Die große Nachhaltigkeitsserie

Natürlich nachhaltig: Eine Woche ohne Müll - Geht das wirklich?

Um vor allem Grundnahrungsmittel verpackungsfrei einzukaufen, geht Valeria in Unverpacktläden, wie hier zum Urginell & Unverpackt an der Hindenburgstraße. 
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Um vor allem Grundnahrungsmittel verpackungsfrei einzukaufen, geht Valeria in Unverpacktläden, wie hier zum Urginell & Unverpackt an der Hindenburgstraße. 
  • VonValeria Schulte-Niermann
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Der Selbstversuch: RGA-Volontärin Valeria Schulte-Niermann kauft eine Woche lang nur unverpackt ein und will keinen Abfall produzieren. Ist das alltagstauglich? Mit Rezept zum Nachmachen.

Von Valeria Schulte-Niermann

Bergisches Land. Müll begleitet uns rund um die Uhr. Besonders Plastik ist allgegenwärtig. Auf Reisen außerhalb der EU habe ich gesehen, dass Abfall oft nicht ordnungsgerecht entsorgt wird, sondern auf illegalen Müllkippen oder im Meer landet. Doch auch in unserer Stadt fliegt Müll auf den Straßen herum. Er verrottet nur sehr langsam. Mikroplastik bleibt in der Natur. Tiere fressen den Müll und verenden.

22 520 Tonnen Restmüll fallen jährlich in Remscheid an - Das passiert damit.

Das falsche beziehungsweise nicht vorhandene Recycling ist eine Sache. Noch besser ist es, wenn erst gar kein Müll produziert wird. Darauf haben auch wir Verbraucher einen Einfluss. Wie das gelingen kann, erklären wir hier. Eine Woche lang will ich komplett auf Verpackungsmüll verzichten. In welchen Bereichen fällt es mir leicht, unverpackt einzukaufen, in welchen eher weniger?

Diese Grundausstattung ist für das unverpackte Einkaufen notwendig

Natürlich nachhaltig.

Um unverpackt einkaufen zu können, benötige ich Beutel und leere Gefäße. Jutebeutel habe ich eh genug, kleine Gemüsebeutel habe ich aus alten Hemden zusammengenäht und Gläser von Soßen und Pasten bereits ausgespült und aufgehoben.

Wenn man überlegt, bei welchen Einkäufen alles Müll anfällt, gibt es eigentlich keinen Bereich, über den man sich keine Gedanken machen muss. Ich fange im Bad an. Plastikverpackungen und Mikroplastik sind tabu. Seit rund einem Jahr benutze ich festes Haarshampoo und nun auch feste Seife. Reiniger für Oberflächen, WC, Wäsche und Geschirr mache ich selber mit Hilfe von Natron, Zitronensäure und Essig. Das klappt soweit ganz gut.

Zahnpasta, Bodylotion und Deocremes besorge ich im Unverpackt-Laden. Ein praktischer Nebeneffekt: Diese Produkte haben meistens Bioqualität und ein Naturkosmetik-Siegel. So kann man sichergehen, dass kein Mikroplastik enthalten ist.

In Kühl- und Vorratsschränken lagert viel Verpacktes

Obst und Gemüse gibt es oft auch unverpackt in Discounter und Supermärkten.

Mein Bad ist also schon ziemlich plastikfrei. Nun kommen wir zum schwierigsten Punkt: Meine Bestandsaufnahme in Kühl- und Vorratsschrank sieht nicht gut aus. Tetrapaks, Dosen, Gläser, Plastik. Obwohl ich nun schon seit fast zwei Jahren im Unverpacktladen einkaufe, komme ich von einigen verpackten Lebensmitteln nicht los. Schuld daran sind auch die Preise. Saft, Milch und Süßigkeiten sind oft mehr als doppelt so teuer als beim Discounter. Unverpackte Nudeln, Reis, Mehl, Haferflocken und Gewürze sind da noch einfach. Dennoch gönne ich mir ein kleines Glas Gummibärchen – mein Luxusprodukt in dieser Woche.

In manchen Unverpacktläden gibt es zwar Obst und Gemüse, jedoch nur absolute Basics wie Kartoffeln, Karotten, Äpfel und immer wieder mal etwas Saisonales. Den Rest kaufte ich bisher beim Discounter und dort leider oft in Plastik verpackt. Einiges gibt es aber auch hier unverpackt. Im Supermarkt gibt es eine größere Auswahl, doch bei manchem komme ich nicht um eine Verpackung herum. Also auf den Markt. Der ist leider nicht jeden Tag und meistens nur für ein paar Stunden. Da ist ein wenig Planung vonnöten.

Essensvorbereitung nimmt mehr Zeit in Anspruch

Aufstriche sind einfach selber zu machen, halten sich allerdings nicht so lange. Die Schokocreme musste Valeria leider nach zwei Tagen wegwerfen. Der Hummus hielt sich aber eine Woche.

