Akademie Küppelstein

Bergisches Gitarrenfestival: Gewaltiger Applaus zum Auftakt

Michael Borner und Celia Haubold entzogen sich jeder Genre-Einordnung mit ihrem Konzert. Dennoch erreichten sie die Konzertbesucher mit überbordender Musikalität.
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Michael Borner und Celia Haubold entzogen sich jeder Genre-Einordnung mit ihrem Konzert. Dennoch erreichten sie die Konzertbesucher mit überbordender Musikalität.

Internationale Gitarristen geben diese Woche Unterricht und Konzerte in der Akademie Küppelstein.

Von Peter Klohs

Die Tradition ist unangetastet geblieben, was sich in mehrfacher Hinsicht als gute Entscheidung herausstellte: Zum Auftakt des Internationalen Gitarrenfestival in der Akademie der kulturellen Bildung spielten die Dozenten das erste Konzert. Die Liebhaber von Gitarrenmusik jeglicher Couleur fühlen sich gestärkt durch Fixpunkte, die sich in der Vergangenheit bewährt haben. Und der sehr gut besuchte Aufführungssaal der Akademie bewies dies zusätzlich. Knapp einhundert Konzertgäste sorgten für eine stimmungsvolle Atmosphäre für den Gitarristen Michael Borner und seinen Gast, die Sängerin Celina Haubold.

Nach zwei Jahren pandemiebedingter Pause konnte die Woche voller Gitarrenmusik in Küppelstein wieder angeboten werden. Professor Alfred Eickholt versprach in seiner Begrüßung einen intensiven Mix aus verschiedensten Musikstilen – und er sollte Recht behalten. In einer guten Stunde erklangen neun Stücke zwischen Popmusik, jazznaher neuerer Klassik, Chanson, Musical – und einem strahlenden Leuchtfeuer einer kanadischen Musikerin.

Die Genres vermischen sich, später wird improvisiert

Michael Borner begann auf der akustischen Gitarre mit einem selbst komponierten Stück: „No response“, ein sensibles Tongemälde mit dem ECM-Gitarristen Ralph Towner als stets präsentem Einfluss, ein uneitles, ruhiges und abgeklärtes Werk, das mit nicht sofort zu erkennenden technischen Schwierigkeiten gespickt ist. Der Einstieg von Celina Haubold ging mit südamerikanischer Musik einher: Luiz Bonfás Kleinod „Manha de Carnaval“ erklang, der helle und kraftvolle Sopran Haubolds strahlte, Borner sampelte live seine begleitenden Töne und spielte dazu ein Solo, das Pat Metheny, wäre er an diesem Abend in der Akademie zu Gast gewesen, ein anerkennendes Nicken entlockt hätte.

Danach hörten sie Konzertbesucher „She used to be mine“, eine süffige Halbballade der amerikanischen Sängerin Sara Bareilles, in der „Küppelstein-Version“ zusätzlich durch das reduzierte Begleiten von Borner geadelt. Manchmal ist weniger so viel mehr. Nach einem Pop-Song (Ben Platt) und einer weiteren Musical-Einlage mit abenteuerlichen Tonsprüngen der Sängerin spielte Borner ein kürzeres von südamerikanischer Musik geprägtes Stück, in dem er erneut ein erzählerisch reiches Solo kreierte.

Und dann nahte mit dem siebten Stück des Konzertes das erwähnte strahlende Leuchtfeuer: „Both sides now“ der kanadischen Musikerin Joni Mitchell, die bald ihren 80sten Geburtstag feiert. Die Komposition Mitchells entzieht sich jeder Genre-Einordnung, sind doch Einflüsse von Jazz, hochambitioniertem Pop und Weltmusik zu vernehmen, alles zu einer seltenen Perle vermischt. Borner spielte Sphärenklänge auf seiner elektrischen Gitarre, Haubolds Stimme wies plötzlich Schatten auf, klang rau und zerbrechlich, die fragile Komposition erwies sich ebenfalls als süffig, doch im Gegensatz zum Bareilles-Stück zu Anfang des Konzertes, das vielleicht einem recht guten Rotwein glich, entpuppte sich „Both sides now“ als 15 Jahre alter Single Malt Scotch Whisky, tief, intensiv und einzigartig.

Diese Version des Borner -Haubold-Duos ließ nichts vermissen: Die nötige Sensibilität, eine eigene Handschrift und überbordende Musikalität. Wenn die Sinne der Konzertbesucher weit über die Ohren hinausgehen, haben die Musiker alles richtig gemacht. Selbst die Pause vor dem finalen Ton setzte das Duo perfekt. Gewaltig war der Applaus nach diesem letzten Stück.

Als Zugabe sang Celina Haubold ein altes Lieblingsstück von ihr: „Nobody’s perfect“ der Musikerin Jessie James. Und da das Publikum immer noch nicht genug, das Duo aber keine weitere Zugabe parat hatte, improvisierten die beiden über ein von Haubold komponiertes Kinderlied.

Guitar Night

Der musikalische Höhepunkt des Internationalen Gitarrenfestivals wird Freitagabend stattfinden: In der International Guitar Night steht die aus China stammende Liying Zhu auf der Bühne. Ihr folgt das Duo GolzDanilov. Der Abend wird von der Philipp Humburg Band komplettiert, die treibende und groovende Fusion spielt. Beginn: 20 Uhr. Mehr Infos:

bergisches-gitarrenfestival.de

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