Ehrenamtspreis

Elisabeth Erbe bewahrt Lebensmittel vor dem Abfallcontainer

Sie rettet täglich Lebensmittel: Bürgerpreis-Kandidatin Elisabeth Erbe. Foto: Nicole Fabian-Theis
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Sie rettet täglich Lebensmittel: Bürgerpreis-Kandidatin Elisabeth Erbe. Foto: Nicole Fabian-Theis

Elisabeth Erbe wurde für den Ehrenamtspreis 2020 nominiert.

Von Frank Michalczak

Remscheid. Es ist eine beeindruckende Zahl, die Elisabeth Erbe präsentieren kann: Seit Oktober 2016 bewahrten sie und ihr Team in Remscheid 400 000 Kilo Lebensmittel vor der Vernichtung. Das alles stammt aus Supermärkten und wurde dort aussortiert – weil das Obst und das Gemüse nicht mehr so schön aussahen oder weil Milch, Joghurt und Co. das Verfallsdatum überschritten hatten. „Das aber heißt längst noch nicht, dass die Lebensmittel verdorben wären oder nicht mehr schmecken würden“, erklärt die Mutter von vier Kindern, die mit ihrer Foodsharing-Initiative für den Ehrenamtspreis 2020 nominiert wurde.

So wie die übrigen vier Kandidaten Ulrich Dettmar, Marvin Schneider, Dr. Volker Peinke und Sabine Schmittkamp wurde Elisabeth Erbe von der Jury aus Dutzenden Vorschlägen ausgewählt. Der 46-Jährigen ist es gelungen, im Laufe der vergangenen vier Jahre ein breites Netzwerk aufzubauen, um Lebensmittel zu retten. Bei ihrer Foodsharing-Initiative decken sich mittlerweile rund 1000 Menschen mit Waren ein, die in den Geschäften nicht mehr verkäuflich sind und im Container landen würden.

Dahinter steckt eine ausgeklügelte Logistik. „Zunächst fahren wir zu unseren Supermärkten, die mit uns kooperieren“, erklärt Elisabeth Erbe. Auf der Liste stehen Läden wie Edeka ebenso wie der „Italiener um die Ecke“. Im Anschluss geben die Helfer via Whatsapp oder Facebook bekannt, was bei ihnen abzuholen ist – das kann der nicht mehr sattgrüne Porree ebenso sein wie dunkelgelbe Bananen, Backwaren vom Vortag oder der nicht mehr taufrische Blattsalat.

„Und wer will, kann das dann bei den jeweiligen Helfern unentgeltlich abholen“, erläutert Elisabeth Erbe, die erklärt, dass auch von Speisen, die längst abgelaufen sind, keinerlei Gesundheitsgefahren ausgehen. „Ich hätte das früher selber nicht geglaubt“, sagt sie: „Vor einigen Wochen haben wir zum Beispiel mehrere Tausend Liter Hafermilch erhalten. Die schmeckt auch heute noch.“ Selbst Kartoffelsalat, der das Verfallsdatum überschritten hat, sei noch schmackhaft und genießbar. Das gelte erst recht für Tee, der noch nach Jahren verwendet werden könne. „Bei Fleisch und Fisch gilt hingegen das Verbrauchsdatum“, fügt Elisabeth Erbe hinzu.

„Wir bringen die Lebensmittel auch ins Obdachlosencafé oder ins Kinderheim.“
Elisabeth Erbe über die Rettung von Lebensmitteln

Auf die Idee, die Initiative zu ergreifen, sei sie vor einigen Jahren durch einen Fernsehbeitrag gekommen, bei dem aufgezeigt wurde, wie viel täglich in den Supermärkten im Müllcontainer verschwindet. „Das hat mich erschüttert“, blickt sie zurück. So reifte ihr Entschluss, der Verschwendung den Kampf anzusagen. Sie erkundigte sich zunächst bei einer Foodsharing-Initiative in Solingen, wie die Lebensmittelrettung aufgebaut werden kann. Aus kleinsten Anfängen ist mittlerweile in Remscheid ein großes Netzwerk geworden. „Wir bringen die Lebensmittel auch ins Obdachlosencafé oder ins Kinderheim. Und einigen Menschen bringe ich die Lebensmittel persönlich vorbei“ , berichtet sie.

An Heiligabend kocht sie für bedürftige Menschen

An Heiligabend kocht sie zusätzlich für Bedürftige. „Dann ist es besonders wichtig, für andere da zu sein“, sagt sie. Beruflich ist Elisabeth Erbe breit aufgestellt. Sie schrieb 35 Schulbücher, arbeitet als freie Journalistin und wirkt auch als freie Trau- und Trauerrednerin.

Die 46-Jährige wurde in Oberschlesien geboren, wuchs in Düsseldorf auf und verliebte sich 1994 in den Stadtteil Lennep, wie sie zurückblickt. So wurde das Bergische Land zu ihrer Heimat. Mit ihrer Initiative arbeitet sie mit der Tafel zusammen, die sich von ihrer Zentrale an der Wülfingstraße in Lennep aus an Bedürftige richtet und ebenso darauf setzt, Lebensmittel zu retten. „Wir unterstützen uns gegenseitig. Zum Beispiel haben wir in der Corona-Pandemie in den Ausgabestellen geholfen“, erklärt sie.

Im Gegensatz zur Tafel dürfe die private Initiative aber auch Waren anbieten, die das Verfallsdatum überschritten haben. Von daher habe Foodsharing größere gesetzliche Spielräume. Auch in diesem Jahr will sie ihre weihnachtliche Tradition pflegen, für einsame und bedürftige Menschen ein Heiligabend-Essen zu kochen. Da bereitet die 46-Jährige dann schon mal für 30 Personen Gänsekeulen zu. „Es ist ein gutes Gefühl, zu helfen“, erklärt die Kandidatin für den Ehrenamtspreis 2020, die zur Retterin von Lebensmitteln avanciert ist.

RGA-Leser haben bis zum 19. Juni die Gelegenheit abzustimmen, wer den Ehrenamtspreis 2020 erhalten soll. Gewonnen haben bereits alle fünf Kandidaten. Mit der Nominierung ist ein Preisgeld von jeweils 500 Euro verbunden. Der Hauptgewinner, der die meisten Stimmen auf sich vereint, erhält 1000 Euro für ihre jeweilige Initiative. Er wird im Anschluss an die Auszählung bei einer kleinen Feierstunde geehrt.

Abstimmung

Wer beim Bürgerpreis 2020 mitmachen und einen Kandidaten wählen möchte, kann den Kupon (oben) ausfüllen und in einer Niederlassung der Stadtsparkasse abgeben. Sie hat außerdem eine Abstimmungsmöglichkeit auf ihrer Homepage eingerichtet. Dazu einfach stadtsparkasse-remscheid.de anklicken und ein paar Momente warten, bis auf dem Bildschirm Remscheider Bürgerpreis erscheint.

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