Energie, Diesel und Benzin

Steigende Benzin-Kosten: Berechnen Handwerker bald die Anfahrt?

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Die Kosten für das Heizen, das Tanken und den Strom sind in den letzten Wochen merklich gestiegen. Was alle merken, belastet Einkommensschwache besonders stark. Und auch die Wirtschaft leidet darunter.

Hohe Energiekosten belasten die bergische Wirtschaft und einkommensschwache Familien.

Von Manuel Böhnke und Sven Schlickowey

Remscheid. Der Dieselpreis in Deutschland hat ein Rekordhoch erreicht. Auch die Kosten für Benzin und Energie kennen derzeit nur eine Richtung: nach oben. Die Entwicklung wirkt sich negativ auf die Stimmung der bergischen Wirtschaft aus, Wohlfahrtsverbände beobachten sie mit Sorge.

„Vor allem die Taxi- und Busbranche, Transportunternehmen, mobile Pflegedienste, das Baugewerbe, aber auch Handelsvertreter leiden unter den hohen Spritpreisen“, erklärt die Bergische Industrie- und Handelskammer (IHK). Bei ihrer Konjunkturfrage im September gaben 80 Prozent der Verkehrsunternehmen an, mit den steigenden Energie- und Kraftstoffpreisen zu kämpfen. Seitdem habe sich die Lage verschärft.

Eine stichprobenartige Erhebung zeigt: Der Sprit ist im Bergischen im Vergleich eher teuer.

Während die Kosten steigen, bleiben die Erträge häufig konstant. „Langfristig ist aber damit zu rechnen, dass auch die Preise für die Endverbraucher steigen“, erklärt die Kammer. Eine Entwicklung, die Detlef Weißenfeld nicht ausschließen will. Der Remscheider Kreishandwerksmeister sieht gerade das Baugewerbe mit enormen Mehrkosten durch höhere Spritpreise konfrontiert: „Wir müssen die Baustellen ja täglich beliefern.“

Bergische IHK fordert grundsätzliche Reform der Steuern und Abgaben

Noch würden die meisten Betriebe versuchen, diese Mehrkosten abzufangen – auf Kosten ihrer eigenen Gewinne. „Die Angebote sind ja meist schon länger raus“, sagt Weißenfeld. Dass der Angebotspreis nachträglich steige, verstehe kaum ein Kunde. Doch mittel- bis langfristig müsse eine Lösung her, ist der Malermeister überzeugt – und berichtet, dass einige Handwerker über die Einführung von Anfahrtskosten nachdenken, wie man sie bisher vor allem von Installateuren und vom Kundendienst kennt. „Aber damit muss man natürlich auch vorsichtig sein.“

Die Entwicklung trifft das Handwerk wie die gesamte Wirtschaft in einer Phase, in der ohnehin viele Rohstoffe und andere Vorprodukte nur unzureichend verfügbar sind. Diesen Mangel macht die IHK als „das größte Konjunkturrisiko“ aus: „Die Lieferengpässe dämpfen bereits jetzt den Aufschwung.“ Die gestiegenen Preise für Kraftstoffe, Energie und andere Vorprodukte seien nun eine zusätzliche Belastung. Die Erhöhungen seien nicht in vollem Umfang an die Kunden weiterzugeben, was sich auf die Gewinne auswirke. Gleichzeitig schmälern die gestiegenen Preise das Budget der Verbraucher – die Kaufkraft sinkt.

Angesichts der aktuellen Situation spricht sich die IHK „für eine grundsätzliche Reform der Steuern und Abgaben im Strom- und Energiebereich“ aus. Die seit Anfang des Jahres geltende CO2-Bepreisung sei wegen des Klimawandels richtig. Doch müsse „die internationale Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Wirtschaft“ gewahrt werden. Deshalb fordert die Kammer eine schnelle Absenkung von EEG-Umlage und Stromsteuer.

Auch eine reduzierte Mineralölsteuer könnte angebracht sein, sollten die Benzinpreise weiter steigen wie bisher. „Wichtig ist auf jeden Fall, dass die Politik bei den künftigen Erhöhungen der CO2-Abgabe die Preise für Kraftstoffe im Auge behält.“

Einkommensschwache Menschen können sich Energiepreise weniger gut leisten

Eine besondere Herausforderung sind die Preissteigerungen nicht nur für die Wirtschaft, sondern auch für Menschen, die ihre Ausgaben ohnehin genau im Blick behalten müssen. So erinnerte die Präsidentin des Sozialverbands VdK, Verena Bentele, daran, dass sich schon 2019 rund zwei Millionen Menschen in Deutschland nicht mehr leisten konnten, ihre Wohnung zu heizen – und forderte einen Ausgleich, zum Beispiel, indem das Wohngeld an die tatsächlichen Energiepreise angepasst wird.

Und der Deutsche Caritasverband erwartet zum Jahreswechsel eine deutlich höhere Nachfrage bei den Schuldnerberatungen. Wenn bei einkommensschwachen Familien die Jahresabrechnungen der Energieversorger mit hohen Nachzahlungen ins Haus flattern.

Hintergrund

3,9 Prozent im August und 4,1 Prozent im September betrug die offizielle Inflationsrate, die das Statistische Bundesamt errechnet hat. Rechnet man die Energiekosten heraus, fallen diese Werte auf 3,0 und 3,1 Prozent. Derweil gibt das Bundesamt die Teuerungsrate für Energie mit 12,6 Prozent im August und 14,3 Prozent im September an. Dabei stiegen die Kosten für die sogenannte Haushaltsenergie „nur“ um 5,9 und 7,5 Prozent, die für Heizöl und Kraftstoffe hingegen um 30,9 und 34,8 Prozent.

Verkehrsausschuss der Bergischen IHK diskutierte über E-Fuels.

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