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Beatles und Stones sind für Milla Kapolke keine Glaubensfrage

Die Yes-Scheiben hat er nicht aussortiert: Milla Kapolke (68), Ex-Waldorf-Lehrer und Grobschnitt-Bassist lebt in Hückeswagen. Foto: Mudita Kapolke
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Die Yes-Scheiben hat er nicht aussortiert: Milla Kapolke (68), Ex-Waldorf-Lehrer und Grobschnitt-Bassist lebt in Hückeswagen.

Der „doppelte 68er“ Milla Kapolke bekam seine ersten beiden Singles von seiner Schwester aus Berlin mitgebracht.

Von Andreas Weber

Seit dem 26. Oktober ist er ein doppelter 68er. Denn Michael „Milla“ Kapolke, 1952 geboren, wurde in Hagen-Hohenlimburg in einer Zeit erwachsen, als Heranwachsende die bürgerliche Gesellschaft kritisch hinterfragten, sich gegen das Establishment auflehnten. Milla lebte alternativ, entschied sich aber für einen bürgerlichen Beruf: die Pädagogik. Sein Geld verdiente er über 25 Jahre als Waldorflehrer in Bergisch Born. Seine große Liebe gilt bis heute der Rockmusik. Mit ihr wurde der Ex-Grobschnitt-Bassist an der Schwelle zum Sauerland groß. Mit 14 Jahren legte er 1966 in der Schülerband „Grandpas Nightcap“ als Gitarrist los. Es waren die Zeiten, in denen in der Provinz nichts abging. „Und wir waren in Hohenlimburg die Band in unserer Kleinstadt.“

„Ich bin kein Jäger und Sammler.“
Milla Kapolke, Rockbassist

Die Menschen fieberten den Live-Veranstaltungen am Wochenende entgegen. Die Jungspunde vom Gymnasium schafften sich die neuesten Hits drauf und brachten den vollen Tanzsaal an den Samstagen zum Schwofen. Im Elternhaus traf er auf fruchtbaren Boden, Instrumente wurden gespielt, es wurde viel gesungen. Plattenspieler und Tonbandgerät gab es auch daheim.

Seine sechs Jahre ältere Schwester Marion, die in Berlin wohnte und später als Aussteigerin auf Ibiza ihr Glück fand, brachte Milla die ersten beiden Singles mit: „Ticket to ride“ von den Beatles und „The last time“ von den Rolling Stones. „In Hohenlimburg gab es keine Geschäfte, wo man die Scheiben kaufen konnte, da hatten höchstens die Elektrohändler eine Plattenecke.“ So freute sich Milla, dass seine Schwester ihm auch die erste LP schenkte: „Beatles for sale.“

Beatles oder Stones? Bei der Frage seufzen beinharte Fans, Milla Kapolke entlarvt die vermeintliche Glaubensfrage als puren Unsinn. „Vielleicht war ich ein bisschen mehr Beatles-Fan, aber auch die Stones sind unglaublich toll“, sagt er. Ohne Songbooks bestand die Kunst darin, alle Akkorde von den Stücken der angesagten Bands rauszuhören, um sie dann nachspielen zu können. Milla Kapolke liebte die Small Faces, hörte The Who und die Kinks. Und er entdeckte seine Liebe zum Progressive Rock, vorneweg zu Yes.

Mit 14 Jahren legte er als Schüler los: Milla Kapolke.

Die Scheiben seiner Lieblingsband hat er bis heute bewahrt, während er viele andere abstieß. „Ich bin kein Jäger und Sammler“, sagt der Pensionär, der mit seiner Frau Mudita und zwei weiteren Ehepaaren auf einem großen Gehöft völlig ländlich in Hückeswagen lebt. Wohngemeinschaften waren immer das Ding des Alt-68ers, der früh auch mit Thuy Vill in Hohenlimburg eigenes Songmaterial anpackte. Am 28. Oktober 1967 gaben sie in ihrer Heimatstadt ihr erstes Konzert. Vor drei Jahren feierte Thuy Vill ihr 50. Jubiläum im Werkhof in Hohenlimburg.

„Symphonic Floyd“ kommt nun am 7. Mai 2022 in die Westfalenhalle

Als Lokalmatadoren genossen sie einen guten Ruf, Kommerzialität lehnten sie ab. „Wir waren Idealisten, und Geld verdienen mit der Musik kam für uns nicht in Frage“, blickt Milla Kapolke zurück. „Wir haben 90 Pfennig Eintritt genommen, und die wurden für einen karitativen Zweck gespendet.“ Thuy Vill spielten auf Festivals mit dem Grobschnitt-Vorläufer Charing Cross.

Als Thuy Vill durch Studium und Bundeswehr auseinanderdrifteten, gründete Kapolke während seines Studiums, das ihn zu seinem 2. Staatsexamen an die Hauptschule Bökerhöhe führte, Green, eine Coverband und bis heute ein Zusammenschluss von Hagener Rock-Recken. 1979 wurde Milla von Grobschnitt abgeworben und wechselte von der Gitarre zum Bass. Der Rest ist innovative Krautrock-Geschichte. Vinyl steht bei dem Vater zweier Söhne heute nicht mehr so viel zu Hause, eher CDs. Kapolkes Geschmack ist breit gefächert. Er ist Neil-Young-Fan, schätzt Biffy Clyro, Porcupine Tree steht komplett im Regal und die US-Indie-Band Manchester Orchestra zählt zu seinen Favoriten.

Apropos: Darunter fällt natürlich Pink Floyd, mit denen er anfangs fremdelte. „Bei ‘Dark side of the moon’ habe ich die Nase gerümpft. Background-Sängerinnen und Saxofon, das war gewöhnungsbedürftig.“ Heute zählt der Albumklassiker von 1973 zum Standardrepertoire von Green bei ihrem „Symphonic Floyd“-Spektakel, dessen Wiederholung in der Dortmunder Westfalenhalle im Mai 2020 Corona zum Opfer fiel und auf den 7. Mai 2022 verschoben wurde.

Symphonic Floyd

Die Pink-Floyd-Stadt Dortmund wird „Symphonic Floyd“ mit der Hagener All-Star-Band Green um ihren Frontmann Milla Kapolke, einem Orchester und Chor mit insgesamt über 100 Akteuren zum 2. Mal am 7. Mai 2022 in der Westfalenhalle zelebrieren. Mehr Infos unter

www.symphonic-floyd.de

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