NRW-Check

Umfrage im Bergischen: Atomkraft und Kohle sollen bleiben

Mit Sorge blicken die Menschen im Bergischen auf die steigenden Energiepreise. 
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Mit Sorge blicken die Menschen im Bergischen auf die steigenden Energiepreise. 
  • Axel Richter
    VonAxel Richter
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Im Auftrag von 39 Zeitungshäusern fragte Forsa die Bürgerinnen und Bürger erneut nach ihrer Meinung.

Bergisches Land. Der Krieg in der Ukraine überlagert jedes Thema. Auch die Meinungsbildung vor der Landtagswahl am 15. Mai. Mit Sorge blicken die Menschen im Bergischen auf den Kriegsverlauf und die steigenden Energiepreise. Kernkraft und Kohle werden deshalb wieder gesellschaftsfähig. Mit der Corona-Politik ist die Mehrheit der Wahlberechtigten unzufrieden. Ebenso mit der Wohnungs- und Verkehrspolitik im Land. Dennoch will eine Mehrheit Hendrik Wüst (CDU) als Ministerpräsident behalten. Das zeigt der zweite NRW-Check, eine repräsentative Umfrage von 39 nordrhein-westfälischen Tageszeitungen mit dem Remscheider General-Anzeiger und dem Solinger Tageblatt.

So sehen die Befragten den Kriegsverlauf und die steigenden Energiepreise.

Das sind die wichtigsten Ergebnisse der Erhebung unter 177 Bürgerinnen und Bürgern, die auf die Gesamtheit der Wahlberechtigten in Remscheid, Solingen, Wermelskirchen, Radevormwald, Hückeswagen und die anderen Städte im Bergischen Land übertragen werden können:

Atom- und Kohlekraftwerke sind im Bergischen wieder gesellschaftsfähig

Nach dem ersten Schock an der Zapfsäule haben sich die Preise für Benzin zwar stabilisiert. Sie bleiben aber hoch. Im NRW-Check erwarten 59 Prozent, die die Energiepreise den eigenen Haushalt weiter stark belasten. Nur 4 Prozent gehen davon aus, dass sie die steigenden Kosten nicht zu spüren bekommen. Aus Sorge vor einer weiteren Verteuerung ist im Bergischen Land deshalb eine Mehrheit gegen einen Boykott von russischem Gas. 53 Prozent der Befragten sprechen sich gegen einen Verzicht aus, 40 Prozent sind dafür. Zugleich steigt die Zahl derer, die die Regierenden auffordern, die für dieses Jahr geplante Abschaltung der Atomkraftwerke zu überdenken. 75 Prozent der Befragten sind dafür, die Meiler am Netz zu behalten. 20 Prozent fordern weiterhin ihre Abschaltung. Neue Akzeptanz erfährt auch die Kohleverstromung. 53 Prozent wollen den für 2030 geplanten Ausstieg aus der Kohle verschieben. 41 Prozent sind weiterhin dafür.

Flüchtlinge aus der Ukraine sind im Bergischen weiter willkommen

100 000 Flüchtlinge aus der Ukraine leben inzwischen in NRW, 750 davon in Remscheid. Die meisten von ihnen bei Verwandten, nur wenige in Sammelunterkünften. Die Stadt wird allerdings ehemalige Heime wieder herrichten, zum Beispiel das am Talsperrenweg in Lennep. Den Bergischen sind die Kriegsflüchtlinge weiter willkommen. Die Zahl der Flüchtlinge ist zu bewältigen, sagen 65 Prozent der Befragten. 30 Prozent sehen NRW damit überfordert.

Unzufriedenheit mit der Corona-Politik hält im Bergischen an

Ist es richtig, dass es in Deutschland keine allgemeine Impflicht geben wird? Im Bergischen gibt es dazu kein eindeutiges Meinungsbild. 51 Prozent der Befragten sind für die Impfpflicht, 47 Prozent dagegen. Gleich verteilt sind die Meinungen zur Aufhebung der meisten Corona-Maßnahmen zum 20. März. 50 Prozent kommen sie zu früh, 49 Prozent finden die Lockerungen richtig. Einig sind sich die Menschen aber, was das Ende der Pandemie angeht. 76 Prozent der Befragten gehen davon aus, dass es zu weiteren Corona-Wellen kommen wird. Dass die Pandemie im Sommer beendet ist, glauben nur 16 Prozent.

Den Bergischen fehlen bezahlbaren Wohnungen

Annähernd 4000 Wohnungen in Remscheid stehen leer. Die Ampel-Mehrheit im Rathaus will flächendeckend modernen Wohnraum entstehen lassen. Dabei sollen Baulücken geschlossen und die Leerstände zeitgemäß umgestaltet werden. 2032 soll das Ziel erreicht sein. Zu spät für viele Menschen, die heute nach adäquaten Angeboten suchen. Doch das gilt nicht nur für Remscheid. 58 Prozent der Befragten im Bergischen zeigen sich mit den Angebot an bezahlbarem Wohnraum wenig bis gar nicht zufrieden. 61 Prozent sind davon überzeugt, dass sich die Wohnsituation in ihrer Stadt eher verschlechtert hat. Nur 2 Prozent sehen eine Verbesserung.

