Das kann jede Frau tun

Brustkrebs: So hilft das Expertenteam

Kathrin Eikholt, Chefärztin der Frauenklinik am Sana-Klinikum Remscheid (l.), erklärt einer Patientin, wie sie ihre Brust abtastet.
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Kathrin Eikholt, Chefärztin der Frauenklinik am Sana-Klinikum Remscheid (l.), erklärt einer Patientin, wie sie ihre Brust abtastet.
  • Melissa Wienzek
    VonMelissa Wienzek
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Im Bergischen Brustzentrum wird jeder Fall interdisziplinär besprochen.

Remscheid. Die Diagnose Brustkrebs ist verständlicherweise immer erst mal ein Schock für die betroffene Frau. Aber: Die Aussichten sind gut. Die Heilungsrate liegt laut der Chefärztin der Frauenklinik am Sana-Klinikum Remscheid, Kathrin Eikholt, heute bei 85 Prozent. Und nicht jedes Mal bedeutet dies auch Chemotherapie. Was Frauen tun können und wie das Bergische Brustzentrum Patientinnen behandelt, erklären wir im Folgenden.

Seit wann gibt es das Bergische Brustzentrum?

Brustoperiert wird schon lange am Sana-Klinikum Remscheid. NRW war bundesweit der Vorreiter Ende der 90er/Anfang der 2000er-Jahre und baute nach und nach immer mehr zertifizierte Brustzentren auf. Das Bergische Brustzentrum am Sana-Klinikum Remscheid ist laut der Chefärztin der Frauenklinik, Kathrin Eikholt, 2007 das erste Mal zertifiziert worden. Es handelt sich hierbei um ein kooperatives Zentrum mit den Standorten Sana-Klinikum Remscheid unter Leitung von Kathrin Eikholt und Städtisches Klinikum Solingen unter der Leitung von Dr. Manuela Seifert. Das heißt: Die beiden Standorte arbeiten medizinisch autonom, aber in vielen Bereichen auch zusammen. Zudem halten sich beide an die Standards des Anforderungskatalogs der Brustzentren Nordrhein-Westfalen. Gerade ist das Bergische Brustzentrum erneut zertifiziert worden. Bedeutet: Die Qualität und alle Standards stimmen.

In welchen Bereichen kooperieren Sie genau?

„Wir haben jede Woche eine gemeinsame Tumorkonferenz, bei der jede Patientin, die aktuell bei uns ist, mit ihren Befunden multidisziplinär besprochen wird“, erklärt Kathrin Eikholt. Neben den Experten aus dem Brustzentrum sind hier auch Strahlentherapeuten, Radiologen, Onkologen, Pathologen, Schmerztherapeuten dabei. So werde das individuelle Krankheitsbild jeder Patientin von vielen Seiten beleuchtet - und somit die optimale Therapieform gefunden. Auch der behandelnde Gynäkologe werde dazu eingeladen. Zudem gibt es ein gemeinsames Qualitätsmanagement samt Handbuch. Für Kathrin Eikholt ein ganz entscheidender Vorteil - in Hinblick auf die bestmögliche Therapie für die betroffenen Patientinnen und in Hinblick auf die Qualität eines Brustzentrums. Zudem sammeln auch die Assistenzärzte hierbei vielfach Erfahrungen.

Interview mit Chefärztin Kathrin Eikholt: So sorgen Frauen gegen Brustkrebs vor

Wie viele Frauen werden im Jahr im Brustzentrum behandelt?

Am Standort Remscheid als Ersterkrankung im Schnitt 125 Patientinnen im Jahr, sagt Kathrin Eikholt. Das sind diejenigen, die in ihrem Leben das erste Mal an Brustkrebs erkranken. In Remscheid bewege sich die Brustkrebs-Inzidenz - also Erkrankte je 100 000 Einwohner - seit Jahren um die 100 Fälle. „Daran kann man sehen: Es herrscht ein großes Vertrauen ins Remscheider Brustzentrum.“ Hinzu kämen Patienten aus umliegenden Städten. Das Brustzentrum behandelt auch all diejenigen, bei denen ein Krebs wieder auftritt. Die Zahl dieser Patientinnen könne man jedoch nicht exakt benennen, sagt Eikholt. Es seien jedoch sicher insgesamt 150 bis 160, die man in Remscheid im Jahr behandle und operiere. Deutschlandweit erkrankt jede achte bis zehnte Frau an Brustkrebs - jedes Alters.

