Corona-Krise

Beim Ordnungsamt steht das Telefon nicht mehr still

Der Kommunale Ordnungsdienst verstärkt seine Präsenz. Verstöße gegen Corona-Regeln sollen konsequent geahndet werden. Foto: Roland Keusch
+
Der Kommunale Ordnungsdienst verstärkt seine Präsenz. Verstöße gegen Corona-Regeln sollen konsequent geahndet werden.

Krisenstabsleiter ärgert sich über „Stigmatisierung“ Remscheids.

Von Manuel Böhnke

Remscheid. Ein wenig fühlen sich Jürgen Beckmann und Daniel Pfordt in den März zurückversetzt. Denn seit die Stadt am Donnerstag eine Allgemeinverfügung als Reaktion auf die steigenden Corona-Fallzahlen erlassen hat, steht das Telefon beim Ordnungsamtschef, dem Leiter des Kommunalen Ordnungsdienstes (KOD) und ihren Kollegen nicht mehr still. Von knapp 100 Anrufen in einer Stunde berichtet Pfordt. Hinzu kommen zahlreiche Anfragen per E-Mail. Viele Remscheider möchten wissen, ob ihre geplanten Feiern und Veranstaltungen stattfinden können.

„Jetzt weiß ich, wie sich die Menschen im Kreis Gütersloh gefühlt haben.“

Thomas Neuhaus, Leiter des Krisenstabs

Dabei ging es Beckmann zufolge am Donnerstag vor allem um private Feste am Wochenende. Laut der städtischen Allgemeinverfügung muss der Veranstalter Feiern bei der Behörde anzeigen, sobald er mehr als 25 Gäste zu einem „herausragenden Anlass“ außerhalb einer Privatwohnung erwartet – etwa in Gaststätten, Vereins- oder Gartenheimen. Das muss drei Werktage vor der Veranstaltung geschehen. „Wenn sich jemand schon gestern gemeldet hat oder heute noch frühzeitig auf uns zukommt, bekommen wir das aber noch vor dem Wochenende hin“, beruhigte Beckmann am Donnerstag.

Wer mehr als 50 Gäste erwartet, muss sich die Veranstaltung genehmigen lassen und ein Hygienekonzept einreichen. Dabei kann man durchaus auf bestehenden Konzepten aufbauen, erklärt der Ordnungsamtsleiter. Ansonsten gelten gängige Vorschriften, etwa zu Hygiene und Lüften. „Das ist auch für Privatpersonen machbar. Man muss sich nur Gedanken machen und in die Verordnungen gucken“, sagt Beckmann.

Am wichtigsten sei die Rückverfolgbarkeit der Anwesenden. Damit das gelinge, sei es unbedingt notwendig, alle Kontaktdaten korrekt zu erfassen. Dabei ist es in der Vergangenheit immer wieder zu kleineren Problemen gekommen. Beckmann nennt den Fall eines Sportvereins. Dort gab es einen Infizierten, in den Listen der Kontaktpersonen waren aber zum Teil falsche oder unvollständige Angaben zu finden.

Solche Vorfälle möchte die Ordnungsbehörde konsequent ahnden. Gleiches gilt für Verstöße gegen die Maskenpflicht. Beckmann erinnert zudem daran, dass die angeordnete häusliche Quarantäne ernstgenommen werden muss. „Wir hoffen schließlich alle, dass die Zahlen schnell wieder zurückgehen.“

Auch in der Sitzung des Stadtrates war die aktuelle Corona-Situation eines der bestimmenden Themen. Krisenstabsleiter und Sozialdezernent Thomas Neuhaus erklärte, er rechne erst in 14 Tagen mit einer Verbesserung der Fallzahlen. FDP-Ratsherr Wolf Lüttinger befürchtet deshalb, dass es mit Blick auf die am 12. Oktober beginnenden Herbstferien bei einigen Remscheidern zu Enttäuschungen kommen könnte. Denn als Bewohner eines Risikogebiets müssen sie mit Einschränkungen rechnen, wenn sie in andere Bundesländer reisen und dort übernachten wollen.

Neuhaus äußerte Unmut über diese „ungerechte Stigmatisierung“: „Jetzt weiß ich, wie sich die Menschen im Kreis Gütersloh gefühlt haben.“ Die Sieben-Tage-Inzidenz habe den kritischen Wert von 50 zwar überschritten, das sei jedoch kein Grund, die Remscheider „wie Aussätzige“ zu behandeln. Wohin das führen kann, hat der CDU-Fraktionsvorsitzende Jens Nettekoven bei einem Aufenthalt in Frankfurt erlebt. Dort habe ihn das Hotelpersonal gebeten, seinen Wagen mit Remscheider Kennzeichen nicht vor dem Gebäude, sondern besser in der Tiefgarage abzustellen.

In unserem Live-Blog finden Sie aktuelle Informationen zu Entwicklungen rund um das Coronavirus in Remscheid.

Kommunaler Ordnungsdienst

An sieben Tagen pro Woche ist der Kommunale Ordnungsdienst (KOD) wieder auf Streife. Um das Pensum stemmen zu können, wird das Ordnungsamt erneut von Kollegen aus anderen Teilen der Verwaltung unterstützt. Laut Daniel Pfordt macht sich die ausgebaute Präsenz des KOD bereits bemerkbar: „Ich habe den Eindruck, dass das Problembewusstsein wieder steigt.“ Auch die Leitstelle der Ordnungsbehörde ist weiterhin unter Tel. 16 90 00 erreichbar. „Wer sich unsicher mit den Vorgaben ist, sollte sich direkt an uns wenden“, rät Jürgen Beckmann.

Das könnte Sie auch interessieren

Meistgelesen

Corona: Inzidenz bei 5,4 - Sterberate in Remscheid steigt um 9,2 Prozent
Corona: Inzidenz bei 5,4 - Sterberate in Remscheid steigt um 9,2 Prozent
Corona: Inzidenz bei 5,4 - Sterberate in Remscheid steigt um 9,2 Prozent
Verzögerung: Terrassen auf der Alten Bismarckstraße sollen erst ab Spätsommer entstehen
Verzögerung: Terrassen auf der Alten Bismarckstraße sollen erst ab Spätsommer entstehen
Verzögerung: Terrassen auf der Alten Bismarckstraße sollen erst ab Spätsommer entstehen
Live-Blog:  Diese Straßen sind noch gesperrt - Bürgerhilfe wird heute im Remscheider Rathaus ausgezahlt 
Live-Blog: Diese Straßen sind noch gesperrt - Bürgerhilfe wird heute im Remscheider Rathaus ausgezahlt 
Live-Blog: Diese Straßen sind noch gesperrt - Bürgerhilfe wird heute im Remscheider Rathaus ausgezahlt 
Remscheider nach Diebstahl festgenommen
Remscheider nach Diebstahl festgenommen
Remscheider nach Diebstahl festgenommen

Unsere News per Mail

Nach der Registrierung erhalten Sie eine E-Mail mit einem Bestätigungslink. Erst mit Anklicken dieses Links ist die Anmeldung abgeschlossen. Ihre Einwilligung zum Erhalt des Newsletters können Sie jederzeit über einen Link am Ende jeder E-Mail widerrufen.

Die mit Stern (*) markierten Felder sind Pflichtfelder.

Kommentare