Erste Platte

Bei der Motown-Musik geht ihm das Herz auf

Wolfgang Görtz macht die Musik der Temptations noch immer glücklich.
+
Wolfgang Görtz macht die Musik der Temptations noch immer glücklich.

Wolfgang Görtz kaufte sich die LP der Temptations in Köln. Mit hartem Rock und Techno kann er nichts anfangen.

Von Peter Klohs

Wolfgang Görtz ist, wie man so sagt, ein Remscheider Urgestein. Noch gut kann er sich daran erinnern, dass seine Eltern am heimatlichen Hasten Mitte der 50er Jahre mit die Ersten waren, die eine Nordmende-Fernsehtruhe besaßen. Mit Fernsehgerät, Radio und Plattenspieler. „Dementsprechend voll war es manchmal in unserem Wohnzimmer“, sagt Görtz. „Wir saßen mit mehr als 20 Nachbarn zusammen und schauten Peter Frankenfeld.“

Auch seine ersten Musikeindrücke hat er durch dieses Gerät vermittelt bekommen. „Mein Vater hörte Operetten“, verrät der nunmehr am Henkelshof wohnende Remscheider. „Das Land des Lächelns“ und solche Sachen. „Das hat mich schon eine Weile geprägt.“ Zu Weihnachten durfte er sich stets zwei Singles wünschen, jene kleinen Vinylscheiben mit 45 Umdrehungen pro Minute. „Da waren dann so Künstler wie Freddy Quinn dabei. Da war ich dem Musikgeschmack des Vaters noch recht nahe.“

Aber das Radio veränderte die Hörgewohnheiten des jungen Wolfgang. Elvis ließ ihn aufhorchen, die Beatles wurden berühmt, auch die Stones machten ganz hörbare Stücke. „Und ich weiß nicht mehr genau, wo“, sagt Görtz, „aber ich war 17 Jahre alt und hörte aus einer Music-Box die Supremes mit Diana Ross. Und ich wusste sofort, dass das meine Musik ist.“

Seine musikalisch große Liebe ist seither der Soul geblieben, oder – wie er es nennt: – die Motown-Musik: The Four Tops, Stevie Wonder, Aretha Franklin, die Temptations. Und deren grandiose LP „Masterpiece“, 1973 inklusive des beinahe 14-minütigen Titelstücks auf Motown-Records erschienen, war seine erste LP. „Eigentlich kaufte man als Remscheider seine LPs in der Stadt“, sagt der Soul-Liebhaber heute, „aber damals fuhr ich nach Köln, zu Saturn am Hansaring, weil die eine gigantische LP-Abteilung hatten. Dort kaufte ich die Langspielplatte, zunächst irrtümlich eine Musterplatte, die ich aber später umtauschen konnte.“

Wenn es so ist, dass Musik glücklich machen kann, dann ist das bei Wolfgang Görtz die Motown-Musik. „Diese Musik hat eine große Tiefe“, beschreibt er seine Gefühle, „und diese hat auch viel mit Freiheit, Befreiung und Eigenständigkeit zu tun. Im Soul griffen die Sängerinnen und Sänger in ihren Texten oft auf ihr eigenes Leben zurück, Marvin Gaye als deutlichstes Beispiel. So verstehe ich auch die menschliche Stimme als eines der Instrumente, die das Gesamtwerk ausmachen. Und wenn dann noch der Background-Chor einsetzt und jubiliert, dann geht mir das Herz auf.“

Aber der Soul ist nicht die einzige Musik, der Wolfgang Görtz mit Gewinn zuhören kann: Der Swing begeistert ihn auch, aber auf andere Weise. „Das ist meine Schmunzelmusik“, sagt er. „Beim Soul bin ich ergriffen, beim Swing muss ich schmunzeln.“ Das Gesangstrio von Dean Martin, Frank Sinatra und Sammy Davis jr. hat ihm einige „Schmunzelstunden“ bereitet. Außerdem mag er die klassische Musik. Der Klang eines Symphonie-Orchesters begeistert ihn, desgleichen ein Orgelkonzert. Um die Musik von Rammstein macht Görtz allerdings einen großen Bogen. Ebenso bedeuten ihm harter Rock und Techno wenig bis nichts.

Konzerte besucht er gerne. „Wenn es sich ergibt, dann immer gerne.“ Bedauernd nimmt er zur Kenntnis, dass er gerne mehr Konzerte in kleinen Clubs besucht hätte, deren Atmosphäre er schätzt. „Aber das hat sich irgendwie nicht ergeben.“ Jetzt besucht er viele Konzerte in der Nachbarschaft: in Wermelskirchen oder Hückeswagen. „Aber egal, wo“, konstatiert er, „es ist immer klasse, wenn das Publikum und die Musik eins werden, wenn die Musik die Konzertbesucher mitnimmt.“ Wie auf dem Stevie-Wonder-Konzert in der Dortmunder Westfalenhalle, dass Görtz besuchte und als sein nachdrücklichstes Konzerterlebnis bezeichnet.

Zur Person

Wolfgang Görtz wurde 1949 in Remscheid geboren und wuchs am Hasten auf. Offiziell berentet, ist er noch als selbstständiger Finanzberater tätig.

Die Temptations hat er nie im Konzert erleben können. „Das war schon ein großer Traum“, sagt er. Aber Die Grafen hat er gesehen – eine Oldieband, die im Stil der Beatband Die Lords spielt. Manchmal bastelt sich Görtz heutzutage eigene Playlists, obwohl sein Hörvermögen „nicht mehr so toll ist. Ich kann Musik nur noch mit einem Kopfhörer genießen. Aber das ist nicht schlimm, denn die Musik, die ich liebe, habe ich im Kopf.“

Das könnte Sie auch interessieren

Unsere News per Mail

Nach der Registrierung erhalten Sie eine E-Mail mit einem Bestätigungslink. Erst mit Anklicken dieses Links ist die Anmeldung abgeschlossen. Ihre Einwilligung zum Erhalt des Newsletters können Sie jederzeit über einen Link am Ende jeder E-Mail widerrufen.

Die mit Stern (*) markierten Felder sind Pflichtfelder.

Meistgelesen

Weihnachtsmarkt: Lüttringhausen rückt eng zusammen
Weihnachtsmarkt: Lüttringhausen rückt eng zusammen
Weihnachtsmarkt: Lüttringhausen rückt eng zusammen
Unternehmen werben im Allee-Center um Nachwuchs
Unternehmen werben im Allee-Center um Nachwuchs
Unternehmen werben im Allee-Center um Nachwuchs
EWR schicken 17.000 neue Bescheide
EWR schicken 17.000 neue Bescheide
EWR schicken 17.000 neue Bescheide
Wo ist dieses Foto 1960 entstanden?
Wo ist dieses Foto 1960 entstanden?
Wo ist dieses Foto 1960 entstanden?

Kommentare