Etwa 500 Kinder nicht versorgt

Bedarf an Kitaplätzen wird in Remscheid bald gedeckt sein

Die Kita an der Oststraße ist bald fertig. Sie bietet 80 Kindern Platz. Foto: Roland Keusch
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Die Kita an der Oststraße ist bald fertig. Sie bietet 80 Kindern Platz.

Dennoch sind etwa 500 Kinder zum Beginn des Sommers nicht versorgt.

Von Alexandra Dulinski

Remscheid. Die Warteliste an Kindern, die auf einen Kitaplatz warten, ist lang. Zum Sommer hin fehlen noch etwa 500 Plätze, berichtet Peter Nowack vom Jugendamt. Berücksichtigt sind dabei schon die Neubauten, die zurzeit an verschiedenen Orten in der Stadt entstehen. Am weitesten vorangeschritten in der Fertigstellung ist die Kita an der Oststraße, neben der Grundschule Dörpfeld. Voraussichtlich am 1. September kann sie eröffnen, nach Möglichkeit sogar schon Anfang August, schätzt Matthias Spaan, Vorstandsvorsitzender des Trägers Kindsein e. V. 80 Plätze in vier Gruppen werden mit der Kita geschaffen.

Auch an der Hackenberger Straße auf dem Gelände der Grundschule und an der Sedanstraße entstehen neue Räume. „Wir geben Gas ohne Ende“, sagt Peter Nowack. Allerdings hängt der Baufortschritt stark von der Verfügbarkeit der Baufirmen und von Holzressourcen ab.

1000 neue Kitaplätze werden in Remscheid benötigt. Die Nachfrage sei anhaltend hoch. „Es wird immer selbstverständlicher, das Kind schon mit zwei Jahren in die Kita zu bringen“, erklärt Nowack die Situation. Bleibt die Geburtenentwicklung auf hohem Niveau, steigt auch der Bedarf. Nowack: „Wir haben nur ein Jahr Vorlaufszeit, um zu planen.“ Denn der Kita-Anspruch bestehe für Kinder ab Vollendung des ersten Lebensjahrs.

„Wir geben Gas ohne Ende.“

Peter Nowack, Abteilung Jugendamt

Deshalb gibt es eine jährliche Bedarfsplanung, in der nachjustiert wird. Wie hoch ist der Bedarf? Reichen die Plätze? Oder muss irgendwo neu gebaut werden? Ziel ist es, 98 Prozent aller Ü3-Kinder bis zur Einschulung einen Kitaplatz zu bieten, erklärt Jugendhilfeplanerin Marie-Therese Frommenkord. Noch konnte diese Versorgungsquote nicht erreicht werden. „Grund sind steigende Kinderzahlen“, erklärt sie. Gedeckt sind aktuell 93,5 Prozent.

Der Bedarf von Kitaplätzen für Unter-Dreijährige ist durch den steigenden Trend, Kinder immer früher in die Kita zu schicken in den vergangenen Jahren von 32 Prozent auf etwa 46 Prozent gestiegen, erklärt Sozialdezernent Thomas Neuhaus. Die aktuelle Versorgungsquote liegt bei den Unter-Dreijährigen bei 35,8 Prozent.

Die gute Konjunktur, die vergleichbar günstigen Immobilienpreise in Remscheid und die Flüchtlingszuwanderung sieht Thomas Neuhaus für den gestiegenen Bedarf an Kitaplätzen in den vergangenen Jahren. Die Remscheider haben sich für Kinder entschieden, mehr Menschen sind hinzugezogen.

„Die Schaffung von Kitaplätzen ist ein enormer Wettlauf gegen die Zeit.“

Thomas Neuhaus, Sozialdezernent

Dennoch: Auch diese Zahlen werden stagnieren. „Auf längere Sicht wird der Bedarf erstmal nicht mehr steigen. Durch die Corona-Pandemie sind wenig Zuzüge dazugekommen“, erklärt er. Er rechnet damit, schon in nächster Zeit den Bedarf decken zu können, voraussichtlich bereits im Kitajahr 2022/23. „Die Schaffung von Kitaplätzen ist ein enormer Wettlauf gegen die Zeit“, sagt Neuhaus. Die frühe Bildung beginne in der Kita. „Uns ist bewusst, dass wir sehr schnell sein müssen.“

Mit etwas Glück wird in diesem Jahr auch die Kita der Stiftung Tannenhof an der Remscheider Straße fertig, spätestens Anfang 2022, schätzt Peter Nowack. Thomas Neuhaus dagegen datiert den Beginn des Kita-Betriebs auf August 2022. Zwei weitere Standorte in Lennep, einer an der Burger Straße in Richtung Sana-Klinikum und weitere Projekte im Innenstadtbereich befänden sich noch in der Pipeline, berichtet Nowack.  

Kita Oststraße

Matthias Spaan, Vorstandsvorsitzender des Kita-Trägers Kindsein e. V. rechnet mit einem Start der Kita Oststraße zum 1. August, spätestens zum 1. September. Alle Kitaplätze der viergruppigen neuen Einrichtung sind allerdings bereits vergeben. Zwölf Fachkräfte werden sich künftig um die 15 Über-Dreijährigen und die fünf Unter-Dreijährigen kümmern. Das Außengelände werde sukzessive fertiggestellt, berichtet Spaan.

Standpunkt: Investition in die Zukunft

Von Michael Albrecht

michael.albrecht@rga.de

Den Bedarf an Kita-Plätze in Remscheid zu decken, ist ein Kraftakt für die Stadt. Allerdings einer, der sich wirklich auszahlt. Denn das ist eine Investition in die Zukunft der Stadt. Der Besuch einer Kita ist der erste Schritt, um Kindern gleich welcher Herkunft den Anspruch auf mehr Chancengleichheit besser gewährleisten zu können. Schließlich ist die Kita der Einstieg in das Bildungssystem. Kita und Elternhaus schaffen mit das Fundament für den weiteren Bildungsweg eines Kindes. Das ist ein nicht zu unterschätzender Faktor. Deshalb sind die Investitionen in den Ausbau der Kindertagesstätten entsprechend dem Bedarf ein gesellschaftliches Muss. Allerdings ist es nicht allein mit dem Bau von Kindereinrichtungen getan. Es muss auch in die Ausstattung und das Personal investiert werden, um ein Angebot zu schaffen, das den gesellschaftlichen Anforderungen entspricht. Das ist der zweite Schritt, der folgen muss, wenn die gesetzlich vorgeschriebene Bedarfsdeckung an Kita-Plätzen erreicht ist.

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