Bezirksvertretung

Bürgermeisterwahl in Lennep: CDU nach Aussage von David Schichel verärgert

Petra Kuhlendahl.
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David Schichel.
  • Frank Michalczak
    VonFrank Michalczak
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Petra Kuhlendahl (Grüne) tritt gegen Markus Kötter (CDU) an. Vorab gibt es Ärger zwischen den Parteien.

Remscheid. Vor der Wahl eines neuen Bezirksbürgermeisters für Lennep am kommenden Mittwoch sorgt eine Äußerung des grünen Ratsfraktionschefs David Schichel bei der CDU für Verärgerung. Im Gespräch mit dem RGA hatte Schichel das Amt für die Grünen reklamiert. Die Zuständigkeit für Lennep sei Teil des Koalitionsvertrages, den SPD, Grüne und FDP vereinbart hatten.

Die Aussage erzürnt Mathias Heidtmann, stellvertretender Vorsitzender der CDU-Ratsfraktion. Es obliege allein den Mitgliedern der Bezirksvertretung, einen neuen Bezirksbürgermeister zu wählen. Und nicht drei Parteien in irgendwelchen Hinterzimmern. Wie berichtet, schickt die CDU erneut Markus Kötter ins Rennen um den Posten des Lennep-Bürgermeisters. Er hatte das Amt bereits von 2014 bis 2020 inne.

Wie nicht anders zu erwarten, erhält Kötter die Rückendeckung seiner Parteifreunde im Stadtteilparlament. „Für die Lenneperinnen und Lenneper war und ist Markus Kötter ein guter Ansprechpartner, der sich kümmert“, erklären Corinna Hindrichs, Gabi Kemper-Heibutzki und Kai Kaltwasser: „Markus Kötter hat in sechs Jahren gezeigt, dass er es kann. Wir sind der Ansicht, dass wir in diesen schwierigen Zeiten einen Bezirksbürgermeister von seinem Format brauchen.“

Die Bezirksvertretung kommt zur Wahl und Diskussion anderer Stadtteilthemen am Mittwoch um 17.30 Uhr im Evangelischen Gemeindehaus Bergisch Born zusammen. ric

Petra Kuhlendahl kandidiert als Bezirksbürgermeisterin für Lennep

Von Frank Michalczak

Remscheid. Petra Kuhlendahl (Grüne) möchte die neue Bezirksbürgermeisterin Lenneps werden. Die 54-Jährige steht am nächsten Mittwoch in der zuständigen Bezirksvertretung (BV) zur Wahl, wobei sich abzeichnet, dass sie einen Gegenkandidaten bekommt: Auch Markus Kötter (CDU) interessiert sich für das Amt, das er von 2014 bis 2020 bekleidete. Nach der letzten Kommunalwahl übernahm Rolf Haumann (Grüne) diesen Posten. Weil er aus gesundheitlichen Gründen zurücktrat, muss die BV nun über seine Nachfolge entscheiden. Angesichts der Stimmenverhältnisse könnte die geheime Abstimmung spannend werden.

Mit Petra Kuhlendahl tritt eine Politikerin an, die sich gut im Ort auskennt. „Ich lebe jetzt 54 Jahre in Lennep und bin hier bestens vernetzt“, erklärt die Kandidatin, die seit 2018 den Grünen angehört und seit 2020 sowohl im Stadtrat als auch in der Lenneper BV einen Sitz hat. Die Reiseverkehrskauffrau vertritt klare Positionen - etwa, wenn es um das Wohngebiet Knusthöhe geht, das sie ablehnt. Moderner Wohnraum müsse auf versiegelten Flächen entstehen und nicht auf der grünen Wiese. „Zum Beispiel auf den Grundstücken, auf denen das Outlet-Center entstehen sollte oder an der Ringstraße.“

Zurückhaltend sei sie beim Vorhaben, Gewerbegebiete in Bergisch Born zu erschließen. Aktuell gebe es zwar eine große Nachfrage von Unternehmen. „Aber es stellt sich die Frage, wie sich das in den nächsten zehn Jahren entwickeln wird. Wir erleben ja jetzt schon einen großen Wandel“ , sagt Petra Kuhlendahl, die sich für das Amt gerüstet sieht. „Ich bringe das nötige Durchsetzungsvermögen für die gestandenen Herren mit. Und ich denke, dass eine Frau Lennep guttun würde.“

Es gibt bei der Abstimmung zweites Zünglein an der Waage

Dies ist aber auch abhängig von einem Mann: SPD und Grüne verfügen über keine Mehrheit. Colin Cyrus (Linke) könnte ihnen diese aber bescheren: „Das werde ich nicht alleine entscheiden, wir besprechen dies noch in der Fraktion“, sagt er. Es gebe bei der Personalfrage ein Für und Wider. Die Grünen ständen der Linkspartei zwar deutlich näher: „Aber bei manchen Sachfragen haben wir zuletzt gut mit der CDU auf kommunaler Ebene zusammengearbeitet.“ Zudem habe Kötter stets Souveränität ausgestrahlt - auch als er nach dem Rückzug von Rolf Haumann einspringen musste.

Markus Kötter.

David Schichel, Fraktionschef der Grünen im Rat, reklamiert das Amt für seine Partei. Die Zuständigkeit für Lennep sei Teil des Koalitionsvertrags, den die Gestaltungsmehrheit aus SPD, Grüne und FDP vereinbart habe - aber dafür nun bei den Linken Zustimmung finden muss. Unabhängig davon werde seine Fraktion künftig stärker auf CDU und Linkspartei zugehen: „Wir haben da ganz sicher Fehler gemacht“, erklärt er.

Dabei verweist Schichel auch darauf, dass die Grünen bei der Abstimmung neben der SPD nur die eine Stimme der Linkspartei benötigen. „Markus Kötter müsste hingegen auch Unterstützung von Rechtsaußen erhalten“, sagt Schichel. Denn das zweite Zünglein an der Waage ist ein Vertreter, der für die AfD in die BV gewählt wurde. „Markus Kötter muss sich fragen lassen, ob er dies bei der Wahl wirklich verantworten will“, findet Schichel.

Standpunkt von Frank Michalczak: Diffuse Mehrheiten

frank.michalczak@rga.de

Gerade einmal 16 Stimmen fehlten der FDP bei der vergangenen Kommunalwahl, um einen Sitz in der Lenneper Bezirksvertretung zu bekommen. So wurde es nichts mit der gemeinsamen Gestaltungsmehrheit von SPD und Grünen, die ansonsten das politische Geschehen in Remscheid prägt. Lennep ist ein Sonderfall mit diffusen Mehrheitsverhältnissen, die unter anderem davon abhängig sind, wie die Vertreter der linken und rechten Ränder abstimmen.

Dies gilt auch für die Wahl des Ortsoberhaupts am kommenden Mittwoch. Sowohl Petra Kuhlendahl als auch Markus Kötter sind darauf angewiesen in geheimer Abstimmung, Zustimmung von einem anderen politischen Lager zu erhalten. Hätte die FDP vor zwei Jahren 16 Stimmen mehr ergattert, wäre diese Angelegenheit weniger spannend. Daran lässt sich einmal mehr ein Grundsatz ablesen: Es kommt bei Wahlen, insbesondere auf kommunaler Ebene, buchstäblich auf jedes Kreuzchen an.

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