Radfahren

Bürger geben den Radwegen in Remscheid die Note 5

Die Stadt hat diese Radfahrstreifen unter anderem auf der Lindenallee in Lüttringhausen aufbringen lassen. Burkhard Stork, Geschäftsführer des Zweirad-Industrie-Verbandes, übte daran im RGA-Interview harsche Kritik. Die Streifen böten Radfahrern tatsächlich keinen Schutz.
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Die Stadt hat diese Radfahrstreifen unter anderem auf der Lindenallee in Lüttringhausen aufbringen lassen. Burkhard Stork, Geschäftsführer des Zweirad-Industrie-Verbandes, übte daran im RGA-Interview harsche Kritik. Die Streifen böten Radfahrern tatsächlich keinen Schutz.
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Nur ein Lippenbekenntnis? Laut einer Befragung würde jeder zehnte Remscheider das Auto stehenlassen.

Von Axel Richter

Remscheid. Beinahe eine satte Fünf geben die Remscheider dem Radverkehr in ihrer Stadt. Genau genommen ist es die Note 4,89. Busse und Bahnen werden mit der Note 3,8 nur wenig besser bewertet. Der Öffentliche Personennahverkehr kommt damit auf ein knappes Ausreichend, das Radwegenetz wird mit einem mangelhaft geradezu abgestraft. Die Ampelfraktionen im Rat der Stadt nehmen das als Bürgerauftrag: Der Radverkehr soll in Zukunft weiter ausgebaut werden. Die bürgerliche Opposition bleibt skeptisch: Sie sieht zwar mehr Radwege entstehen, darauf aber nicht mehr Räder fahren.

Remscheid ist eine Autostadt. Das ist das wenig überraschende Ergebnis einer Haushaltsbefragung zur Mobilität in Remscheid. Im Auftrag der Stadt hat das „büro stadtverkehr“ aus Hilden 3229 Bürgerinnen und Bürger in 1506 Haushalten befragt und 7922 Wege innerhalb und außerhalb Remscheids erfasst. Die Stichprobe entspricht knapp 2,8 Prozent der Bevölkerung und gilt als repräsentativ.

Mehr als zwei Drittel aller Wege zur Arbeit oder zum Einkaufen legen die Remscheider mit dem Auto zurück. Nur jeder Zehnte fährt Bus und Bahn. Der Radverkehr macht in Remscheid nicht einmal 3 Prozent aus. „Die fühlen sich unsicher und trauen sich nicht“, sagt Marius Lenz, Raumplaner beim „büro stadtverkehr“. Dabei sei der Wille zum Umstieg auf eine klimafreundlichere Alternative sehr wohl vorhanden.
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Radverkehr in Remscheid ausbauen: In Lennep soll es damit losgehen

13 Prozent der Haushalte seien bereit, das Auto stehenzulassen, wenn es denn zu deutlichen Verbesserungen im Radverkehr komme. Darunter fallen der Ausbau des Radwegenetzes und eine Trennung vom Autoverkehr, der als gefährlich wahrgenommen wird. 25 Prozent der Haushalte gaben zudem an, auf das Auto verzichten zu wollen, wenn das Angebot im Öffentlichen Personennahverkehr verbessert würde. Darunter verstehen die Befragten vor allem kürzere Taktzeiten, bessere Verbindungen und vor allem: mehr Verbindlichkeit und Pünktlichkeit.

Ob die Menschen ihren Aussagen Taten folgen lassen oder doch alles eher Lippenbekenntnis bleiben, weiß auch das „büro stadtverkehr“ nicht zu sagen. Für Colin Cyrus (Linke) stand im Ratsausschuss für Mobilität dennoch fest: „Wir müssen zugunsten des Radverkehrs den Autos den Raum nehmen.“ Auch Marvin Schneider (Grüne) fordert Konsequenzen aus der Befragung: „Das ist doch der klare Auftrag, den Wünschen der Bürgerinnen und Bürger nachzukommen.“

Konkret soll es damit zunächst am Bahnhof Lennep weitergehen. SPD, FDP und Grüne wollen auf dem Bürgersteig eine Radfahrspur einrichten. Einen erneuten Anlauf für eine Fahrradstraße von der Engelsburg durch das Feldbachtal Richtung Kräwinklerbrücke wollen die Ampelfraktionen nicht unternehmen. Wie berichtet, war die umstrittene Straße mit Vorrang für Radfahrer in der Bezirksvertretung Lennep gescheitert. Sie ist für die Entscheidung allein zuständig. „Wir akzeptieren die Entscheidung, aber wir teilen die Einschätzung ausdrücklich nicht“, erklärte dazu Grünen-Fraktionschef und Vorsitzender des Mobilitätsausschusses David Schichel.

CDU und Wählergemeinschaft sehen die Pläne der Ampel zum Radverkehr mit einiger Skepsis entgegen. „Wir haben zwar immer mehr Radfahrstreifen“, hielt Thomas Brützel (WiR) fest und nannte als Beispiel Bergisch Born: „Ich sehe darauf aber nicht mehr Radfahrer.“

Die CDU reagierte unterdessen auf die Kritik des Geschäftsführers des Zweirad-Industrie-Verbandes, Burkhard Stork. Im Gespräch mit dem RGA hatte Stork die von der Stadt angelegten Schutzstreifen in Lüttringhausen als illegal bezeichnet und Politik und Verwaltung ein schlechtes Zeugnis ausgestellt. Die Streifen seien nicht mehr als eine Pseudolösung, die die Radfahrer eher gefährde statt sie zu schützen: „Das ist das Ergebnis von Feigheit der Politik.“

Direktzug

Der neue Direktzug nach Düsseldorf wird nicht nur den Bahnhof Güldenwerth links liegenlassen. Der RE 47, der ab Dezember Remscheid im Stundentakt mit der Landeshauptstadt verbinden soll, hat auch Auswirkungen auf den für Studierende wichtigen Haltepunkt Oberbilk. Die S 68 entfällt in den Lagen des RE 47. Das gilt ebenso für die S 1.

Flixbus ist zurück. Nach mehrjähriger Pause steuert das Fernbusunternehmen aktuell wieder den Bahnhof Lennep an. Im Angebot sind Fahrten über Leverkusen und Köln Flughafen nach Bonn und Fahrten unter anderem über Bochum, Münster und Hannover nach Berlin.

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