Ist das mehr geworden?

Ja, sagt die Chefärztin der Frauenklinik. „Das liegt aber vermutlich auch daran, dass viele in der Covid-Zeit nicht zur Vorsorgeuntersuchung gegangen sind - und nun etwas festgestellt wurde.“ Grundsätzlich hätten sich die Zahlen bundesweit in den vergangenen Jahren aber nicht nennenswert geändert.

Was sind die Gründe?

Die Ursachenforschung sei noch nicht abgeschlossen. „Man weiß aber, dass Frauen, die gestillt haben, seltener Brustkrebs kriegen.“

Wie ist der Ablauf im Brustzentrum?

Mit der Überweisung des behandelnden Arztes meldet sich die Patientin bei der gynäkologischen Ambulanz. Hier sitzt übrigens auch eine Brustkrebsschwester. Sie hat eine besondere Ausbildung zur Behandlung von brustkrebserkrankten Frauen absolviert. „Sie ist eine Lotsin für die Damen bei Untersuchungen oder Gesprächen - und ist eine ganz wichtige stetige Bezugsperson“, sagt Eikholt. Vom ersten Gespräch bis zum Ende der Therapie. Eine zweite Brustkrebsschwester habe gerade ihre Ausbildung beendet. „Das haben nur wenige Zentren.“ Zudem gibt es eine Brustkrebssprechstunde auch für alle Frauen mit wissentlich gutartigen Befunden. „Alle Erkrankungen der weiblichen Brustdrüse werden bei uns angeschaut und behandelt.“ Termine für die Sprechstunde gibt es über Tel. 13 53 33.

Wie sehen die Therapieformen bei Brustkrebs aus?

„Wir operieren 90 Prozent der Frauen brusterhaltend“, betont Kathrin Eikholt. Die Therapie hänge aber von der individuellen Eigenschaft des Tumors ab. Die Chemotherapie sei heute längst nicht mehr immer die erste Wahl. „Es gibt mittlerweile ein irre breites Spektrum an Therapieformen.“ Grundsätzliche greife man bei der „zielgerichteten Therapie“ bestimmte Eigenschaften von Tumorzellen an, man nutze seine Schwachstelle aus - und zerstöre ihn so. „Als ich angefangen habe vor 25 Jahren, lag die Heilungsrate bei 45 Prozent. Es gab damals ein Chemotherapieschema und eine Tablette. Das war es. Heute sind wir bei einer Heilungsrate von 85 Prozent. Das sind Quantensprünge in der Medizin“, sagt die Chefärztin. Mittlerweile gebe es allein bei der antihormonellen Therapie eine riesige Bandbreite.

Was kann jede Frau tun?

Regelmäßige Vorsorge beim Frauenarzt. Das Brustkrebs-Screening mitmachen. „Seit wir das Brustkrebs-Screening haben, habe ich auch viele frühe Befunde gesehen, die wir früher nicht gesehen haben“, sagt Kathrin Eikholt. Frauen könnten ihre Brust zudem selbst abtasten, am besten direkt nach der Periode. „Auch wenn man es nicht gelernt hat - man lernt dadurch seinen Körper kennen. So wird man auch selbst leichter Veränderungen feststellen.“ Zudem ein gesunder Lebensstil mit ausgewogener Ernährung und regelmäßiger Bewegung. Das schütze zwar nicht per se vor Brustkrebs - senke aber potenziell das Risiko. Denn Sport stärkt grundsätzlich das Immunsystem. „Wir empfehlen das Sportprogramm auch speziell den Patientinnen nach der Brustkrebs-Therapie. Sport kann das Risiko, dass der Krebs wieder auftritt, um bis zu 20 Prozent senken.“

Zur Person

Kathrin Eikholt stammt aus Hiltrup und lebt heute in Köln. Sie hat als Leitende Oberärztin und Vertreterin des Chefarztes 2010 im Sana-Klinikum angefangen. Vorher war sie bereits Leitende Oberärztin in Bonn. Nun ist sie Chefärztin der Klinik für Frauenheilkunde und Geburtsmedizin am Sana-Klinikum Remscheid.

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