Kabarett

Begeisternder Beifall für Comedian Florian Schroeder

Florian Schroeder überraschte sein Publikum immer wieder mit unerwarteten Wendungen.Foto:Michael Schütz
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Florian Schroeder überraschte sein Publikum immer wieder mit unerwarteten Wendungen.

Kabarettist zeigte sein Programm „Neustart“ in der Klosterkirche – Und redete sein Publikum schwindelig

Von Elisabeth Erbe

Remscheid. Die Welt ist in der Krise und Florian Schroeder sucht den Erlöser. Fündig wurde er am Sonntagabend in der Klosterkirche nicht. Stattdessen stellte der Comedian Politiker und Parteien an den Pranger. Sein Motto des Abends: „Zuschauen, entspannen und nicht nachdenken“. Doch mit seinem Programm „Neustart“ war „nicht nachdenken“ unmöglich. Die Menschheit befände sich in einer Krise und suche den Messias, doch wer könnte das sein?, fragte er anfangs. Zuerst kam Friedrich Merz auf den verbalen Seziertisch. Es folgte eine gut recherchierte und hochintelligente Schlammschlacht gegen Christian Lindner. „Lindner bedient sich allen Floskeln, die jemals gesagt wurden“, erklärte Schroeder und sieht die FDP als die „letzte Anarcho-Partei“. Diese Partei hätte noch Rebellionspotenzial.

Während sich in der Zeit der Kontaktbeschränkung nur zwei Haushalte treffen durften, habe Schroeder sich mit drei Haushalten getroffen. „Wir waren so wild, so rebellisch, wir waren auf der Flucht im eigenen Zuhause, das war so wild“, erinnerte er sich zurück. War der Comedian nun für oder gegen die FDP? Was war nun Satire und wann mischte er seine eigene Meinung ins Programm?

Schroeder führte sein Publikum immer wieder aufs Glatteis

Die Grenzen zwischen Comedy und Authentizität verschwammen im Eifer des Gefechts. Schroeder verstand es, das Publikum mit Informationen zu füttern, um sie am Ende wieder zu verunsichern. Das Tempolimit der Grünen ist vom Tisch. „Nur die Grünen denken, dass ihr Opportunismus von Vorteil wäre. Die DNA der Grünen sind große Worte und dann kommt nichts“, hetzte er und bewies seine Unterstellung mit einem Film. Ein Rachefeldzug gegen die Grünen? „Ich möchte transparent sein. Ich bin ein Grünwähler“, überraschte er das Publikum.

Florian Schroeder spielte mit dem Publikum, redete es schwindelig, ohne Pausen und ohne Punkt und Komma. Die Besucher schwankten zwischen Lachen und bedrücktem Schweigen bis zur Empörung.

Doch warum nennt er sein Programm „Neustart“? Es wurde ruhig in dem Saal, denn Schroeder verabschiedete sich als Comedian. Nächstes Jahr wolle er eine Partei gründen: „Neustart – Neue Demokratie“ mit dem Ziel der totalen Ehrlichkeit und Transparenz. Es folgte eine Ansprache, die dem Publikum gefiel. Applaus für Versprechungen, die er als Bundeskanzler durchsetzen möchte. Und als er das Publikum überzeugt hatte, folgten Todesstrafe und das Ende der Meinungsfreiheit. „So führt man in Deutschland eine Diktatur ein, meine Damen und Herren“, beendete er das Szenario. Bedrückendes Schweigen, dann begeisterter Beifall.

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