Frauenheilkunde und Geburtsmedizin

Brustkrebs: So sorgen Frauen vor

Kathrin Eikholt ist Chefärztin der Klinik für Frauenheilkunde und Geburtsmedizin am Remscheider Sana-Klinikum. Foto: Sana-Klinikum
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Kathrin Eikholt ist Chefärztin der Klinik für Frauenheilkunde und Geburtsmedizin am Remscheider Sana-Klinikum.

Kathrin Eikholt, Chefärztin im Sana-Klinikum, über Ernährung, Selbstabtasten, Screening und das Brustzentrum.

Das Gespräch führte Melissa Wienzek

Remscheid Frau Eikholt, ist Brustkrebs heilbar?

Kathrin Eikholt: Ja. Die Heilungschancen liegen mittlerweile bei 85 Prozent. Es hängt ganz viel davon ab, wie früh man es findet. Deshalb ist die Vorsorge so wichtig. Ein frühes Karzinom kann man in den allermeisten Fällen heilen. Wer einen fortgeschrittenen Befund hat, der gestreut hat, ist es in der Regel nicht heilbar im Sinne von derjenige wird wieder ganz gesund. Aber es ist auch da in sehr vielen Fällen möglich, die Patientinnen über viele Jahre medikamentös stabil zu halten.

Wie erklären Sie sich, dass immer mehr jüngere Frauen von Brustkrebs betroffen sind?

Eikholt: Ich weiß nicht, ob das immer so stimmt. Aber es wird bei jüngeren Frauen immer häufiger befundet. Ich glaube, die Diagnostik ist besser geworden. Eine Vermutung ist zudem, dass unser Lebenswandel mit zunehmendem Stress und unsere Klimaveränderung ebenfalls dazu beitragen, dass das Immunsystem irgendwann nicht mehr nachkommt und sich Brustkrebszellen bilden. Es gibt jedoch keine Beweise dafür.

Wie läuft die Therapie ab?

Eikholt: Das ist ganz unterschiedlich, es richtet sich danach, was es für ein Tumor ist. Bei manchen reicht eine OP und Bestrahlung, es gibt aber auch Frauen, die brauchen eine Chemotherapie, werden operiert, dann bestrahlt und erhalten vielleicht noch eine Antikörpertherapie. Das Erste, das immer gemacht wird, ist eine Stanzbiopsie. Man schaut sich dann feingeweblich an, welche Eigenschaften der Tumor hat. Danach kann der Ablauf der Therapie festgelegt werden.

Was kann jede einzelne Frau von sich aus tun, um dem vorzubeugen?

Eikholt: Erstens einen gesunden Lebensstil führen. Das soll heißen, dass man sich einigermaßen gesund ernährt, eine gesunde Mischkost ist gut. Dass bestimmte Giftstoffe wie Alkohol oder Nikotin in großen Mengen nicht gesund sind, ist uns wohl allen bewusst. Aber auch hier macht die Dosis das Gift. Ganz viel Prophylaxe macht man damit, dass man sein Körpergewicht auf normalem Stand hält. Und das heißt nicht size zero, sondern Normgewicht. Fettleibigkeit erhöht das Risiko für Krebserkrankungen. Sportliche Betätigung stärkt das Immunsystem. Was ich für sehr sinnvoll halte, ist die Selbstuntersuchung der Brust. Idealerweise sollten Frauen, die noch ihre Periode bekommen, immer in der ersten Hälfte des Zyklus ihre Brust abtasten. Man lernt die eigene Brust dabei sehr gut kennen – und würde eine Veränderung daher auch viel eher bemerken. Der Gynäkologe kann dies auch zeigen. In den USA gab es Studien, die besagten, dass Frauen, die speziell mit Kursen geschult wurden, sogar viel kleinere Veränderungen ertasten konnten. Wir haben solche Kurse vor der Pandemie ebenfalls angeboten.

„Diese solide Begleitung ist sehr wertvoll.“

Dr. Kathrin Eikholt über die Breast Care Nurse Brigitte Potthast

Gibt es nicht auch spezielle Lebensmittel, die krebsvorbeugend sind?

