Interview der Woche

Interview mit Arndt Liesenfeld: Welche Schulen in Remscheid vor Millionen-Investitionen stehen

Arndt Liesenfeld, Leiter der Schulverwaltung, wird sich in den kommenden Jahren viel mit Raumfragen an den Grund- und weiterführenden Schulen beschäftigen müssen sowie mit baulichen Investitionen. Foto: Doro Siewert
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Arndt Liesenfeld, Leiter der Schulverwaltung, wird sich in den kommenden Jahren viel mit Raumfragen an den Grund- und weiterführenden Schulen beschäftigen müssen sowie mit baulichen Investitionen.

Arndt Liesenfeld, Leiter des Schulverwaltungsamtes, hat riesige Baustellen vor sich. Für die Hauptschule sollen Anbau und Sanierung bis 2024 fertig sein. Für einige Grundschulen könnte es neue Standorte geben. Und auch für die bald leer stehende Stuttgarter Straße 13 gibt es Pläne. Zudem spricht er über die Betreuung im Offenen Ganztag, G9 und weitere Baustellen.

Das Gespräch führte Andreas Weber

Herr Liesenfeld, Anfang September haben sich Bund und Länder geeignet: Der Rechtsanspruch auf einen OGS-Platz wird in Grundschulen 2026 kommen. Die Nachricht aus Berlin traf Remscheid nicht unvorbereitet.

Arndt Liesenfeld: Das ist richtig. Wir wussten nur nicht, wann und wie. Der 1. August 2026 hatte sich aber im Städtetag rumgesprochen. Ich bin froh, dass erst die ersten Klassen drankommen und danach sukzessive bis 2029 die restlichen. Das gibt uns mit den Baumaßnahmen etwas mehr Zeit. Die Planungen aber laufen, sie sind in die Schulentwicklungsplanung eingeflossen. 

 Die seit langem von dem Beratungsbüro Dr. Garbe & Lexis für die Stadt Remscheid übernommen wird.

Liesenfeld: Ja, wir sind mit Dr. Detlef Garbe weitsichtig daran gegangen, haben die zusätzlichen OGS-Bedarfe berücksichtig, nachdem wir mit ihm alle Schulen genau angeschaut hatten, basierend auf den Schülerprognosen, die bis 2029 auf Remscheid zukommen.

7,5 Milliarden Euro sollen bundesweit in Baumaßnahmen für den benötigten Platzbedarf in Grundschulen fließen. Wird auch die Stadt Remscheid Geld in die Hand nehmen müssen?

Liesenfeld: Davon gehe ich aus. Bei allen Förderprogrammen gibt es einen Eigenanteil. Der Baukostenindex sah 2018 für einen Quadratmeter Neubau an Schulen 4165 Euro vor. Allein für die hiesigen Grundschulen müssten nach der Analyse von Garbe 46 Millionen Euro aufgewendet werden. In die Überlegungen ist nicht eingeflossen, ob die benötigte Grundfläche an den einzelnen Schulen auch tatsächlich vorhanden ist.

„Wir favorisieren, das Kolleg-Gebäude für eine Grundschule zu ertüchtigen.“

Arndt Liesenfeld, Schulverwaltung

An einigen Schulen wird es mit Sicherheit eng werden.

Liesenfeld: Wir haben die 17 Grundschulen und ihre vier Ableger in drei Kategorien eingeteilt. In der ersten und dringlichsten sind die, bei denen gebaut werden muss. Das sind Hasten, Kremenholl, Reinshagen, Walther-Hartmann, Menninghausen mit seiner Dependance, Am Stadtpark, Daniel-Schürmann, Dörpfeld, Adolf-Clarenbach und Hackenberg.

Schuldezernent Thomas Neuhaus hat erklärt, dass sich für einige Grundschulen die Standortfrage stellt. Welche hat er damit gemeint?