Der Verkehrspolitik geben die Bergischen schlechte Noten

Mehr Platz für Fahrradfahrer und Fußgänger. Diese Forderung dürfte am Ende einer Verkehrsuntersuchung stehen, die gerade für die Remscheider Innenstadt vorgenommen wird. Denn: Fußgänger und Radfahrer seien auf dem Stadtkegel ihres Lebens nicht sicher. Zugleich müssen in NRW Autobahnbrücken gesperrt werden, weil die Pflege in den zurückliegenden Jahren vernachlässigt wurde. 74 Prozent der Befragten im Bergischen zeigen sich deshalb unzufrieden mit der Verkehrspolitik der Landesregierung, nur 15 Prozent zeigen sich zufrieden. Schlechte Noten gibt es auch für den Öffentlichen Personennahverkehr: 56 Prozent sind der Meinung, das Angebot sei unzureichend. 36 Prozent finden es ausreichend. Dass die CDU die Verkehrsprobleme lösen kann, glauben 16 Prozent. 12 Prozent vertrauen auf die SPD, 17 Prozent den Grünen. Auf die FDP setzen 6 Prozent. 44 Prozent trauen keiner Partei eine Lösung der Verkehrsprobleme zu.
So fahrradfreundlich ist Remscheid

Die Digitalisierung geht den Bergischen nicht schnell genug vorn

Kabelrollen, Bagger, Laster und Erdaushub: In Remscheid läuft der Breitbandausbau. 248 Kilometer Leerrohre und 938 Kilometer Glasfaserkabel werden verlegt. Im August soll alles fertig sein. 52 Prozent der Befragten im Bergischen Land sehen NRW bei der Digitalisierung ähnlich gut oder schlecht aufgestellt wie andere Bundesländer. 37 Prozent sehen NRW schlechter aufgestellt, 5 Prozent besser.

Die schwarz-gelbe Landesregierung verliert im Bergischen leicht an Boden

Im März zeigten sich 45 Prozent der Befragten im Bergischen zufrieden mit der Arbeit von Ministerpräsident Hendrik Wüst. 38 Prozent äußerten sich unzufrieden. Aktuell stehen 42 Prozent Zufriedene 47 Prozent Unzufriedenen gegenüber. Auch die Landesregierung bekommt schlechtere Werte. Nach 48 Prozent im März zeigen sich heute noch 41 Prozent mit Schwarz-Gelb zufrieden. Unzufrieden zeigen sich 54 Prozent.

Die Mehrheit der Bergischen würde dennoch Hendrik Wüst wählen

Wenn die Menschen im Bergischen Land den NRW-Ministerpräsidenten selbst wählen könnten, käme Amtsinhaber Hendrik Wüst aktuell auf 37 Prozent. Das ist ein Prozentpunkt mehr als im März. Auch sein Herausforderer von der SPD kann um einen Prozentpunkt zulegen. Thomas Kutschaty käme im Bergischen aktuell auf 22 Prozent. Die große Mehrheit, 41 Prozent, will jedoch weder den einen noch den anderen als Ministerpräsident.
Alles zur Landtagswahl 2022

Die große Mehrheit im Bergischen glaubt nach wie vor die meisten nicht, dass die Parteien die Probleme im Land lösen können

51 Prozent der Befragten trauen es keiner Partei zu, mit den drängendsten Problemen in NRW fertig zu werden. Das sind ebenso viele wie im März. 19 Prozent setzen auf die CDU, 12 Prozent auf die SPD. Einen Zugewinn im Vergleich zum März können nur die Grünen verbuchen: 10 Prozent vertrauen auf sie als Problemlöser, nach 6 Prozent im März. Die FDP liegt nahezu unverändert bei 4 Prozent.  

NRW-Check

NRW-Check: Der NRW-Check ist eine gemeinsame Aktion von 39 Tageszeitungen in Nordrhein-Westfalen. In ihrem Auftrag befragte das Meinungsforschungsinstitut Forsa im Vorfeld der NRW-Landtagswahl am 15. Mai die Bürgerinnen und Bürger in vier Wellen zu den wichtigsten Themen im Land und in den Regionen. Die jetzt vorliegende Befragung ist die letzte von vier Erhebungen, die seit Dezember vergangenen Jahres durchgeführt wurden.
Die anderen Erhebungen:
Bergische fordern Härte gegenüber Putin
Kampf gegen Corona verliert an Akzeptanz
Querdenker sind laut, aber in der Minderheit

Umfrage: In der vierten Welle befragte Forsa vom 19. bis zum 26. April insgesamt 2006 Wahlberechtigte in NRW, die nach einem systematischen Zufallsprinzip ausgewählt wurden. Im Bergischen Land wurden 177 Wahlberechtigte Teil der vierten Befragungswelle. Die Ergebnisse können laut Forsa unter Berücksichtigung von Fehlertoleranzen von plus/minus 2,2 Prozentpunkte auf die Gesamtheit der wahlberechtigten Bevölkerung in Nordrhein-Westfalen übertragen werden.

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