Die große Nachhaltigkeitsserie

Natürlich nachhaltig: In der Wupper leben wieder 32 Arten

Dank Umweltschutzmaßnahmen ist die Wupper wieder ein wichtiger Lebensraum für viele Arten. Foto: Roland Keusch
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Dank Umweltschutzmaßnahmen ist die Wupper wieder ein wichtiger Lebensraum für viele Arten.
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Wie aus einem verschmutzten Gewässer wertvoller Lebensraum wurde.

Von Valeria Schulte-Niermann

Bergisches Land. Nicht nur die landbewohnenden Tier- und Pflanzenarten haben mit dem Einfluss des Menschen auf die Natur zu kämpfen. Auch der Zustand der Gewässer ist nicht gerade optimal. Doch es gibt auch Grund zur Hoffnung: Die Wupper zeigt, dass sich aus einem verschmutzten Gewässer wieder wertvoller Lebensraum entwickeln kann.

Der Zustand in NRW: Lediglich 10,4 Prozent der oberirdischen Fließgewässer in NRW sind in einem sehr guten oder guten ökologischem Zustand. Das geht aus dem Umweltzustandsbericht des Ministeriums für Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz NRW von 2020 hervor. Die übrigen Gewässer seien demnach in einem mäßigem bis schlechtem Zustand. 35 Prozent der Lebewesen im Wasser gelten als ausgestorben oder gefährdet. Zu ihnen zählen Stör, Lachs, Meerneunauge und Aal.

Auch der Zustand des Grundwassers betrifft die aquatische Umwelt – also Organismen, die im Wasser leben, und das sie umgebende Ökosystem. Mikroschadstoffe wie Arzneimittel, Kosmetikprodukte, Pflanzenschutzmittel und Mikroplastik sind schon in geringer Konzentration eine Gefahr für sie. Aber auch die Einfuhr von Nitrat beeinflusst den Wasserzustand.

Aus dem schwarzen Fluss wurde wieder wertvoller Lebensraum

Am Beispiel der Wupper ist gut zu sehen, dass aus einem verschmutzten Gewässer wieder ein wertvoller Lebensraum entstehen kann. Wie der Wupperverband berichtet, war der Fluss im 19. Jahrhundert durch Produktionsabwässer und Müll zu einer regelrechten Kloake verkommen. Der letzte Wupperlachs wurde um 1830 gesichtet. Bis 1980 war der Fluss fischfrei. Dank modernisierter Klärwerke und Vorbehandlung von Produktionsabwässern ist die Gewässergüte heute wieder so gut, dass 32 Fischarten in der Wupper leben. Darunter auch gefährdete Arten wie die Äsche.

Natürlich nachhaltig

Da Wehre ein Hindernis für die Fische sind, gibt es seit 2014 von der Mündung der Wupper bis nach Dahlhausen Umgehungen durch Fischaufstiege. So können Wanderfische wie Lachse und Meerforellen wieder zurückkommen. Momentan baut der Wupperverband einen neuen Fischaufstieg zwischen Kemna und Brambecke, da der alte von 1993 zu verwittert ist.

Doch die Fische benötigen Starthilfe. Im Wanderfischprogramm des Landes NRW werden Brütlinge aufgezogen und anschließend in der Wupper ausgesetzt. Und das hat Erfolg: 2016 wurden in der Wuppertaler Innenstadt zahlreiche Laichgruben von Großsalmoniden gesichtet.

Und auch die Kleine Zangenlibelle wird laut der Biologischen Station Mittlere Wupper wieder regelmäßig gesichtet, nachdem sie jahrzehntelang verschollen war. Auch eine gefährdete Rotalge und eine sehr seltene Wasserflechte haben in der Wupper ein bedeutsames Vorkommen.

Doch nicht nur an der Wupper tut sich etwas. Da der europäische Biber nicht mehr gejagt wird, kehrt er allmählich ins Bergische zurück. Auch wenn er mit seinen Baumfällaktionen nicht überall für Begeisterung sorgt, trägt er stark zur Artenvielfalt bei. Um den Wasserstand hochzuhalten, legt der Biber Dämme an. Dadurch schafft er beruhigte Laich- und Ruheräume für Fische. Außerdem entstehen lichte Offenflächen, von denen unter anderem Heuschrecken profitieren. Durch Umgestaltungsmaßnahmen wie einem 20 Meter breitem Korridor an Gewässern, wurden auch in Leverkusen, an der Dhünn und an der Wuppertalsperre Biberspuren gesichtet.

Tümpel im Freibad und an Kläranlagen

Auch Amphibien sind auf Gewässer angewiesen. Die Zahl der heimischen Molche nimmt in Deutschland jährlich ab, obwohl sie unter Schutz stehen. Um einen Lebensraum für Amphibien zu schaffen, baute der Wupperverband zusammen mit der Stadt Solingen und den Technischen Betrieben 2016 das Schellberger Freibad, das einige Jahre zuvor geschlossen wurde, zurück. Der Gewässerverlauf wurde naturnah gestaltet, ein Tümpel angelegt.

Außerdem möchte der Wupperverband in Kooperation mit Biostationen an Klärwerken die biologische Vielfalt erhöhen. Denn an vielen Klärwerken gebe es naturnahe Gewässer, ruhige Uferzonen und bunte Wiesen. Also Flächen, die immer seltener zu finden sind. Hier könnten Nisthilfen angebracht, Biotope entwickelt, Wildwiesen gepflegt und Fassaden begrünt werden.

Durch Düngeverordnungen und Trockenheit sind nur 59 Grundwasserkörper statt 88 im Jahr 2014 mit Nitrat belastet. Dennoch hat Deutschland ein Nitratproblem, das beim Menschen gesundheitliche Probleme auslösen kann.

Grund ist die Verschlechterung der Wasserqualität vieler Kleingewässer durch Müll, Dünger und Umweltgifte sowie die komplette Zerstörung und Trockenlegung. Das teilt die NABU-Naturschutzstation Leverkusen-Köln mit. Besonders im Frühjahr, während der Wanderungszeit, sind die Amphibien großen Gefahren ausgesetzt. Helfen können Amphibienzäune und -leitanlagen. In Solingen werden aktuell an 14 Orten die Amphibien betreut.

Die Serie „Natürlich nachhaltig“

Serie: In unserer Serie „Natürlich nachhaltig“ beschäftigen sich die drei jungen Journalistinnen Katharina Birkenbeul, Alexandra Dulinski und Valeria Schulte-Niermann mit den Themen Nachhaltigkeit und Umweltschutz in den drei Themenbereichen Ernährung, Konsum und Mobilität in Remscheid.

Alle bisher erschienen Folgen der Reihe finden Sie hier.

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