Notfallstrategie nachgefragt

Blackout in Remscheid gefährdet Versorgung nicht

Was passiert, wenn es zu einem mehrtägigen Zusammenbruch des Stromnetzes kommt?
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Was passiert, wenn es zu einem mehrtägigen Zusammenbruch des Stromnetzes kommt?
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Trinkwasser: Problem besteht nur, wenn der Strom überregional und länger ausfällt.

Von Andreas Weber

Remscheid. Was passiert, wenn es zu einem mehrtägigen Zusammenbruch des Stromnetzes kommt? Auch die Wasserversorgung würde lahmgelegt, meint Lutz Richter. Welche Notfallstrategie die Stadt habe, um die Remscheider mit Trink- und Brauchwasser zu versorgen?, lautete Richters Bürgerfrage im Rat.

Die Antwort, von Oberbürgermeister Burkhard Mast-Weisz vorgetragen nach Absprache mit Stadtwerke-Geschäftsführer Dr. Thomas Hoffmann, fiel zweigeteilt aus. Beträfe der Blackout nur Remscheid, sollte es zu keinem Ausfall der Trinkwasserversorgung kommen, da die außerhalb der Stadt befindlichen Wasserwerke weiter produzieren. „Wir verfügen in Remscheid an zwei Übergabestellen über leistungsfähige Notstromaggregate. Diese kommen zum Einsatz, falls Strom über mehrere Stunden ausfällt und unsere Wasserbehälter eine bestimmte Mindestmenge unterschreiten“, gab der OB wieder. Ein flächendeckender, überregionaler Stromausfall über mehrere Tage wäre hingegen fatal. Denn: „Die Wasserwerke im Bergischen Land verfügen aktuell nicht über entsprechende Notstromanlagen.“ Vor diesem Hintergrund sei 2020 im Rat entschieden worden, das Wasserwerk im Eschbachtal technisch zu ertüchtigen und in Betrieb zu nehmen. Dazu zählt eine Notstromanlage. „Mit der Fertigstellung des Wasserwerks 2024 werden wir im Falle eines mehrtägigen Blackouts zumindest eine Notversorgung mit verringerten Mengen in Remscheid aufrecht erhalten können“, erklärte Mast-Weisz.

Strompreisbremse: Wie Verbraucher entlastet werden sollen

 In einer zweiten Einwohnerfrage sorgte sich Ursula Wilms um Gasversorgung. Ob für L-Gas-Kunden keine Versorgungsknappheit eintrete, da in den Verträgen mit den Niederlanden feste Abnahmemengen vereinbart seien? Wilms nahm Bezug darauf, dass EWR-Kunden im März informiert wurden, dass natürliche Vorkommen langsam zurückgehen und Gasgeräte bis 2030 von L- auf H-Gas umgerüstet werden. Die Antwort verwirrte auch die Ratsmitglieder eher als sie erhellte. „Unsere Verträge sehen zwar eine Qualität des Gases (H- oder L) vor. Es entzieht sich jedoch unserer Kenntnis, aus welchen Quellen und Verträgen sich ihre Vorversorger im Speziellen für die Gasmengen eindecken, die sie für Kunden vorhalten. Es sind aber alles international tätige Import- und Handelsfirmen, die auf den Weltmärkten agieren.“ Die Konvertierung sei notwendig, weil der weitaus größere Teil des Gases aus H-Gas bestehe, das L-Gas aber nicht für die L-Gasgebiete ausreiche.

Standpunkt von Andreas Weber: Das Risiko ist real

andreas.weber@rga.de

Stromausfälle in Deutschland gibt es immer wieder. In der Regel dauern sie nur ein paar Minuten. Diese Zeit lässt sich beim Wasser problemlos mit den Vorräten in den Speicherbecken überbrücken. Bei einem großflächigen Blackout laufen die Behälter allerdings leer. Wasserwerke sind zum Großteil nicht auf einen längeren Stromausfall vorbereitet. Fehlen die Notstromaggregate, so wie in Remscheid zurzeit, kann kein Wasser über elektrische Pumpen in die Behälter transportiert werden.

Ohne Nachschub fließt kein Wasser mehr aus dem Hahn, funktioniert Toilettenspülungen nicht mehr. Dies sind nicht düstere Szenarien, ausgelöst durch Naturkatastrophen oder Hackerangriffe, die in Thrillerbüchern oder Filmen durchgespielt werden. Das Risiko ist real. Die geplante Wiederinbetriebnahme des Wasserwerkes Eschbachtal zeigt, dass man sich vor Ort dessen – wenn auch spät – bewusst geworden ist und an einer Stellschraube dreht, die man selber beeinflussen kann.

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