Buchsbäume ohne Chance

Friedhofsgärtner gibt den Kampf auf

Nur noch das Gerippe bleibt übrig, wenn der Buchsbaumzünsler aktiv wird. Da hilft nur: rausreißen und luftdicht entsorgen. Foto: Dangelmeyer
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Nur noch das Gerippe bleibt übrig, wenn der Buchsbaumzünsler aktiv wird. Da hilft nur: rausreißen und luftdicht entsorgen.

Zünsler und Pilze setzen den Buchsbäumen zu. Der Friedhofsgärtner gibt den Kampf auf – jetzt wird verbrannt.

Von Joachim Dangelmeyer

Sie ist bis zu fünf Zentimeter lang, gelbgrün, hat schwarze Punkte und frisst sich derzeit durch Privatgärten und Grabbepflanzungen auf Friedhöfen. Gemeint ist die Raupe des Buchsbaumzünslers. Seit etwa zehn Jahren ist der Falter aus Ostasien mit seiner schwarz-weißen Musterung auch hierzulande heimisch. Immer wieder befiel der Schädling in der Vergangenheit Buchsbäume – in diesem Jahr scheint es besonders schlimm zu sein.

Es vergeht kein Tag, an dem Christian Gläß, Baumschulgärtner im Gartencenter Kremer, das Wort „Buchsbaumzünsler“ nicht aus Kundenmund hört. „Durch den extrem milden Winter haben die meisten Eier und Raupen überlebt“, sagt der Gartenexperte. Ob ein Buchs befallen ist, bemerkt man meist erst, wenn es schon zu spät ist. Denn die gefräßige Raupe beginnt mit ihrem Zerstörungswerk meist auf innen liegenden Zweigen. Sind dort Blätter und Rinde abgefressen, arbeiten sich die Schädlinge nach außen vor.

Braune, vertrocknete Blätter, kahle Stiele und Stellen mit feinem Gespinst sind untrügliche Zeichen für das Vorhandensein des Zünslers. Meistens ist die Pflanze dann nicht mehr zu retten. „Ich rate zum radikalsten Schritt: rausreißen“, sagt Gläß. Denn natürliche Feinde habe der aus Asien eingewanderte Falter nicht. Und wirksame Insektizide seien nicht frei verkäuflich.

Experten setzen auf Ilex crenata als Alternative

Befallene Pflanzen dürfen daher keinesfalls auf dem Kompost entsorgt werden. „Am besten in eine Plastiktüte und im Hausmüll zur Verbrennung“, rät Christian Gläß. Dass trotz der Zünsler-Seuche vor allem Ältere immer noch Buchsbaum nachkaufen, wundere ihn. Dabei hat die Pflanze mit dem Pilz „Buxicola“ einen weiteren Feind, der für braune Blätter sorgt – ebenso der Birnengitterrost.

„Wir pflanzen keine mehr, das hat keinen Sinn“, sagt Helge Lendermann. Der Gartenbauer und Friedhofsgärtner gibt den Kampf gegen den Zünsler verloren. Der Friedhof an der Lenneper Albrecht-Thaer-Straße sei so stark betroffen, dass die Buchsbäume ausgegraben werden und zur Verbrennung müssen. Dafür sei ein eigener Container aufgestellt worden. Schließlich galt jahrelang Buchs als ideale Grabbepflanzung und -einfassung. Als Alternative böte sich der japanische Ilex crenata an, der dem Buchsbaum ähnlich sieht.

Hans Herzog, Gärtner am Waldfriedhof Reinshagen, hat mit den Zünsler-Raupen momentan noch keine Probleme. „Ich pflanze aber trotzdem keine neuen Buchsbäume mehr.“ Stattdessen weicht er auf die Ilex-Alternativen aus.

Bei den Kleingärtnern ist der Schädling kein Thema: „Wir pflanzen vor allem Gemüse und Blumen an“, sagt Kreisvorsitzender Reimund Spiess. Auch bei der Stadt sieht man die Raupenplage noch gelassen. „In den Grünanlagen ist Buchsbaum nur selten gepflanzt worden, ebenso in auf den Friedhöfen“, teilt Oliver Jilg mit, Leiter der Friedhofsverwaltung. Sollte bei Gräben massiv Raupenfraß auftreten, könne man überlegen, einen Container zur Entsorgung aufzustellen.

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