Mein Leben als Papa

Beim Spieleabend geht es nicht (nur) ums Gewinnen und Verlieren

Hannes gegen Mama: Bei Uno ein Duell auf Augenhöhe. Foto: gf
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Hannes gegen Mama: Bei Uno ein Duell auf Augenhöhe.
  • Gunnar Freudenberg
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RGA-Redakteur Gunnar Freudenberg erzählt vom Alltag mit seinen Söhnen Hannes (5) und Michel (2).

Zu Spieleabenden habe ich ein gespaltenes Verhältnis. Mit den richtigen Freunden und Spielen, die ich sofort verstehe, gab es in einer Zeit vor Hannes und Michel den einen oder anderen lustigen Abend. Ohne diese Voraussetzungen habe ich aber auch gerne mal den Spielverderber gegeben und ward nie wieder eingeladen. Seit einigen Wochen habe ich keine andere Wahl mehr: Hannes möchte abends spielen! Und Michel möchte sowieso immer das machen, was Hannes will. Ich muss gestehen: Mir macht dieser gesellige Ausklang des Tages zu zweit, zu dritt oder sogar zu viert Spaß. Weil Hannes und Michel mittlerweile schon komplexere Spiele im Repertoire haben und über die Phase des Gar-nicht-verlieren-Könnens hinaus sind. Bis vor kurzem noch galt jedes „Mensch ärgere dich nicht“ erst dann als zu Ende gespielt, wenn ein Kind das Brett umschmiss und schrie: „Ich spiel nicht mehr mit.“

Gunnar Freudenberg

Das ist jetzt nicht mehr so. Schon gar nicht bei Obstgarten. Da kämpfen wir nämlich alle zusammen gegen den bösen Raben und müssen vor ihm die Äpfel, Birnen, Kirschen und Pflaumen von den Bäumen pflücken bzw. würfeln. Obstgarten ist gerade Michels absolutes Lieblingsspiel. Dass die Nachbarn mögen, wenn wir es spielen, kann ich mir allerdings nicht vorstellen. Denn Michel stößt spitze Schreie aus, wenn der Rabe auf dem Würfel zu sehen ist.

Worüber ich mich besonders freue, ist, dass ich Hannes für Fußball-Quartett begeistern konnte. Auch wenn unsere Bundesliga-Edition nicht mehr ganz aktuell ist und Hannes schon auswendig weiß, wie viele Bundesliga-Spiele Marco Reus absolviert und wie viele Tore Claudio Pizarro geschossen hat, spielen wir es abends gerne vor dem Schlafengehen. Bis ich irgendwann nicht mehr kann und mit der Philipp-Lahm-Karte auf der Hand freiwillig sage „Größe: 1,70 Meter“, um die Karte und später das ganze Spiel zu verlieren.

Schwarzer Peter dauert zum Glück nie ganz so lange. Auch hier kann ich noch steuern, ob ich das Spiel gewinne oder verliere. Denn ich sehe Hannes einfach immer an, wenn er mir die Karte mit dem Schwarzen Peter andrehen will. Und umgekehrt kann ich sie ihm mit ein paar Tricks ganz einfach unterjubeln. Pokern wäre definitiv noch nichts für Hannes.

Dafür beherrscht er Uno schon perfekt. Nach fünf Niederlagen in Folge gegen ihn, ohne dass er geschummelt oder ich ihn mit Absicht hätte gewinnen lassen, musste ich mir eingestehen: „Da kann mein fünf Jahre alter Sohn also schon etwas genauso gut wie ich.“ Getoppt wurde das sogar noch ein paar Tage später, als ich das erste Mal nach mehr als 20 Jahren wieder auf Inlineskates stand und ich feststellte: „Das kann mein Sohn viel besser als ich.“ Aber das ist eine andere Geschichte.

Es geht im Leben ja nicht ums Gewinnen oder Verlieren, sondern vor allem darum, mit Sieg und Niederlagen gut umgehen zu können. Meine Aufgabe als Papa ist es, für Hannes und Michel Vorbild und Rollenmodell zu sein. Heute können sie wieder zusehen und lernen, wie gelassen ich reagiere, wenn meine Bremer bei Bayern gewinnen sollten. Oder verlieren. . .

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