Bitterböse Bilanz: „Supermärkte sind relevant – wir nicht“

Ist das relevant oder kann das weg? Zum Start in die neue Spielzeit machten sich die Mimen selbst zum Thema. Foto: Roland Keusch
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Ist das relevant oder kann das weg? Zum Start in die neue Spielzeit machten sich die Mimen selbst zum Thema.

WTT eröffnet die Spielzeit mit einer sehenswerten Eigenproduktion

Von Sabine Naber

Mit einer unterhaltsamen, informativen, vor allem aber humorvollen Bestandsaufnahme des Theaters in Pandemiezeiten startet das Westdeutsche Tourneetheater (WTT) an der Bismarckstraße in die neue Spielzeit. „Revue passiert“ heißt die eigene Produktion, zusammengestellt haben sie WTT-Intendantin Claudia Sowa, Björn Lenz und Kim Preyer.

Zur Premiere lud das Bühnenbild allerdings nicht zu einem entspannten Theaterabend ein. Große und kleine Leitern standen da, Kleiderständer voll buntem Kram, ein Boot lehnte an der Wand und ein pinkfarbenes Schwimmtier aus Plastik stand mitten in diesem Chaos auf der Bühne.

„Wegen Ihnen machen wir das ganze Theater ja.“

Claudia Sowa, Intendantin

Spielpläne für 2020 und 2021 wurden hochgehalten. „Können weg. Supermärkte sind in der Pandemie relevant. Wir nicht“, war man sich einig. Und dann entdeckten die sechs Protagonisten, dass da tatsächlich Publikum im Theatersaal saß. „Wir haben so viele Monate auf diesen Moment hingefiebert. Aber heute Abend, das kommt zu plötzlich. Wenn Sie dann im Oktober noch mal Zeit hätten“, versuchte Claudia Sowa die Gäste wieder auszuladen. „Wir können die Leute doch nicht wieder nach Hause schicken. Wir müssen was machen“, hielt Björn Lenz dagegen.

Und das taten sie dann auch, indem sie ihre Gäste zu einer Reise durch die Theatergeschichte einluden, die weit vor Christus begann und in der Gegenwart endete.

„Erzähl was von den Griechen“, sollte der Schauspieler Björn Lukas den Anfang machen. „Die Griechen haben alles erfunden. Dann kamen die Christen und haben alles wieder verboten“, hieß es da kurz und knapp. Zu knapp befand Matthias Knaab. Und spielte mit Kathrin Matilla eine Szene aus der Komödie „Lysistrata“ des griechischen Dichters Aristophanes aus dem Jahr 411 vor Christus.

Im Stück geht es um den Kampf der Frauen gegen die Kriegsführung ihrer Männer. „Die machen Frieden, wenn wir uns nur lange genug enthalten“, waren sie sich einig. Herrlich überzeugend spielte Knaab den liebestollen Krieger, der bei seiner listigen Angebeteten aber keine Chance bekam. Über den mittelalterlichen Festkalender, die Passionsspiele, das Globe Theater in London bis hin zur Theaterlandschaft nach dem Zweiten Weltkrieg, als ein Kohlebrikett als Eintrittskarte verlangt wurde, ging die Reise.

„Das Theater ist so alt wie die Menschheit“, hielt Claudia Sowa danach fest. „Es hat zu allen Zeiten Gemeinschaft gestiftet. Es verändert sich, aber das Publikum ja auch. Wegen Ihnen machen wir das ganze Theater ja, kommen Sie mit uns ins Gespräch“, lud die Intendantin zu einer kleinen Premierenfeier ins Foyer ein.

Die Premierengäste kamen dem gern nach. „Heute Abend wurden Bildungslücken geschlossen“, befand Martina Piller-Grenzebach: „Und ich habe Lust bekommen, das eine oder andere nachzulesen.“

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