Konserven in Dosen und Gläsern durfte ich auch nicht anrühren. Entweder alles selber machen oder auf ein paar wenige Produkte im Mehrwegglas zurückgreifen. Zum Beispiel Tomatensoße, die es auch im Unverpackt-Laden gibt. Ein schnelles Abendessen ist also eher schwierig, wenn man sich nicht irgendwann mal die Zeit genommen hat, Mengen an Obst und Gemüse einzumachen und einzufrieren. Mein kleines Gefrierfach kommt da schnell an seine Grenzen.

Brotbelag und Aufstriche waren für mich das größte Problem. Das kaufe ich meistens im Glas. Im Unverpacktladen gibt es zwar Käsealternativen im Pfandglas, die sind mir jedoch zu teuer. Also ist Selbermachen angesagt. Ich entscheide mich für Hummus und Schokocreme. Die Zubereitung ist doch simpler als gedacht, und beides schmeckt sehr gut. Die Schokocreme löffele ich direkt aus dem Glas, und zwei Tage später habe ich eine schöne Schimmelschicht herangezogen. Ich muss das noch halbvolle Glas wegwerfen. Das ist mein größter Rückschlag in dieser Woche.

Rezept für cremigen Hummus

  • 250 g eingeweichte Kichererbsen
  • 1 Zehe Knoblauch
  • 1 TL Natron
  • 3 EL Tahini
  • 3 EL Olivenöl
  • 1 Zitrone (Saft)
  • 50 ml kaltes Wasser
  • Salz, Pfeffer, eventuell Chili, Kreuzkümmel
  • Zubereitung: Kichererbsen mit Natron kochen bis sie weich sind. Wasser abgießen und zusammen mit Knoblauch und Tahini klein mixen. Dann mit den restlichen Zutaten zu einer cremigen Masse pürieren, nach Wunsch mehr Olivenöl hinzufügen. Mit Gewürzen abschmecken.
  • Masse in ein ausgekochtes Glas umfüllen und im Kühlschrank lagern.

Beim Abendessen gibt es Kohlenhydrate mit Gemüse statt Veggi-Steak

Obwohl ich als Brotbelag nur den Hummus habe, ist meine Ernährung trotzdem nicht einseitig. Zu Mittag esse ich Reste vom Abendessen oder Gemüse zum Hummusbrot. Wenn man ehrlich ist, kann man sich auch mit einem Aufstrich pro Woche zufriedengeben.

Beim Abendessen heißt es: back to the basics – also Nudeln, Reis oder Kartoffeln mit Gemüse und Tomatensoße oder mit Gemüsebrühe. Um ein wenig Abwechslung in das Abendessen hineinzubekommen, mache ich Seitansteaks selber. Leider wurden sie ziemlich fest, sättigten aber sehr gut. Geschmacklich kamen sie jedoch nicht an gekaufte Veggi-Steaks heran.

Selbstversuch: Eine Woche vegan fordert meine Kochkünste heraus

Tiefkühlpizza und andere Fertigprodukte sind natürlich auch tabu. Das gibt es nicht unverpackt. Fast Food ist eh schwierig ohne Verpackungsmüll zu produzieren. Manche Restaurants bieten ihr Essen in Pfandgläsern an, bei anderen muss man den Behälter selber mitbringen.

Auf Kaffee aus meiner Kaffeepad-Maschine muss ich auch verzichten. Eine Alternative wäre ein wiederverwendbarer Filter aus Metall oder Stoff, eine French Press oder ein Espressokocher. Der Kaffeesatz kann für die Kosmetik verwendet werden oder in den Kompost. Apropos Kompost: Beim Gemüseschnibbeln kommt natürlich auch Müll zusammen, der bei mir immer in der Biotonne landet. Wenn ich einen Garten oder zumindest einen Balkon hätte, würde ich eine Wurmkiste aufstellen. Hierbei wird Erde produziert, die ich im Garten verwenden könnte.

Fazit: Es herrscht noch Verbesserungsbedarf

Ganz ohne Müll ging es doch nicht. Kassenzettel, Sticker von Gemüse, ein Mayonnaiseglas und die Verpackung eines Salats aus der vorherigen Woche konnte Valeria nicht vermeiden.

Bei meinem Selbstversuch habe ich herausgefunden, wo ich noch mehr Müll vermeiden kann. Grundnahrungsmittel und Gemüse sind gut unverpackt zu bekommen. Bei anderen Dingen überlege ich nun intensiver, ob ich sie wirklich benötige – vor allem bei verpackten Süßigkeiten.

Ich würde auch gerne selber Gemüse anpflanzen, mehr selber einkochen und keine Fertigprodukte konsumieren. Dafür fehlt mir aber ein Garten und Platz für Vorräte.

Ioanna Zacharaki von der Oase Ohligs Ost gibt Tipps, wie nachhaltiges Gärtnern funktionieren kann.

Nicht vermeiden konnte ich Aufkleber auf Obst und Gemüse sowie Kassenzettel. Zumindest passt alles in ein kleines Glas.

Serie: Natürlich nachhaltig

Hier finden Sie alle Folgen der Serie „Natürlich nachhaltig“.

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