Lüttringhausen

Baustelle: Aus dem Loch wird eine Kinderstube für Amphibien

Noch ist hier nicht viel zu erkennen, aber im kommenden Frühjahr sollen hier Tausende Amphibien laichen.
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Noch ist hier nicht viel zu erkennen, aber im kommenden Frühjahr sollen hier Tausende Amphibien laichen.

An der Beyenburger Straße entsteht eine Anlage für Amphibien.

Von Sven Schlickowey

Remscheid. Aktuell sieht man nicht viel mehr als ein Loch, an einer Stelle, an der einmal Bäume standen. Doch im kommenden Frühjahr sollen hier Tausende Amphibien Platz zum Laichen finden. Hinter der Baustelle nahe der Autobahn an der Beyenburger Straße in Lüttringhausen, die bei vielen Passanten für Rätselraten gesorgt hat, steckt ein Natur- und Artenschutzprojekt. Umgesetzt von der Autobahn GmbH des Bundes.

Der gehört nämlich das Grundstück. Und auch der Grund für die neue Anlage, ein Wasserbecken auf der anderen Seite der Straße. Dies sei eigentlich angelegt worden, um Abwässer der nahen Autobahn zu reinigen, erklärt Frank Stiller vom Umweltamt der Stadt. „Das ist eine rein technische Anlage.“ Doch trotz Streusalz, Reifenabrieb und anderem Unrat fanden einige Amphibien das Becken offensichtlich so attraktiv, dass sie dort laichten.

„So ist über einen Zeitraum von etwa 15 Jahren eine starke Population entstanden“, berichtet Stiller. Aktuell gehe man von rund 2000 Tieren aus. Die aber jedes Jahr, wenn sie zum Becken wollen, die Beyenburger Straße queren müssen - und dabei nicht selten überfahren werden.

Zwar habe sich eine Gruppe von Naturschützerinnen gefunden, die die Tiere mithilfe von Barrieren eingefangen und dann über die Straße getragen haben, sagt Frank Stiller. „Aber uns war ja klar, dass das keine Dauerlösung ist.“ Also entwickelte man das Konzept eines „Ersatzgewässers“ - und fand mit dem nun bebauten Grundstück den passenden Standort, der dann auch noch praktischerweise der Autobahn GmbH gehört.

Die übernahm die Aufgabe mit Unterstützung verschiedener Fachfirmen. Als Ausgleichsmaßnahme für die Erweiterung der A1, wie Rudolf Klopstein von der Autobahn GmbH berichtet. Und auch aus Gründen des Artenschutzes. Denn unter den 2000 Amphibien befinden sich auch sehr seltene Arten. „Das zahlt alles der Bund“, erklärt Klopstein.

Dass das Loch derzeit noch kein Wasser führt, liege auch am Wetter, sagt Rudolf Klopstein: „Wir wollen ja nicht, dass schon alles verdunstet ist, bevor die Laich-Saison im nächsten Jahr beginnt.“ Bei Bedarf werde man das neue Becken im Frühjahr füllen, vielleicht passiere das über den Winter aber auch von allein. „Die Hoffnung haben wir.“

Abzuwarten bleibe dann noch, wie die Tiere das neue Becken annehmen, sagt Frank Stiller von der Stadt Remscheid. Denn Amphibien seien auf das Gewässer geprägt, in dem sie selber zur Welt kamen. Deswegen habe man an der Straße Barrieren errichtet, erklärt er. „Irgendwann wird der Laichdruck so groß, dass sie hoffentlich das neue Gewässer akzeptieren.“ Klappt das, ist das Problem nach einer Generation keines mehr - die Tiere, die in der neuen Amphibienanlage zur Welt kommen, werden auch dorthin wieder zurückkehren.

Die Stadt, betont Stiller, habe das Projekt nur begleitet. Bauherr war die Autobahn GmbH. Und zu verdanken sei die neue Anlage auch und vor allem den engagierten Naturschützern, die sich über viele Jahre für die Amphibien eingesetzt haben.

Hintergrund

Die 2018 gegründete Autobahn GmbH des Bundes plant, baut und betreibt die Autobahnen in Deutschland. Sie fällt in die Verantwortlichkeit des Bundesverkehrsministeriums. Bis zur Gründung der Autobahn GmbH übernahm in NRW der Landesbetrieb Straßenbau diese Aufgaben im Auftrag des Bundes.

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