibt Gewaltandrohungen – bis zur Gewalttat“, sagt die dreifache Mutter und bezieht sich dabei auf eine Studie der Bertelsmann-Stiftung 2019. Vor allem Cybermobbing verbreite sich rasant unter Schülern, schon im Grundschulalter. Smartphone, Tablet, Laptop sind die Lebenswirklichkeit der heutigen Kinder und Jugendlichen. Laut „Cyberlife-III-Studie“ der Techniker Krankenkasse, die das Phänomen seit 2013 beobachtet, ist die Zahl der betroffenen Kinder seit 2017 um 36 Prozent gestiegen. Bedeutet: Fast zwei Millionen Schüler sind von Cybermobbing betroffen. „Mobbing ist ein individuell gefühlter Prozess, jedes Kind reagiert anders darauf. Daher ist es wichtig, Kinder schon ab dem Vorschulalter zu stärken“, ist die Trainerin überzeugt. Wichtig sei auch, die „Täter“ in diesem Szenario zu hinterfragen. Warum mobben sie andere? „Oft sind sie einst selbst zum Opfer geworden oder haben zu Hause keine andere Option – und wehren sich nun“, erklärt Katja Engelmann.

„Resilienz ist das Immunsystem unserer Seele.“

Katja Engelmann

Hier setze ihr Training an: Kinder lernen bei ihr eine Strategie, um ein Schutzschild um sich herum aufzubauen. Sie lernen, über sich hinauszuwachsen, und werden nachhaltig in ihrem Selbstbewusstsein gestärkt. „Ich wünsche mir mehr Resilienz für die Kinder, denn diese ist das Immunsystem unserer Seele“, sagt die Kinder- und Jugendtrainerin, die sich 2019 selbstständig machte. Eine Herzensaufgabe, wie sie sagt. „Ich möchte jungen Menschen helfen, an den Herausforderungen des Lebens zu wachsen.“ Nach ihrer Ausbildung 2019 zur Selbstbehauptungstrainerin bei „Stark auch ohne Muckis“, Daniel Duddek, ist ihr eigenes Konzept „Captain Ich“ entwachsen.

Denn Selbstbewusstsein und Resilienz gelingen durch innere Stärke – und bei diesem Weg dorthin begleitet die Kinder „Captain Ich“. Die kleine Superhelden-Figur, die Katja Engelmann selbst entworfen hat, steht sinnbildlich für die Superkraft, die jedes Kind in sich trägt. Das Trainingskonzept und den Namen hat sich die gelernte Industriekauffrau schützen lassen. Durch Rollenspiele lernen die Kinder, wie sie sich in Konfliktsituationen verhalten. Zudem, wie sie auf Beleidigungen reagieren, was sie tun sollten, wenn der Klassenkamerad ihnen das Federmäppchen oder die Mütze stiehlt, wie und wann sie Hilfe holen und wie sie auf Gewaltandrohungen oder Gewalt reagieren sollten. Aus der schüchternen Haltung wird Mut, aus einer unsicheren Körpersprache ein überzeugendes Auftreten. „93 Prozent unserer Kommunikation laufen nonverbal“, erklärt die Trainerin.

Auch die klare Kommunikation trainiert Katja Engelmann mit den Kindern, immer spielerisch. Zum Einsatz kommen dabei gern Kuscheltiere, natürlich „Captain Ich“ und auch schon mal das Trampolin im Garten. Zwischen den Rollenspielen und Übungen gibt es immer Auflockerungen wie Tanzen oder Meditation.

Auch Eltern bezieht Katja Engelmann oft in die Workshops ein. Denn durch das intensive Auseinandersetzen mit ihren Gefühlen und Wünschen erfährt sich die Familie noch mal neu – und wird gestärkt. „Alle Gefühle sich richtig und wichtig“, sagt die 49-Jährige. Sensibilität genauso wie Wut. „Doch was hierbei wichtig ist, sind die Handlungen, die auf Gefühle folgen.“ Katja Engelmann zeigt Alternativen auf. Beispiel Wut: Statt den Bruder zu hauen, könnte man seinen Frust auch am Boxsack auslassen oder Papier zerknüllen und in den Mülleimer pfeffern. Einigen Kindern hilft das.

Und das Wichtigste bekommen die Kinder auch gleich mit auf den Weg: Ich darf so sein, wie ich bin. „Aber auf die Handlungen sollte geachtet werden, damit wir niemandem schaden“, sagt Katja Engelmann.

Kontakt

Angebot: Offene Kurse für Kinder von 5 bis 11 Jahren, Kurse in Kitas, Grundschulen und weiterführenden Schulen, Workshops für Kinder und Familien, Einzelcoaching, Pädagogen-Fortbildungen, teilweise online über Zoom.

Termin: Am Dienstag, 1. Juni, informiert Katja Engelmann live auf ihrer Facebookseite.

Themen: Selbstbehauptung, Suchtprävention, Mobbing/Cybermobbing, Teambuilding.

Kontakt: Katja Engelmann, Bergfrieder Weg 1, Remscheid, Tel. (01 78) 8 82 81 65, E-Mail: kontakt@katja-engelmann.de

www.katja-engelmann.de

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