Interview

„Bürger wollen jetzt Veränderungen sehen“

Otto Mähler ist der alte und nach der Kommunalwahl 2020 auch der neue Bezirksbürgermeister von Alt-Remscheid. Er sagt: „Wenn etwas beschlossen wurde, dann muss man auch mal zu Potte kommen.“ Archivfoto: Roland Keusch
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Otto Mähler ist der alte und nach der Kommunalwahl 2020 auch der neue Bezirksbürgermeister von Alt-Remscheid. Er sagt: „Wenn etwas beschlossen wurde, dann muss man auch mal zu Potte kommen.“
  • Axel Richter
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Otto Mähler (SPD), Bezirksbürgermeister von Alt-Remscheid, über die Allee und die Nahversorgung in der Stadtmitte.

Das Interview führte Axel Richter

Herr Mähler, was bringt 2021 für Alt-Remscheid?

Otto Mähler: Den Beginn der Innenstadt-Revitalisierung. Jedenfalls hoffe ich sehr darauf.

Los geht es in der Alten Bismarckstraße.

Mähler: Ja. Im Frühjahr soll dort mit dem Bau der Terrassen begonnen werden, die vor dem Saxo und den anderen Gastronomiebetrieben geplant sind. Zudem soll in der Alten Bismarckstraße das neue Beleuchtungskonzept für die Innenstadt installiert werden.

Das dann später die Alleestraße hinaufwandern soll.

Mähler: Ja. Die Weihnachtsbeleuchtung wird dabei integriert. Die Herrnhuter Sterne konnten bereits jetzt nur noch mit Problemen installiert werden, die Technik ist am Ende. Wenn wir die Weihnachtsbeleuchtung in das Beleuchtungskonzept integrieren können, wäre das mithin ein Abwasch.

Was soll außerdem geschehen?

Mähler: Wir wollen damit beginnen, den Theodor-Heuss-Platz aufzuhübschen und natürlich den Durchstich von der Engelspassage auf die Alleestraße in Angriff nehmen.

Wie realistisch ist das?

Mähler: Ach, wissen Sie: Aki Watzke von Borussia Dortmund hat jetzt sinngemäß gesagt, wenn man einem Politiker etwas mit auf den Weg gibt, dauert es zwei Jahre, bis sich etwas bewegt. Bei uns in Remscheid dauert es noch einmal länger.

Das heißt, am Jahresende bleibt es doch bei den Sitzbänken vom Typ Baden-Baden?

Mähler: Nein, dabei darf es nicht bleiben. Wir kennen doch den Unmut der Bürger. Sie wollen endlich positive Veränderungen auf der Allee sehen.

Und zwar zu Recht. Schließlich wird seit Jahren nur darüber geredet.

Mähler: Schon viel zu lange, da gebe ich Ihnen recht. Aber die Bänke gehören sicher dazu, die Menschen nehmen sie ja an. Und es ist ja auch nicht so, dass sich weiter nichts tun würde. Über die Alte Bismarckstraße haben wir gesprochen. Zudem sollen die Bürgerinnen und Bürger in diesem Jahr über die Pflasterung des neuen Friedrich-Ebert-Platzes entscheiden.

Auch der Busbahnhof bleibt umstritten, obgleich der Rat seine Erneuerung längst beschlossen hat. Wird zu viel zerredet in Remscheid?

Mähler: Ja, das ist aber ja nichts Neues. Wenn etwas beschlossen wurde, und 2014 haben wir 30 einzelne Maßnahmen für die Innenstadt beschlossen, dann muss man auch irgendwann mal zu Potte kommen.

Langfristig will die Stadt für knapp 3 Millionen Euro Immobilien auf der Alleestraße kaufen. Eine gute Idee?

Mähler: Ja, weil uns nichts anderes übrig bleibt. Die Stadt muss Geld in die Hand nehmen, um neu gestalten zu können. Solche Einzelhandelsruinen wie der Sinn-Leffers können ja nicht bleiben.

Es fehlt an Machern. Der Oberbürgermeister spricht gern von Ersten, die etwas anfangen und andere Investoren nachziehen sollen. In der Alten Bismarckstraße und auf der Hindenburgstraße gibt es sie: Junge Leute, die sich etwas zutrauen.

Mähler: Ja, vor denen kann man nur den Hut ziehen. Denn sie zeigen: Es geht doch. Und zwar geht es immer dann, wenn Privatleute Initiative zeigen und etwas bewegen, anstatt nur auf die Verwaltung zu warten.

Ist das Kritik am Rathaus?

Mähler: Nein, ich will nicht schimpfen. Aber, schauen Sie: Die jungen Gastronomen auf der Alten Bismarckstraße bekommen ihre Terrassen für Außengastronomie doch nur deshalb, weil sie sich dafür engagiert haben. Das hat sich in der Verwaltung doch keiner ausgedacht. Oder ein anderes Beispiel: Die Trasse des Werkzeugs in Hasten bekommt eine neue Beschilderung, eine neue Beleuchtung und eine regelmäßige Reinigung. Und zwar nur deshalb, weil sich Hastener Bürger darum kümmern. Nicht, weil sie auf andere warten.

Welche „Baustellen“ tun sich noch innerhalb von Alt-Remscheid auf?

Mähler: Wir müssen uns stärker um Kremenholl kümmern. Dort hat die Stadtsparkasse ihre Filiale geschlossen, und die städtische Kindertagesstätte ist in neue Räume gezogen. Dadurch sind Leerstände entstanden. Daneben steht ein weiteres Geschäft leer.

Es gibt aber auch gute Nachrichten: In der Theodor-Körner-Straße entsteht ein neuer Lebensmittelmarkt, auf der oberen Alleestraße wird ein Penny eröffnen.

Mähler: Ja. Und hoffentlich gelingt es dem Allee-Center nach der Schließung des Real-Marktes auch, einen neuen Grundversorger zu bekommen. Auf dem Stadtkegel leben prozentual viele ältere Menschen. Die wissen nicht, wie sie ihre Einkäufe erledigen sollen. Wir brauchen die Nahversorger dringend.

Sie sind der alte und nach der Kommunalwahl vom 13. September auch der neue Bezirksbürgermeister von Alt-Remscheid. Wie definieren Sie das Amt?

Mähler: Ich bin ehemaliger Polizist. Ich habe immer gern den Menschen geholfen. Das gilt auch für das Amt. Ich helfe denen, die den Weg nicht kennen und nicht wissen, an wen in der Verwaltung sie sich mit ihrem spezifischen Problem wenden können. In der Corona-Pandemie geht das jetzt überwiegend über das Telefon. Aber das Telefon kann die persönlichen Sprechstunden, die ich zuvor im Rathaus angeboten habe, nicht ersetzen.

In unserem Interview der Woche sprach Ralf Wieber, Geschäftsführer der ISG, über die Zukunft der Alleestraße

Hintergrund

Otto Mähler (SPD) ist Bezirksbürgermeister im Stadtbezirk Alt-Remscheid. Der ehemalige Polizeibeamte ist 74 Jahre alt und ebenfalls Mitglied des Stadtrates.

Im Stadtbezirk Alt-Remscheid leben annähernd 48 000 Remscheider Bürgerinnen und Bürger. Alt-Remscheid ist damit der größte der Remscheider Stadtbezirke.

Der Bezirksbürgermeister leitet die Sitzungen der Bezirksvertretung. Sie ist das für die Bürger unmittelbarste politische Gremium im Stadtbezirk und entscheidet in allen Angelegenheiten, die nicht wesentlich über den Stadtbezirk hinausgehen.

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