Erwartungen an Nachfolger sind hoch

S 7: Keine Vorschusslorbeeren für Vias

Die Züge der S 7 gehören dem Verkehrsverbund Rhein-Ruhr. Der neue Betreiber Vias Rail wird sie von Abellio übernehmen. Foto: Christian Beier
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Die Züge der S 7 gehören dem Verkehrsverbund Rhein-Ruhr. Der neue Betreiber Vias Rail wird sie von Abellio übernehmen.

Das Ende des Bahnunternehmens Abellio im Bergischen ist besiegelt.

Von Andreas Tews und Sven Schlickowey

Bergisches Land. Die Vertreter der bergischen Großstädte hoffen bei der S-Bahn-Linie 7 (S 7) auf einen möglichst reibungslosen Übergang von Abellio zum neuen Betreiber Vias Rail. Am Anfang könne es zwar ruckeln, befürchten Solingens Stadtdirektor Hartmut Hoferichter (parteilos) und der Vorsitzende des Remscheider Mobilitätsausschusses, David Schichel (Grüne). Sie hoffen aber darauf, dass Vias ab Februar 2022 fahrplanmäßig fahren wird. Vorschusslorbeeren, wie vor acht Jahren für Abellio, wird es laut Schichel aber nicht geben.

Wechsel: Abellio war in finanzielle Schwierigkeiten geraten. Im Streit um mehr Geld für die erbrachten Leistungen überwarf sich das Hagener Unternehmen mit den Verkehrsverbünden in NRW, darunter der Verkehrsverbund Rhein-Ruhr (VRR). Die zogen jetzt die Notbremse und entzogen Abellio zum 31. Januar 2022 sämtliche regionale Bahnlinien in Nordrhein-Westfalen. In einem Schnellverfahren wurden diese neu vergeben, die S 7 bis Dezember 2023 an das Dürener Unternehmen Vias Rail.

Direktzug: Eine Neuerung soll trotz des kurzfristigen Betreiberwechsels in einem Jahr kommen: An den Planungen ab Dezember 2022 bis 2028 eine Direktverbindung von Remscheid über Solingen nach Düsseldorf einzurichten, ändere sich nichts, versicherte VRR-Sprecher Dino Niemann, auf Anfrage dieser Zeitung. Dabei geht es zunächst um einen Direktzug pro Stunde. Außerdem strebe der VRR ab 2028 eine Umstellung der S 7 auf einen elektrischen Betrieb an. „Für die Direktverbindung haben wir jahrelang gekämpft“, erklärt Remscheid Oberbürgermeister Burkhard Mast-Weisz (SPD). Erfreut zeigt er sich darüber, dass der VRR die bergischen Interessen nicht aus den Augen verliere.

Übergang: Kurzfristig ist aus seiner und Hoferichters Sicht wichtig, dass die S 7 ab Februar übergangslos zwischen Solingen, Remscheid und Wuppertal weiterfahre. „Das ist für den Standort wichtig“, erklärt Mast-Weisz. Damit das „Ruckeln“ beim Übergang möglichst gering ausfällt, hofft Hoferichter darauf, dass möglichst viele Abellio-Mitarbeiter zu Vias Rail wechseln. Dieses Ziel verfolgt auch Björn Zimmermann, Geschäftsleiter Finanzen bei Vias Rail. Bisher sei aber noch nicht sicher, wie viele der 70 S-7-Mitarbeiter von Abellio zu Vias wechseln würden. Davon hänge ab, wie gut der Übergang gelingen werde. „Wir bieten allen eine berufliche Heimat an“, versichert er.

Betriebsstandort: Fest steht laut Zimmermann, dass sein Unternehmen auch die Instandhaltung der Züge – diese gehören dem VRR – übernehmen werde. Dazu will er neben dem Servicecenter am Remscheider Hauptbahnhof auch den dortigen Betriebsstandort übernehmen. Ob dies gelingen werde, sei aber im Zuge des Abellio-Insolvenzverfahrens noch nicht sicher.

Verlässlichkeit: Vias sei kein unbekannter Betreiber und seit 2005 im Geschäft, zeigt sich Hoferichter optimistisch. Auch Leon Kröck (Grüne), Solinger Vertreter beim VRR, hofft auf ein verlässliches S-Bahn-Angebot. Die S 7 dürfe keine „Chaos-Linie“ werden. Auf seinen bisherigen Linien in NRW ist Vias mit unterschiedlichen Pünktlichkeitswerten unterwegs (| Kasten) Ob Vias den „Müngstener“ reibungsloser betreibe als Abellio, könne noch niemand sagen, sagt Schichel. Die S 7 sei „technisch anspruchsvoll“, unter anderem wegen der Topographie und weil die Strecke nicht elektrisiert sei. Kröck hofft hier, dass die S 7 möglichst noch vor 2028 mit elektrisch angetriebenen Triebwagen fahren wird.

Vias-Qualität

Pünktlichkeit: Im Qualitätsbericht 2020 des Verkehrsverbunds Rhein Ruhr (VRR) schneiden die beiden Linien von Vias Rail unterschiedlich ab. Während 95 Prozent der Züge der Regionalbahn (RB) 39 (Düsseldorf-Bedburg) mit höchstens sechs Minuten Verspätung ankamen, waren es bei der RB 34 (Mönchengladbach-Dalheim) nur 86 Prozent. Bei der S 7 von Abellio lag dieser Wert bei 92 Prozent.

Ausfälle: Mit der Quote von 1,1 Prozent bei den Zugausfällen belegte die RB 34 Platz 2 unter den 51 Linien im VRR. Die RB 39 landete bei 1,95 Prozent, Abellios S 7 bei 3 Prozent.

Standpunkt

Kommentar von Andreas Tews

andreas.tews@ solinger-tageblatt.de

Für die vielen Pendler, die auf die S-Bahn 7 angewiesen sind, ist es zunächst einmal eine gute Nachricht, dass die Züge nach dem Ausscheiden Abellios übergangslos weiterfahren sollen. Dies sieht zumindest die Theorie vor. Nach Ansicht des Verkehrsverbunds Rhein-Ruhr (VRR) ist der neue Betreiber Vias Rail zwar ein „erfahrenes Unternehmen“. Mit der Übernahme der S 7 und des Niederrheinnetzes, unter anderem mit dem Regionalexpress 19, wächst es aber um 200 Mitarbeiter, wird mit einem Schlag also doppelt so groß wie bisher. Dies ist für Vias eine Herkulesaufgabe. Ein weiteres Risiko ist laut Vias, dass der Übergang nur dann weitgehend störungsfrei gelingen wird, wenn viele der bisherigen Abellio-Mitarbeiter zum neuen Betreiber wechseln. Doch Lokführer und andere Facharbeiter im Bahnsektor sind nicht nur bei Vias begehrt. Wandern sie ab, drohen Zugausfälle. Doch angesichts dieser kurzfristigen Probleme darf der VRR auch die langfristige Entwicklung der S 7 nicht aus den Augen verlieren. Bei den geplanten Direktzügen nach Düsseldorf und der Elektrifizierung darf es kein Zurückrudern geben.

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