Sachbeschädigung und Co.

Ehepaar lebt in Angst - Den Behörden fehlen die Beweise

Georgios und Andrea Tsolakidis vor ihrem Imbiss (gr. Foto), hier werden sie immer wieder Opfer von Bedrohungen und Beleidigungen. Die zahlreichen Sachbeschädigungen haben sie mit der Handykamera dokumentiert (kl. Fotos). Fotos: Roland Keusch/Tsolakidis
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Georgios und Andrea Tsolakidis vor ihrem Imbiss, hier werden sie immer wieder Opfer von Bedrohungen und Beleidigungen.

Andrea und Georgios Tsolakidis werden seit Jahren terrorisiert und fühlen sich von der Polizei im Stich gelassen.

Von Sven Schlickowey

Remscheid. Zerstochene Reifen und eingeschlagene Fenster, Beschimpfungen und Bedrohungen – das Leben der Remscheider Andrea und Georgios Tsolakidis ist seit drei Jahren geprägt von Übergriffen. Immer wieder wird ihr Eigentum beschädigt und werden Verleumdungen rund um den Imbiss, den sie betreiben, an die Wände geschmiert. Von Polizei und Staatsanwaltschaft fühlen sie sich im Stich gelassen.

Die zahlreichen Sachbeschädigungen haben sie mit der Handykamera dokumentiert.

„Ich habe Angst“, schildert Andrea Tsolakidis die Situation im Gespräch mit dem RGA. Verlasse sie im Dunkeln ihre Wohnung, dann nur in Begleitung, berichtet sie. „Man fühlt sich alleingelassen.“ Die Strafverfolgungsbehörden hätten bisher nichts unternommen. Trotz mehreren Anzeigen. Und obwohl sich das Ehepaar Tsolakidis sicher ist, den Täter zu kennen: „Wir wissen hundertprozentig, wer das ist.“

Angefangen habe das Alles vor rund drei Jahren, sagt Andrea Tsolakidis. Als sie einem Stammkunden, der ständig anschreiben ließ, weiteren Kredit verweigerten. Irgendwann sei klar gewesen, dass der Mann seine Schulden vermutlich niemals begleichen könne. „Wir bekommen heute noch ein paar Hundert Euro von ihm.“ Also habe er nichts mehr zu Essen bekommen. Danach sei der Terror losgegangen.

Und zwar mit einer eingetretenen Autotüre. „Das waren 2500 Euro Schaden“, erinnert sich Andrea Tsolakidis. Als die Vorfälle zunahmen, habe man eine Überwachungsanlage angeschafft, berichtet sie. Die habe den Mann auch bei Taten gefilmt – allerdings habe er da eine Maske getragen. „Ich kann ihn aber am Gang und an der Kleidung erkennen.“ Man habe auch Zeugen benannt, die sich ebenfalls in der Lage sehen, den Mann auf den Aufnahmen zu identifizieren.

Doch der Staatsanwaltschaft reicht das nicht aus, wie Oberstaatsanwalt Wolf-Tilman Baumert bestätigt: Die bearbeitende Staatsanwältin habe sich die Aufnahme angeschaut und festgestellt: „Der Mann war darauf so maskiert, dass man keine persönlichen Merkmale feststellen konnte.“ Auch sein Gang sei nicht so außergewöhnlich gewesen, dass es für eine Identifizierung gereicht hätte. So seien die bisherigen Verfahren mangels Tatnachweis eingestellt worden.

„Da ist mehr gemacht worden, als es aussieht.“
Oberstaatsanwalt Baumert

„Das halte ich für eine vertretbare Sachbehandlung“, sagt Baumert. Schließlich müssten Beweise aussagekräftig genug sein, damit sich ein Gericht von der Schuld des Täters überzeugen kann. Den Vorwurf der Untätigkeit weist er zurück: „Da ist mehr gemacht worden, als es aussieht.“ Auch aktuell würden noch polizeiliche Maßnahmen laufen.

Das bestätigt Stefan Weitkämper, Pressesprecher der Wuppertaler Polizei. Der Beschuldigte sei vernommen worden, streite die Taten aber ab. Zudem habe es eine sogenannte Gefährderansprache gegeben, die dem Verdächtigen unter anderem klarmachen soll, dass man ihn im Blick habe. „Aber dabei müssen wir natürlich vorsichtig sein“, sagt Weitkämper. „Wir dürfen ja niemanden vorverurteilen.“ Die Kollegen des Remscheider Wachdienst hätten außerdem ein Auge auf die potenziellen Tatorte, sagt der Polizeisprecher: „Die sind angehalten, das in ihre Streifentätigkeit einzubauen.“

Andrea Tsolakidis würde sich aber noch mehr wünschen, zum Beispiel dass die Polizei die Steine, mit denen ihre Scheiben eingeworfen wurden, untersucht. „Das wäre schon ein Riesen-Glück, wenn man darauf zum Beispiel einen Fingerabdruck finden würde“, gibt aber Oberstaatsanwalt Baumert zu bedenken. Und Polizeisprecher Weitkämper macht klar: „Selbst wenn wir einen solchen Abdruck dem Verdächtigen zuordnen könnten, beweist das nur, dass er den Stein in der Hand hatte.“

Für Polizei und Staatsanwaltschaft hapert es also an der Beweisbarkeit. „Das ist für einen Geschädigten natürlich schwierig“, sagt Wolf-Tilman Baumert. Doch ohne neue Ermittlungsergebnisse könne seine Behörde nicht viel tun. Am besten sei es, wenn man den Täter auf frischer Tat erwische. Das wäre auch Stefan Weitkämper der Idealfall, wie er sagt. „Aber vielleicht fügen sich die Puzzleteile auch noch anders zusammen, zum Beispiel durch Zeugenaussagen.“ Die Polizei werden in dem Fall weiter ermitteln.

Im Sommer war ein anderer Fall vor dem Amtsgericht in Remscheid gelandet: Der damalige Angeklagte soll einem Imbissbetreiber mit dem Tod gedroht haben.

Hintergrund

Potenzielle Straftaten gehören immer angezeigt. Das betont Polizeisprecher Stefan Weitkämper: „Egal, welches Delikt, melden Sie es bei der Polizei, machen Sie den Vorgang aktenkundig!“ Anzeigen können inzwischen auch online erstattet werden in der sogenannten Internetwache der Polizei NRW, was in Coronazeiten zudem persönliche Kontakte vermeidet. Weitkämper rät aber, vorher Kontakt zur Polizei aufzunehmen: „Am besten schildert man den Kollegen den Fall erst einmal und wird dann entsprechend beraten.“

service.polizei.nrw.de/anzeige

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