Gremium

Behindertenbeirat hat noch viel vor

Arbeiten Hand in Hand: Behindertenbeirats-Vorsitzende Friederike Pohl und der städtische Behindertenbeauftragte Ralf Krüger. Foto: Roland Keusch
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Arbeiten Hand in Hand: Behindertenbeirats-Vorsitzende Friederike Pohl und der städtische Behindertenbeauftragte Ralf Krüger.

Gremium feiert sein 40-jähriges Bestehen. Suche nach zukunftsfähigen Strukturen.

Von Manuel Böhnke

Menschen mit Behinderung eine Stimme geben – mit diesem Ziel wurde der Beirat zur Gleichstellung von Menschen mit Behinderungen 1979 gegründet. Im Januar des kommenden Jahres feiert er sein 40-jähriges Bestehen. „Wir haben viel erreicht, es gibt aber noch viel zu tun“, sind sich Ralf Krüger, der städtische Behindertenbeauftragte, und Friederike Pohl einig. Die 65-Jährige ist seit Januar dieses Jahres die Vorsitzende des Beirats.

Das Gremium versucht, alltägliche Nachteile für Menschen mit Behinderung auszugleichen. Da geht es um einen behindertengerechten Kassenautomaten in der Garage unter dem Theodor-Heuss-Platz oder barrierefreie Toiletten bei Großveranstaltungen. Der Einsatz des Beirats zeigt Erfolg. Im Allee-Center wird derzeit etwa am Ausgang Richtung Rathaus eine Automatiktür getestet. Ein anderes Beispiel ist das Remscheider Kino. Wenn dort der Betrieb beginnt, werden im Logenbereich der Säle jeweils zwei Rollstuhlplätze vorgehalten. Die Zeiten, in denen Rollstuhlfahrer in der ersten Reihe vom Blick auf die Leinwand einen steifen Nacken bekommen haben, sind vorbei.

Für seine Expertise, die Sicht der Betroffenen und Angehörigen in Diskussionen einzubringen, ist die Verwaltung dem Behindertenbeirat Ralf Krüger zufolge sehr dankbar.

Das Gremium hat noch ein Mitglied, das bereits bei der Gründung 1979 dabei war: Brigitte Sommer. Sie ist seit 48 Jahren die Vorsitzende des Remscheider Blinden- und Sehbehindertenvereins. „Es hat sich viel positiv entwickelt“, sagt die 72-Jährige. Stolz ist sie darauf, dass Ampeln mit akustischen Signalen für Sehbehinderte inzwischen Standard sind. In den 80er Jahren habe man begonnen, sich dafür einzusetzen. Doch Sommer sagt auch, dass es an einigen Stellen noch Luft nach oben gibt. Beispielsweise müsse bei Bauprojekten noch stärker auf die Bedürfnisse von Menschen mit Handicap geachtet werden. „Wir sind nicht behindert, wir werden behindert“, stellt sie klar.

Vor 40 Jahren habe man viele Leute erst aufrütteln müssen, die Interessen von Menschen mit Behinderung zu berücksichtigen. Das sei zwar heute besser, dennoch möchte Sommer nicht aufhören, „den Finger in die Wunde zu legen“.

Der runde Geburtstag wird im April 2019 groß gefeiert Dabei so eine umtriebige Vorsitzende wie Friederike Pohl an ihrer Seite zu wissen, sei viel wert. Die skizziert ihren Auftrag so: „Unser Ziel ist erst erreicht, wenn der Behindertenbeirat so viel geschafft hat, dass es keinen Behindertenbeirat mehr geben muss.“

Wenngleich Pohl feststellt, dass das Verständnis in der Gesellschaft immer größer wird, sagt sie: „Die Barrieren in den Köpfen bestehen teilweise noch immer.“ Deshalb müsse man weiter sensibilisieren und klarmachen, dass eine automatisch öffnende Tür nicht nur eine Erleichterung für Menschen im Rollstuhl, sondern auch für Mütter mit Kinderwagen oder junge Männer auf Krücken ist.

NEU IM VORSTAND

WECHSEL Am vergangenen Dienstag hat der Beirat zur Gleichstellung von Menschen mit Behinderung einstimmig eine neue zweite Vorsitzende gewählt. Annemarie Wegerhoff übernimmt den Posten von Karl-Heinz Bobring.

Die wohl größte Herausforderung im kommenden Jahr betrifft jedoch die Struktur des Beirats selbst. „Wir müssen das Gremium zukunftsfähig machen“, sagt Ralf Krüger. Das Problem: Die Selbsthilfegruppen, aus denen die Beiratsmitglieder rekrutiert werden, leiden unter Nachwuchsmangel. Viele Betroffene ziehen es vor, sich im Internet zu informieren. „Aber eine Umarmung gibt es da nicht“, sagt Friederike Pohl. Dieses Problem steht ganz oben auf der Agenda für das kommende Jahr.

So oder so soll im April 2019 das 40-jährige Bestehen gefeiert werden. Genaueres möchten Krüger und Pohl aber noch nicht verraten. Nur so viel: „Es wird in einem angemessenen Rahmen stattfinden.“

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