Liesenfeld: Zum einen die Grundschule Kremenholl. Wir denken darüber nach, mit der 900 Meter entfernt liegenden Dependance des Käthe-Kollwitz-Berufskollegs in der ehemaligen Hauptschule in der Tersteegenstraße zu tauschen. Wir haben uns die Pläne angeschaut, mit den Schulleitungen geredet und sind so weit, dass wir sagen: Lass es uns angehen. Es ist auch kein Geheimnis, dass der Standort Palmstraße 6 aus allen Nähten platzt. Dort haben wir die zweizügige Daniel-Schürmann-Schule und die Dependance des Schulverbundes Menninghausen/Julius-Spriestersbach. Daniel-Schürmann verzeichnet eine OGS-Quote von nur 22 Prozent. Das ist dramatisch wenig. Eine Idee wäre, auf dem Gelände den vorhandenen Pavillon zweigeschossig neu zu bauen, um Platz zu gewinnen. Das allein löst das Problem jedoch nicht grundsätzlich. Vernünftig wäre, Julius-Spriestersbach und Menninghausen zusammenzulegen und neu zu bauen. Auch unter dem Gesichtspunkt, dass der Hauptstandort der KGS Menninghausen feucht ist und nach groben Schätzungen für 1,2 Millionen Euro saniert werden muss. Für einen Neubau bräuchten wir 5000 Quadratmeter Grundstück. Die aber sind rar. Wir wissen aus den Kita-Planungen, wie schwer es ist, große Flächen in Remscheid zu finden.

Wie wäre es mit der Stuttgarter Straße 13, wenn das Berufskolleg Wirtschaft und Verwaltung nächstes Jahr in sein neues Domizil am Hauptbahnhof zieht?

Liesenfeld: Das hat das Schulverwaltungsamt in der Tat vorgeschlagen. Die Lösung wäre unser Favorit. Wir müssten das Berufskolleg zwar für die Grundschul-Bedürfnisse ertüchtigen, aber das ist machbar. Angesichts der anderen Überlegungen, die es für die Nachnutzung gibt, glaube ich jedoch nicht, dass es eine politische Mehrheit für unseren Vorschlag geben wird. Aber unser Fachdienst sprüht vor Ideen, wir arbeiten an Plan B und C. Wenn wir für Menninghausen eine Lösung finden, könnte auch die Daniel-Schürmann in der Palmstraße den freigewordenen Platz nutzen. Wir würden zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen.

Da, wo Platz fehlt, könnten aber auch multifunktionale Räume an langen Schultagen von 8 bis 16 Uhr weiterhelfen.

Liesenfeld: Das ist so. Es sind die Grundschulen, die wir in Kategorie 3 gepackt haben. Wir überlegen mit ihnen neue Konzepte. Die Grundschule Eisernstein hat bereits einen solchen multifunktionalen Raum. Bei der Einrichtung hilft uns ein Förderprogramm des Landes für die Ganztagsbetreuung von Grundschulkindern, für das im Januar die Richtlinien herausgegeben wurden. 1,1 Millionen Euro sind zum Abruf bereitgestellt worden, 845 000 Euro haben wir beantragt, die Bestellungen wurden teilweise noch nicht geliefert. Da geht es um Sport- und Spielgeräte und bewegliches Mobiliar, das hilft, nachmittags in bestehenden Unterrichtsräumen Bewegungs-, Ruhe und Freizeitflächen zu schaffen.

61 Prozent der Remscheider Kinder sind in der OGS mit einem Platz versorgt. Liegt der aktuelle Bedarf nicht deutlich höher?

Liesenfeld: 61 Prozent sind schon mal ein Superwert. Es gibt aber kleinere Grundschulen, die Bedarfe bis zu 90 Prozent haben, weil beide Eltern arbeiten gehen. Da, wo wir bauen wollen, wissen wir auch, dass dort der höchste Bedarf ist. Insgesamt geht das Land NRW zurzeit davon aus, dass 71 Prozent auskömmlich sind.

„Kurzfristig gesehen ist die Hilda-Heinemann-Schule unser größtes Sorgenkind.“

Arndt Liesenfeld, Schulverwaltung

Immensen Bedarf gibt es nicht nur an den Grundschulen. Aktuell ruft die Hilda-Heinemann-Schule um Hilfe.

