Ausstellung

Blut und bunte Regentropfen: Wo Alltägliches sichtbar wird

Renate Löbbecke vor der Foto-Anordnung „never ending“. Die Wuppertaler Künstlerin stellt gemeinsam mit Jonas Hohnke aus. Der Mülleimer im Vordergrund stammt von ihm – er darf benutzt werden. Foto: Roland Keusch
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Renate Löbbecke vor der Foto-Anordnung „never ending“. Die Wuppertaler Künstlerin stellt gemeinsam mit Jonas Hohnke aus. Der Mülleimer im Vordergrund stammt von ihm – er darf benutzt werden.

Ins Blaue Art Gallery zeigt erste Ausstellung seit dem Lockdown.

Von Melissa Wienzek

Reste in PET-Flaschen, Regentropfen, ja, sogar Blut – all das ist für uns selbstverständlich, alltäglich, gewohnt. Aber wie sieht es aus, wenn man diese scheinbar banalen Dinge zum Hauptdarsteller werden lässt? Die kreative Umsetzung dieser Frage ist am Wochenende in Honsberg zu sehen. Die beiden Wuppertaler Künstler Renate Löbbecke und Jonas Hohnke stellen in der Ins Blaue Art Gallery aus – und nähern sich dem Titel „somewhere in between“ auf unterschiedliche Weise. Es ist die erste Ausstellung in der Siemensstraße 21 seit dem Lockdown.

Auf zwei Etagen bespielen Löbbecke und Hohnke gemeinsam die Räume. Er beschäftigt sich eher mit Alltäglichem, sie mit Körperlichem. „Wir nähern uns neugierig der Umwelt und bewegen uns auf Dinge zu, auf die man nicht direkt stößt“, erklärt Löbbecke, die seit 1982 freischaffende Künstlerin ist. Seither realisierte sie viele Projekte im In- und Ausland und erhielt dafür mehrfach Preise.

Während Jonas Hohnke, der zurzeit auch am Skulpturenprojekt Hardt in Wuppertal teilnimmt, Schweißflecken auf bunten T-Shirts zeigt, stellt Renate Löbbecke ihren eigenen, nackten Oberkörper aus Gips mit den Händen ihres Mannes zur Schau – diese wurden mit einer Fotoemulsion auf Zellan aufgebracht und belichtet. „Man agiert immer vor der Brust mit den Händen, aber so selten schaut man dahinter“, erklärt sie. Daneben gibt es das Hände-Hemd zu sehen: fotografierte Hände, auf Folie gebracht, ausgeschnitten, per Faden zusammengefügt und zum Hemd arrangiert. Bunte Mülleimer, die auch benutzt werden dürfen, verteilen sich in den Räumen, dazu gesellen sich von Hohnke aus Kunstharz nachgegossene und eingefärbte Flaschenstücke oder sichtbar gemachte, bunte Regentropfen. Banal, aber irgendwie genial.

15 Personen dürfen gleichzeitig mit Mund-Nasen-Bedeckung hinein

So auch die „schreibtischstuhlzeichnungen“ Hohnkes: Mit dem Stuhl rollte er einfach über Blätter auf dem Boden – es entstanden Formen und Linien. Interessant auch die „Kaffeevermessung“ auf Millimeterpapier: Der junge Künstler, der ein Stipendium für die Akademie der Bildenden Künste in Wien erhielt, hat hier viermal exakt die gleiche Menge Kaffee aufs Papier geschüttet – jedes Mal entstanden andere Formen.

Formen hat auch Renate Löbbecke aufgegriffen: Ihre „never ending“-Fotos zeigen Fleischfasern, Müll oder die inneren Körper von Felsen in Petra, Jordanien. „Ich spreche immer wieder auf dieselben Strukturen an“, sagt sie. Dem Warum geht sie immer noch nach. Genauso wie der eigenen Körperlichkeit: An einer Wand prangen Werke, die sie mit ihrem eigenen Blut auf Küchenpapier hinterlassen hat.

„somewhere in between“, Samstag und Sonntag, 8. und 9. August, 14 bis 18 Uhr, Ins Blaue Art Gallery, Siemensstraße 21. Anmeldung: gemeinsam@ins-blaue.net. Es dürfen jeweils 15 Personen mit Mund-Schutz hinein, Spontanbesucher müssen eventuell warten. Im Nachgang soll es einen Film geben.

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