Arbeitsagentur fördert Investition

Bäcker backt sich die Fachkräfte selbst

Sie wissen genau, was drinsteckt: Sabina Rakic, Bianca Furch und Kristina Wichner verstärken die Bäckerei Beckmann als neue Fachkräfte. Geschäftsführer Thorsten Heidenpeter-Wader ist stolz auf seine Verkäuferinnen. Martin Klebe (Arbeitsagentur) gratuliert.
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Sie wissen genau, was drinsteckt: Sabina Rakic, Bianca Furch und Kristina Wichner verstärken die Bäckerei Beckmann als neue Fachkräfte. Geschäftsführer Thorsten Heidenpeter-Wader ist stolz auf seine Verkäuferinnen. Martin Klebe (Arbeitsagentur) gratuliert.
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Aus Aushilfen werden Expertinnen für Lebensmittel: Arbeitsagentur fördert Investition in eigenes Personal.

Von Axel Richter

Remscheid. Es gibt unkomplizierte Kunden. Und es gibt Herrn Müller. Der leidet an Gluten-, Laktose- und anderen Unverträglichkeiten und lässt so gut wie keine Intoleranz aus. Bianca Furch, Sabina Rakic und Kristina Wichner wissen dennoch, welches Brot, welche Brötchen und welchen Kuchen sie ihm guten Gewissens in die Tüte stecken dürfen. Die Inhaltsstoffe der Backwaren stehen nämlich ebenso auf dem Ausbildungsprogramm zur Bäckereifachverkäuferin wie Hygienefragen, und manchmal sind die Damen hinter der Theke sogar als Seelsorgerin gefragt.

Thorsten Heidenpeter-Wader, Geschäftsführer der Bäckerei Beckmann GmbH & Co. KG mit 18 Filialen und 200 Beschäftigten in Remscheid, Wuppertal, Wermelskirchen, Hückeswagen und weiteren Städten im Bergischen Land, setzt deshalb auf qualifiziertes Personal. Und das mit Vorzug aus den eigenen Reihen. „Alle Branchen klagen über Fachkräftemangel“, sagt er. Doch will er nicht darauf warten, dass die Politiker daran etwas ändern. „Wir müssen selbst dafür sorgen“, sagt er.

Das sollte weit verbreitete Praxis sein. Ist es aber nicht, sage Martin Klebe, Geschäftsführer der Arbeitsagentur im Bergischen Land, und dessen Mitarbeiter im Arbeitgeber-Service Andreas Behlau. Im Gegenteil: „Viele Unternehmen sind nach wie vor nicht bereit, in die Aus- und Weiterbildung ihrer eigenen Mitarbeiter zu investieren.“

„Für uns ist das tägliches Brot.“

Thorsten Heidenpeter-Wader, Bäckerei Beckmann

Bäcker Beckmann backt sich seine Mitarbeiter dagegen selbst. Schließlich kennen Bianca Furch, Sabina Rakic und Kristina Wichner den Betrieb bereits seit vielen Jahren. Für ihren alten und neuen Arbeitgeber stellen sie nach verkürzter Ausbildung und erfolgreichem Abschluss an der Ersten Deutschen Bäckerfachschule im sauerländischen Olpe ein echtes Qualitätsversprechen dar. Denn während sich in Billigläden die Brötchen aus der Plastikklappe nehmen lassen, schätzen die Kunden bei den Handwerksbetrieben neben der Qualität den Rat und die Freundlichkeit der Damen hinter der Theke. Und auch die fühlen sich wohler: „Ich freue mich einfach, den Kunden helfen zu können“, sagt Sabina Rakic, die nach einer Ausbildung zur Friseurin viele Jahre als Aushilfe in den Beckmann-Filialen gearbeitet hat: „Das gibt mir ein ganz neues Selbstbewusstsein.“

Start in die Zukunft: Mit einer Ausbildung in Remscheid und Umgebung durchstarten

Möglich macht das das Qualifizierungschancengesetz von 2019. Die Arbeitsagentur übernimmt für den Arbeitgeber die Lohn- und Sozialversicherungskosten. Lediglich den Personalausfall muss das Unternehmen regeln. Dass der Aufwand sich lohnt, davon ist Thorsten Heidenpeter-Wader überzeugt. „Für unseren Verkaufserfolg ist unser Personal bestimmt zu 90 Prozent verantwortlich“, schätzt der Beckmann-Geschäftsführer.

Darauf setzt das Traditionsunternehmen aus Lüttringhausen auch weiterhin in einem schwieriger werdenden wirtschaftlichen Umfeld. Die Energiekrise und die steigenden Preise für Lebensmittel trifft die Bäckereibetriebe mit Wucht. Das bekommen die Verkäuferinnen als Erste zu spüren. „Statt zehn Brötchen nehmen manche Kunden nur noch sechs mit“, erzählen sie. Oder es gibt die Brötchen für viele Familien tatsächlich nur noch am Sonntag.

Im Energiesparen sind die „Beckmänner“ unterdessen geübt. Seit Jahren wandelt auf der Bäckerei im Industriegebiet Großhülsberg eine Photovoltaik-Anlage Sonne in Strom um. Und im Zweifel schaltet Chef Peter Beckmann persönlich den Backofen aus, der gerade nicht gebraucht wird.

Eine Energieeinsparung von 20 Prozent, die Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) erwartet, hält das Unternehmen deshalb für unwahrscheinlich. „Für uns“, sagt Thorsten Heidenpeter-Wader, „ist das tägliches Brot.“

Kontakt für Arbeitgeber

Qualifizierungschancengesetz - das klingt kompliziert. Doch Kirsten Korten, Personalverantwortliche bei der Beckmann GmbH & Co., KG, schildert das Verfahren als das genaue Gegenteil: „Das war wirklich easy“, sagt sie und zollt der Behörde großes Lob. Arbeitgeber, die es Beckmann gleichtun wollen, wenden sich an die Arbeitsagentur: solingen@arbeitsagentur.de

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