Klosterkirche

„Bier und Blondinen sind die Werkzeuge der Lobbyisten“

Anny Hartmann trat in der Klosterkirche auf. Foto: Doro Siewert
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Anny Hartmann trat in der Klosterkirche auf.

Diplom-Volkswirtin Anny Hartmann prangerte in der ausverkauften Klosterkirche die Politik an.

Von Sabine Naber

Sie war ganz begeistert, dass sie endlich wieder vor Publikum spielen durfte – und ihr politisches Kabarett am Freitagabend in der Klosterkirche war auch gleich ausverkauft: Anny Hartmann gastierte in Lennep. Das Kulturzentrum bot erneut einen Livestream an.

Natürlich ging es auch bei Anny Hartmann um Corona. „Die Flugzeuge hatten die bessere Lobby als wir freischaffenden Künstler. Neun Milliarden Euro gab es für die Lufthansa als Starthilfe. Für die komplette Kulturszene eine Milliarde“, ließ sie gleich zu Beginn ihres neuen Programms „No Lobby is perfect“ keinen Zweifel aufkommen, dass sie als studierte Volkswirtin den Durchblick hat, wenn es um wirtschaftliche und politische Schachzüge geht. Ihr großes Thema ist der Einfluss der Lobbyisten. „Auf einen Politiker kommen acht Lobbyisten. Da passt der Spruch, der in den USA kursiert: Wer nicht mit am Tisch sitzt, der steht auf der Speisekarte.“ Für solche Aussagen gab es immer wieder spontanen Applaus in der ausverkauften Klosterkirche.

Wie das so funktioniert zwischen Politikern und Lobbyisten, das machte sie mit Hilfe eines imaginären Telefongesprächs zwischen einer Journalistin und einem Lobbyisten humorvoll, gleichzeitig aber auch sehr bissig deutlich. Klar, dass so ein Gespräch anonym bleiben muss: „Sonst könnte ich ja nicht frei sprechen.“ Bier, Blondinen und Bestechungsgelder, das seien die Werkzeuge der Lobbyisten. „Man muss Politiker mit Essenseinladungen anfüttern. Zugegeben, bei Altmaier haben wir es ein bisschen übertrieben“, gab der Lobbyist alias Anny Hartmann grinsend zu. Die Eitelkeit der Politiker sei das Einfalltor. Und mit der Drohung, „Das bedeutet Arbeitsplatzverlust“, könne dann jeder Schwachsinn durchgesetzt werden. „So haben wir auch verhindert, dass große Unternehmen die Aufpreise für erneuerbaren Strom bezahlen müssen. Arbeitsplatzverlust und Abwanderung hießen hier die Zauberwörter.“

Die Interessen der Politiker deckten sich einfach nicht mit denen der Bürger. Politiker wollten Macht, Prestige und Einkommen, Bürger langfristig saubere Luft und ein intaktes Sozialsystem. „Politik ist nur der Spielraum, den die Wirtschaft ihr lässt“, zitierte die Kabarettistin Dieter Hildebrandt. Die Probleme würden von den Reichen produziert, nicht von Armen. „Wir müssen dem Einhalt gebieten“, forderte Hartmann. Sozialschmarotzer seien all diejenigen, die alles haben, aber nichts abgeben wollen.

„Sie kommt immer ganz genau auf den Punkt, deckt den ganzen Wahnsinn auf. Das macht den Abend mit ihr so unterhaltsam“, lobte Zuhörerin Frauke Hein die Kabarettistin.

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