Eikholt: Es gibt viele Lebensmittel, die Antioxidantien sind. Es gibt ein sehr gutes Buch ,Krebszellen mögen keine Himbeeren‘, darin gibt es viele Tipps, welche Lebensmittel Zellen fördern, damit sie sich gegen bestimmte Dinge wehren können.

Sie sagten eben, das A und O der Krebsprävention ist die Vorsorge. Ab welchem Alter sollten Frauen regelmäßig zu einem Brustscreening gehen?

Eikholt: Das Brustkrebsscreening im Sinne der Mammografie ist in Deutschland zwischen 50 und 70 Jahren eingeführt worden. Wir haben aber einen sehr großen Anteil von Frauen, die vorher und auch nachher erkranken. Daher sollten Frauen bereits ab der Geschlechtsreife unbedingt regelmäßig zum Frauenarzt gehen und sich untersuchen lassen. Und sich selbst abtasten. Denn je früher etwas gefunden wird, desto schneller kann behandelt werden. Seitdem es das Screening gibt, sehen wir sehr viel mehr ganz frühe Karzinome und sehr viel weniger von den ganz fortgeschrittenen Karzinomen.

Also wenn ich jetzt mit 35 Jahren auch eine Mammografie haben möchte, dann bekomme ich diese nicht?

Eikholt: Nein. Sie können einen Ultraschall beim Frauenarzt erbitten als Igel-Leistung. Es sei denn natürlich, es ist bei einer Abtastung etwas Auffälliges festgestellt worden. Dann wird ohnehin weiterführend behandelt.

Können auch Männer an Brustkrebs erkranken?

Eikholt: Ja. Das ist relativ selten. Wenn Männer erkranken, ist es häufig auch aggressiver als bei Frauen. Und es geht meist auf eine familiäre Belastung zurück. Normalerweise ist es so, dass nur 5 Prozent der Brustkrebserkrankungen auf eine familiäre Belastung zurückgehen, 95 Prozent sind sogenannte sporadische Karzinome. Bei den Männern ist der Anteil der genetischen Belastung deutlich höher.

Das Sana-Klinikum beherbergt das Bergische Brustzentrum. Was ist dies genau?

Eikholt: Seit über 15 Jahren gibt es in Deutschland zertifizierte Brustzentren. Dort werden Brustkrebserkrankungen anhand einer Leitlinie und in einer kontrollierten Qualität behandelt. Das Bergische Brustzentrum gibt es seit 2007. Es besteht aus dem operativen Standort Sana-Klinikum Remscheid und dem operativen Standort Klinikum Solingen. Wir erhalten jährlich Überwachungsaudits und alle drei Jahre ein sogenanntes Zertifizierungsaudit. Dieses hatten wir dieses Jahr wieder. Dabei haben wir wieder für drei Jahre unser Zertifikat erhalten, mit dem unsere Qualität ohne jegliche Abweichung bestätigt wurde. Wir haben hier eine sogenannte Breast Care Nurse (Brustkrebsschwester) Brigitte Potthast. Sie ist speziell ausgebildet und begleitet von der Diagnose bis hin zur Nachsorge und zur Vermittlung von Kur und Selbsthilfegruppen. Diese solide Begleitung, auch emotional, ist sehr wertvoll.

Zur Person

Kathrin Eikholt (52) stammt aus Hiltrup und lebt heute in Köln. Sie hat als Leitende Oberärztin und Vertreterin des Chefarztes 2010 im Sana-Klinikum angefangen. Vorher war sie bereits Leitende Oberärztin in Bonn. Nun ist sie Chefärztin der Klinik für Frauenheilkunde und Geburtsmedizin am Sana-Klinikum Remscheid. Seit Anfang an hat Eikholt das Brustzentrum begleitet. Ihre Abteilung umfasst 14 Ärzte-Vollstellen, die jedoch auf mehr Köpfe verteilt sind. Damit wird vor allem Frauen mit Kindern Teilzeit ermöglicht. Hinzu kommen Hebammen und Pflegekräften.

www.sana.de/remscheid/medizin-pflege/frauenheilkunde-und-geburtsmedizin

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