Liesenfeld: Sie ist kurzfristig gesehen unser größtes Sorgenkind. Die Anmeldezahlen sind so hoch, dass der Platz nicht mehr ausreicht. Schulleiter Christian Jansen hat signalisiert, dass er bis Januar 2022 mit internen Umschichtungen klarkommt, danach wird zusätzlicher Platz über Modulbauten entstehen, die aber auch nur eine Zwischenlösung sein können. Perspektivisch müssten wir eigentlich den Altbau, den alten Kindergarten, abreißen und einen Neubau hinsetzen. Der Prüfauftrag dafür liegt beim Gebäudemanagement.

Apropos Sorgenkind: Wie steht es um die Hauptschule in Hackenberg, die seit Jahren vergeblich auf ihre Sanierung wartet?

Liesenfeld: Da sind wir soweit, dass es endlich bald losgehen kann. Das Vergabeverfahren für die energetische Sanierung ist beendet. 2,9 Millionen Euro stehen über das Kommunalinvestitionsförderungsgesetz II zur Verfügung. Diese Maßnahme wird mit dem Anbau in Hackenberg verknüpft, der für weitere 3,8 Millionen Euro auf insgesamt 1000 Quadratmeter zusätzlicher Fläche entsteht. 250.000 Euro fallen darüber hinaus an für Container, in die die Klassen 5 bis 7 ziehen werden während der Bau- und Sanierungsphase. Die Klassen 8 bis 10 bleiben solange am Standort Wilhelmstraße in der Innenstadt. Der Zeitplan sieht Planung und Ausschreibung noch in diesem Jahr vor, Beginn der Sanierung und Aufstellung zusätzlicher Pavillons in 2022, Fertigstellung in 2023, danach in 2023 der Beginn des Erweiterungsbaus und dessen Fertigstellung in 2024.

Wenn Hackenberg fertig ist, böte sich die Wilhelmstraße für ein weiteres Wechselspiel an.

Liesenfeld: Ja, dann könnte dort Platz für die Heinrich-Neumann-Schule frei werden, um sich von drei Standorten am Lenneper Kreishaus, Engelbert- und Gewerbeschulstraße auf die Gewerbeschulstraße und Wilhelmstraße zu reduzieren. Das alles sind langfristige Überlegungen, aber beim Schulentwicklungsplan reden wir auch über einen Zeitraum von zehn Jahren.

Vergessen wir abschließend die vier Gymnasien nicht. Die Rückkehr zu G 9 sorgt für mehr Raumbedarf.

Liesenfeld: An Leibniz, GBG, EMA und Rögy wird gebaut werden müssen. 28,7 Millionen Euro sind dafür veranschlagt. Im November werden wir uns mit den Planern und Gymnasien zusammensetzen, danach erfolgt die europaweite Ausschreibung. Auch hier gilt, wie beim Rechtsanspruch für OGS-Plätze, Stichtag ist der 1. August 2026. Denn danach wird sich G 9 erstmals auswirken.
Lust auf mehr Hintergründe? Hier geht´s zu den RGA-Interviews der Woche.

Zur Person: Arndt Liesenfeld

Arndt Liesenfeld ist 52 Jahre alt, verheiratet, hat zwei Kinder und lebt in Remscheid. Nach der Albert-Schweitzer-Realschule in Lennep, die er im Übrigen wie sein Vorgänger im Schulverwaltungsamt, Jörg Biermann, besuchte, ging Arndt Liesenfeld ans Berufskolleg Wirtschaft und Verwaltung, um danach bei der Stadtverwaltung Remscheid anzufangen. Zunächst im mittleren Dienst für drei Jahre, ab 1991 absolvierte er ein duales Studium für den gehobenen Dienst. Arndt Liesenfeld war zunächst im Sozialamt und bei der Arge (Arbeitsagentur) tätig, später zehn Jahre im Ordnungsamt. Im November 2017 wechselte Liesenfeld intern und übernahm als Amtsleiter die Schulverwaltung mit Markus Eschweiler als seinem Stellvertreter.

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