Warten auf den Impfstoff

Betriebsärzte wollen in Remscheid viele Spritzen setzen

Dr. Jens Wichtermann spricht für Vaillant: Das Großunternehmen hat eine Impfstraße aufgebaut. Ob sie in Betrieb gehen kann, ist allerdings noch unklar. Wie so vieles, bevor die Betriebsärzte in Remscheid in die Impfkampagne einsteigen. Fotos: Christian Beier / Roland Keusch
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Dr. Jens Wichtermann spricht für Vaillant: Das Großunternehmen hat eine Impfstraße aufgebaut. Ob sie in Betrieb gehen kann, ist allerdings noch unklar. Wie so vieles, bevor die Betriebsärzte in Remscheid in die Impfkampagne einsteigen.

Remscheids Arbeitsmediziner haben Impfstoff bestellt – und warten gespannt auf das, was ankommt.

Von Axel Richter

Dr. Jens Wichtermann spricht für Vaillant.

Remscheid. Impfen, das können die sechs Ärztinnen und Ärzte im Betriebsarztzentrum für Remscheid und Umgebung. Ob gegen die Grippe oder das Gelbfieber: Bettina Roth-Küver und Kollegen setzten viele Spritzen im Jahr. Mit reichlich Erfahrung steigen die Arbeitsmediziner deshalb in die Impfkampagne gegen Corona ein. Spätestens am 7. Juni soll es losgehen. Allerdings stehen die Betriebsärzte noch vor offenen Fragen und wissen bereits jetzt, dass sie längst nicht so viel Impfstoff erhalten werden, wie sie bestellt haben. Statt der maximal 804 Dosen, die sie in der ersten Impfwoche erhalten soll, rechnet Bettina Roth-Klüver „vielleicht mit 36 oder auch mit keinen. So sind die Realitäten.“

Annähernd 25 000 Mitarbeiter betreuen die Ärzte. 320 Unternehmen sind Mitglied im Betriebsarztzentrum von Remscheid und Umgebung e.V. Darunter kleine und mittelständische Firmen, schwerpunktmäßig aus der Metall- und Elektroindustrie. Aber auch Großunternehmen wie die Firma Vaillant bauen auf die Expertise der Ärzte im Arbeitsmedizinischen Zentrum an der Papenberger Straße.

„Aufgrund unserer Kontakte nach China wussten wir früh, was auf uns zukommt.“

Dr. Jens Wichtermann, Vaillant

Dr. Jens Wichtermann, Direktor Unternehmenskommunikation, Nachhaltigkeit und Politik der international agierenden Vaillant-Group, würde deshalb lieber heute als morgen mit den Impfungen starten. Früh hatte der Global Player mit 14 000 Mitarbeitern weltweit und 2000 am Firmensitz in Remscheid auf Tests gesetzt und Masken besorgt. „Aufgrund unserer Kontakte nach China wussten wir früh, was auf uns zukommt“, sagt Wichtermann.

Mit Blick auf eine rasche Impfung der eigenen Belegschaft steht das Unternehmen seit März in Kontakt zum Gesundheitsamt. Zugleich begann der Aufbau einer eigenen Impfstraße, „um innerhalb kürzester Zeit den Impfbetrieb im Unternehmen operativ starten zu können“. Steigen die Betriebsärzte ein, sollen zunächst die Mitarbeiter im Außendienst geimpft werden. Sie haben die meisten menschlichen Kontakte.

Ob die Impfstraße bei Vaillant zum Einsatz kommt, ist allerdings noch unklar. Stand heute gehen die Betriebsärzte davon aus, dass sie die Belegschaften der Mitgliedsunternehmen in ihren Räumen an der Papenberger Straße impfen werden. Letztlich hängt die Frage nach der Organisation der Kampagne aber auch von der Beschaffenheit des Impfstoffs ab. Die Vakzine von Johnson & Johnson und Astrazeneca verhalten sich deutlich robuster als das von Biontech / Pfizer. Welchen sie bekommen wissen die Betriebsärzte noch nicht.

So spricht Bettina Roth-Klüver von einer „Wundertüte“, die sich für die Arbeitsmediziner öffne. Rechtzeitig wollen sie Termine im Internet anbieten, die die Firmen dann für ihre Mitarbeiter belegen können. Nach der Impfung folgt die Bürokratie. Jede aufgezogene und verimpfte Spritze muss noch am selben Tag dokumentiert werden. „Dabei wissen wir noch nicht einmal, ober unsere Datenleitungen halten“, sagt Bettina Roth-Klüver.

Für das Remscheider Impfzentrum stellt der Einstieg der Betriebsärzte in die Impfkampagne dennoch eine weitere wichtige Säule dar. Am heutigen Dienstag veröffentlicht die Kassenärztliche Vereinigung Nordrhein die aktuellen Impfzahlen für Remscheid. Nach dem Start der Kampagne zu Anfang des Jahres haben die Impfteams in den vergangenen Wochen Strecke gemacht. Mit den Hausärzten stieg die Impfquote noch einmal erheblich. Nun sollen die Arbeitsmediziner auch jene erreichen, die den Weg zum Arzt möglicherweise scheuen.

Standpunkt: Das Modell hat Zukunft

Von Axel Richter

axel.richter@rga.de

Ddie Betriebsärzte stehen vor einer wichtigen Aufgabe. Denn bekanntlich hat es dem Land NRW gefallen, innerhalb der Impfpriorisierungsgruppe 3 nochmals zu priorisieren. Mit der Folge, dass gegenwärtig zwar Richter, Staatsanwälte und Steuerfahnder einen Impftermin buchen dürfen. Nicht aber zum Beispiel ITler, Wasser- und Energieversorger oder Lkw-Fahrer. Der Eintritt der Arbeitsmediziner in die Kampagne verspricht ihnen die Aussicht auf den langersehnten Impftermin und dürfte der ganzen Kampagne neuen Schub verleihen. Dazu ist das Impfen gegen Corona - sei es im Unternehmen oder im Arbeitsmedizinischen Zentrum - ein Modell mit Zukunft. Denn viel deutet darauf hin, dass regelmäßige Auffrischungen nötig sein werden. Dass die Betriebsärzte die Hausärzte dabei unterstützen können, wenn die Impfzentren längst wieder abgebaut sind, beweisen sie schon heute bei der jährlichen Grippeschutzimpfung. Darüber hinaus haben sie gegenüber allen einen großen Vorteil: In den Unternehmen beziehungsweise über den Unternehmer erreichen sich auch die Menschen, die eine Arztpraxis am liebsten nur von außen sehen.

Die Liste der Anbieter für Gratis-Schnelltests wird immer länger. Hier finden Sie eine Liste der Schnelltest-Anbieter in Remscheid mit Öffnungszeiten und Buchungsmöglichkeiten. 

Alle weiteren Nachrichten zur Corona-Lage in Remscheid finden Sie in unserem Live-Blog.

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