RGA vor Ort

So stark hat sich der Lenneper Einzelhandel verändert

Anne-Katrin Gering (r.) und Mitarbeiterin Alison Haag bieten in der Lenneper Altstadt Brautmode.
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Anne-Katrin Gering (r.) und Mitarbeiterin Alison Haag bieten in der Lenneper Altstadt Brautmode.
  • Frank Michalczak
    VonFrank Michalczak
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Zahlreiche Geschäfte, die jahrzehntelang in Lennep ansässig waren, gibt es nicht mehr. Dafür sind neue Länden hinzugekommen - wie etwa das Brautstübchen.

Remscheid. Der Schriftzug Café Grah ist aus der Lenneper Altstadt endgültig verschwunden. Über dem Eingang des ehemaligen Gastronomiebetriebs prangt seit einigen Tagen der Name Brautstübchen. „Endlich wird nun auch von außen sichtbar, was wir hier anbieten“, erklärt Inhaberin Anne-Katrin Gering, die seit 2017 Kundinnen für den schönsten Tag des Lebens mit dem passenden Kleid ausstattet. Die Lenneperin hatte sich ganz bewusst für den Standort im historischen Stadtkern entschieden. „Es ist superschön hier. Ich selber liebe es, mit Freunden in den Gaststätten am Alten Markt zusammenzusitzen“, erklärt die 32-Jährige, die es schade findet, dass so viele Geschäfte in ihrer Nachbarschaft verwaist sind.

Das bedauert auch Klaus Kreutzer: „Lennep hat sich dramatisch gewandelt“, erklärt der Chef des Sanitätshauses an der Kölner Straße. Er hat eine Liste erstellt, die vor Augen führt, was seit den 50er-Jahren alles verloren gegangen ist. 297 Geschäfte, Dienstleister und Anlaufstellen, die einst Lennep ausmachten, gibt es nicht mehr - vom Kino bis zum Kiosk, von Schuhhäusern bis zu Spielwarengeschäften. „Das Amtsgericht ist weg. Banken und Krankenkassen haben ihre Filialen geschlossen“, blickt Kreutzer zurück, der im Ehrenamt als Vorsitzender des Handelsverbands NRW im Bergischen Land aktiv ist und zugleich den Verkehrs- und Förderverein Lennep leitet.

Beschleunigt wurde der Abwärtstrend durch das Aus eines Kundenmagneten an der Kölner Straße. 2008 schloss Hertie, vormals Karstadt, seine Pforten. Noch heute vermissen viele Lenneper ihr Warenhaus schmerzlich, das ein breites Sortiment vorhielt. Euler, Erdmann, Klüssendorf und viele weitere Namen stehen auf der Liste von Fachgeschäften, die es einst in der Altstadt gab. „Oder auch die Bäckerei Neveling“, nennt Klaus Kreutzer ein weiteres Beispiel.

Alle Teile der Stadtteilserie

Eine Bäckerei würde sich auch Anne-Katrin Gering für das direkte Umfeld ihres Geschäfts wünschen, wie sie erklärt. Dabei hört sie gemeinsam mit ihrer Mitarbeiterin so viele Komplimente von Kundinnen, die von auswärts das Brautstübchen ansteuern. „Viele hätten gar nicht gedacht, wie schön Remscheid ist“, erklärt Store-Managerin Alison Haag (25), die sich als sich als gebürtige Paderbornerin in die Altstadt verliebt hat. „Ich glaube, ich werde niemals an einem schöneren Ort leben.“

Es ist ein Ort, in dem sie an der Seite von Anne-Katrin Gering magische Momente erlebt - wenn die Braut mit Mutter und ihren besten Freundinnen für die Wahl des Hochzeitkleids vorbeischauen. „Dieses Erlebnis kann der Kauf im Internet nicht bieten. Auch deswegen bin ich auf die Geschäftsidee gekommen“, erläutert Anne-Katrin Gering, die früher einmal Standesbeamtin war. Heute ist sie im Nebenberuf als freie Traurednerin unterwegs und gibt Interessierten Seminare zum Thema.

Zwischen 1300 und 2300 Euro bewegt sich die Preisspanne, die Kundinnen für das Hochzeitskleid zumeist ausgeben. „Das ist unser Hauptsegment, wobei wir auch günstigere und einige höherpreisige Modelle anbieten“, berichtet Anne-Katrin Gering, die hofft, dass nach der Corona-Delle die Nachfrage wieder steigt. „Unsere Saison beginnt im September, wenn die Brautpaare beginnen, ihre Hochzeit für das darauf folgende Jahr zu planen.“ Und ganz oben auf der To-do-Liste steht der Erwerb des Hochzeitskleids, wobei neben dem angesagten Boho-Look nun auch wieder der Trend zu mehr Eleganz gehe. Viele Dutzend Kleider warten im Brautstübchen auf die Kundinnen, wobei Anne-Katrin Gering seit 2019 neben dem Café Grah auch den ehemaligen Blumenladen in der Nachbarschaft nutzt, um das Sortiment im schicken Ambiente in Szene zu setzen.

Und wenn die Wahl getroffen ist, ziehe es Braut, Mutter und beste Freundinnen dann oft in die Lenneper Altstadt. „Ich empfehle gerne die Restaurants“, erklärt die Mutter von Sohn Jonathan (7 Monate). So sorgen gesellige Damenrunden immer wieder für Stimmung in den umliegenden Gaststätten. Das Hochzeitskleid muss schließlich gebührend gefeiert werden – und auch das kann das Internet nicht bieten, das so vieles verändert hat. Termine: www.das-brautstuebchen.de

Nächster Teil

Im nächsten Teil der Stadtteilserie dreht sich alles um die Hauptschule Hackenberg. Samstag, 30. Juni, gibt es von 10.30 bis 11.30 Uhr den Vor-Ort-Termin mit dem RGA in der Lenneper Altstadt.

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