Montagsinterview

So wirken sich die Änderungen im betrieblichen Coronaschutz auf die Unternehmen aus

Marko Röhrig ist Chef der IG Metall Remscheid-Solingen. Zu dem Bezirk gehören auch Wermelskirchen, Hückeswagen und Radevormwald. Foto: Roland Keusch
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Marko Röhrig ist Chef der IG Metall Remscheid-Solingen. Zu dem Bezirk gehören auch Wermelskirchen, Hückeswagen und Radevormwald.

Marko Röhrig (IG Metall) über Homeoffice, Spritpreise und Entscheidungen der Politik.

Das Gespräch führte Sven Schlickowey

Herr Röhrig, der betriebliche Coronaschutz ist inzwischen nicht mehr Teil der Coronaschutzverordnung, sondern obliegt im Rahmen der Gefährdungsbeurteilung dem Arbeitgeber. Wie bewerten Sie das?
Marko Röhrig: Ein Großteil der Regelungen bleibt ja einheitlich. Und dass das Thema in die Gefährdungsbeurteilung gehört, war ja eigentlich auch von Beginn an so. Deswegen ändert sich für die Betriebe auch nicht allzu viel, die Verpflichtungen des Arbeitgebers sind ähnlich wie vor der neuen Regelung. Und überall da, wo es Betriebsräte gibt, haben die in Fragen des Arbeits- und Gesundheitsschutzes ein Mitbestimmungsrecht. Bei der Gefährdungsbeurteilung hat der Betriebsrat ja sogar eine Mitbestimmungspflicht, wie das Bundesarbeitsgericht festgestellt hat.
Sehen Sie die Gefahr, dass einige Firmen die Änderung als Chance nutzen, sich den Aufwand und die damit verbundenen Kosten zu sparen?
Röhrig: Die schwarzen Schafe, die das bisher getan haben, werden es wohl auch weiterhin versuchen.
Was raten Sie einem Mitarbeiter, der glaubt, die Maßnahmen in seinem Betrieb reichen nicht aus?
Röhrig: Der hat sicherlich mehrere Möglichkeiten, eine davon ist die zuständige Gewerkschaft, die in solchen Fällen aktiv werden kann. In Betrieben der Metall- und Elektroindustrie und anderen Branchen ist das zum Beispiel die IG Metall, die jederzeit angesprochen werden kann. Wir hören auch Nicht-Mitgliedern zu.
Mit der neuen Regelung ist ja auch die Homeoffice-Pflicht aufgehoben worden. Glauben Sie, dass in den bergischen Büros bald wieder alles beim Alten ist?
Röhrig: Ich glaube, dass sich das Thema Homeoffice etablieren wird. Vielleicht nicht in dem Umfang wie in den Hochphasen der Pandemie, aber vieles davon wird bestehen bleiben. Aber das gab es ja auch vorher schon. Wer zum Beispiel im Kundendienst ist, hat das auch früher schon nicht unbedingt vom Betrieb aus gemacht. Da, wo es sinnvoll ist, wird man es beibehalten. Und das Schöne an der neuen Verordnung ist ja, dass man das spezifisch auf den jeweiligen Betrieb runterbrechen kann.
Viele Betriebsräte werden ja aktuell vermutlich Homeoffice-Vereinbarungen mit den Arbeitgebern verhandeln. Gibt es dazu eigentlich Empfehlungen der Gewerkschaft?
Röhrig: Wir bieten da natürlich unseren Betriebsräten entsprechende Arbeitshilfen an, wir haben auch schon vor der Pandemie Seminare dazu angeboten. Es gibt auch Muster-Betriebsvereinbarungen von uns. Am Ende muss man das aber immer natürlich auf den eigenen Betrieb runterbrechen und sehen, was davon sinnvoll ist. Erfahrungsgemäß funktioniert das da, wo es Betriebsräte gibt, sehr gut.
Viele Ihrer Mitglieder haben ja gar nicht die Chance, ins Homeoffice zu gehen, weil sie zum Beispiel in der Produktion arbeiten. Sehen Sie die Gefahr einer Spaltung, weil sich beispielsweise die Mitarbeiter, die ohnehin schon den körperlich weniger anstrengenden Job haben, jetzt auch noch die Spritkosten sparen können?
Röhrig: Die Spritkosten sind im Moment natürlich für viele Kolleginnen und Kollegen ein heikles Thema, vor allem für die, die lange Strecken pendeln. Aber das Homeoffice ist sicherlich kein Grund zur Spaltung, wir hatten ja, wie schon erwähnt, schon immer Leute, die mobil arbeiten.
Sie haben die hohen Energiekosten angesprochen. Welche Forderungen leiten Sie davon ab?
Röhrig: Wir haben einerseits unsere Tarifrunden bevorstehen, da werden die Energiekosten und die Inflation ganz allgemein eine Rolle spielen. Ich persönlich glaube aber auch, dass Ideen, wie sie in unseren Nachbarländern umgesetzt wurden, wo es eine temporäre Entlastung gibt, richtig sind. Aber das ist eine Entscheidung der Politik.
Stichwort: Politik. Wenn Sie nach zwei Jahren Pandemie zurückblicken, wie fällt Ihre Beurteilung bisher aus?
Röhrig: Wir haben an vielen Stellen angemessene Reaktionen der Politik bekommen. Es gab viel Unterstützung, wenn ich zum Beispiel an die Kurzarbeiterregelung denke. Es ist politisch sehr viel passiert in den letzten zwei Jahren, und da war sehr viel Gutes dabei. Gerade für die Arbeitswelt. Sorgen mache ich mir da eher übers Bildungssystem, das Chaos an den Schulen und in den Kitas bekommt man ja mit.

Zur Person

Marko Röhrig ist Geschäftsführer und 1. Bevollmächtigter der IG Metall Remscheid-Solingen. Der gelernte Technische Zeichner besuchte 1999 die Europäische Akademie der Arbeit in Frankfurt und arbeitet seit 2000 für die Gewerkschaft. Der gebürtige Remscheider ist 48 Jahre alt und lebt in Wermelskirchen.

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