Mein Leben als Papa

Bauernschnitzel auf Hannes-Art: Oma Ilse wäre stolz auf ihn!

Alles, aber keine Kinderportion: das Bauernschnitzel.
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Alles, aber keine Kinderportion: das Bauernschnitzel.
  • Gunnar Freudenberg
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RGA-Redakteur Gunnar Freudenberg erzählt vom Alltag mit seinen Söhnen Hannes (6) und Michel (3).

Eine ganze Seite mit Gerichten „für unsere kleinen Gäste“ findet sich in der Speisekarte. Eigentlich das Richtige für einen sechsjährigen Jungen wie Hannes, sollte man meinen. Aber da ich weiß, welche Portionen er im Moment vertilgen kann, blättere ich weiter.

Im Urlaub ist Hannes auf den Geschmack gekommen, was das auswärtige Verspeisen von Mahlzeiten angeht. „Im Restaurant schmeckt immer alles besser“, stellte er überraschend bei Bratwurst und labberigen Pommes im Freizeitpark fest. Was ziemlicher Blödsinn war, denn erstens kocht seine Mama viel besser und zweitens hatte unsere kurze Imbiss-Pause nichts mit einem echten Restaurantbesuch zu tun.

Aber woher soll Hannes auch wissen, was einen Besuch im Restaurant ausmacht? Corona hat dafür gesorgt, dass wir uns in den vergangenen zweieinhalb Jahren lieber haben beliefern lassen, wenn wir uns mal etwas gönnen wollten.

Jetzt aber sitze ich mit Hannes im Biergarten eines urigen Wirtshauses. Wir sind die einzigen Gäste, was vielleicht an der Affenhitze und an der Tatsache, dass es erst 11.30 Uhr ist, liegen könnte. Auch Michel und Mama haben es vorgezogen, zu Hause zu bleiben. Hannes und ich aber haben Hunger. Ich bestelle ein „Schnitzel Jäger Art“, Hannes ein „Bauernschnitzel“ mit zwei Spiegeleiern und Bratkartoffeln. „Als Kinderportion?“, fragt mich der Kellner. „Nein!“, grätscht Hannes dazwischen. „Ich helfe ihm, wenn was übrigbleibt“, zwinkere ich dem freundlichen Mann zu.

„Das dauert aber lange“, findet Hannes nach 5, 10 und 20 Minuten, ist aber versöhnt, als uns der Kellner die riesigen Portionen serviert. „Wird er niemals schaffen“, denke ich, habe aber die Rechnung ohne den Wirt – oder vielmehr – Hannes gemacht.

„Mein Leben als Papa“ gibt es als Buch für 12,90 Euro in den RGA-Geschäftsstellen, im Handel und im Internet:bergisch-bestes.de

Es schmeckt uns vorzüglich. Und wenn mir etwas schmeckt, ist es schnell verputzt, denn ich gehöre eindeutig zur Fraktion Schlinger. Hannes aber ist ein langsamer Esser, ein Genießer. Wie mein Kollege, der mich in der Mittagspause vor lauter Langsamkeit manchmal rasend macht und immer damit rechnen muss, dass ich ihm etwas vom Teller klaue. Bei Hannes aber halte ich mich zurück, obwohl mein Teller längst leer ist.

„Alles in Ordnung bei Ihnen?“, fragt der Kellner und Hannes zeigt den Daumen nach oben. Wenig später, etwa eine Dreiviertelstunde, nachdem er uns das Essen gebracht hat, fragt er noch mal. Hannes wundert sich, was das denn solle. Immerhin beschwert er sich nicht: „Er hat mir ins Essen gequatscht.“ Auch mein Einwurf, er müsse nicht alles aufessen, verwundert Hannes. Ich muss an meine Oma Ilse denken, für die Reste auf dem Teller auch mit 90 Jahren noch wie eine persönliche Niederlage waren. Und ich denke an die Erzieherin im Kindergarten, die mal erzählte, Hannes würde auch dann noch mal nachnehmen, wenn um ihn herum schon die Stühle hochgestellt worden seien.

Nach mehr als einer Stunde ist Hannes’ Teller tatsächlich leer. „Hat der Papa dir geholfen?“, fragt der Kellner beim Abräumen. „Nein“, empört sich Hannes und hat noch eine Frage: „Kann ich noch ein Eis haben?“

Alle Folgen von „Mein Leben als Papa“ finden Sie hier.

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