Aktion

Autoverkehr: 1200 laute Kinder schärfen die Sinne - So können Unfälle vermieden werden

Kurz vor dem großen Auftritt mit dem neuen „Siehst du mich?“-Banner: An der Burger Straße waren 200 Kinder dabei.
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Kurz vor dem großen Auftritt mit dem neuen „Siehst du mich?“-Banner: An der Burger Straße waren 200 Kinder dabei.

„Siehst du mich?“: Polizei, Grundschulen und Kitas werben für Aufmerksamkeit auf den Straßen.

Von Timo Lemmer

Remscheid. Einen schweren Unfall mit einem Grundschul- oder Kita-Kind hat es in Remscheid seit einigen Jahren nicht gegeben. Die Polizei tut dafür in Zusammenarbeit mit den Einrichtungen viel. Höhepunkt der Verkehrsausbildung im Bergischen Städtedreieck ist Jahr für Jahr die Aktion „Siehst du mich?“, die von Mittwoch bis Freitag stattfand. In in Remscheid nahmen 17 Schulen und 43 Kindergärten mit 1200 Kindern teil. Sie machten am Straßenrand auf sich aufmerksam.

Am Freitagmorgen hatten sich Kita Dicke Eiche und Grundschule Mannesmann zusammengeschlossen und an die Burger Straße gestellt. Zu hören war das von weitem: „Runter vom Gas! Runter von Gas!“, skandierten die Kinder in der morgendlichen Rushhour vom Gehweg aus. Manches Fußballstadion dürfte neidisch auf die Kinder geworden sein. Sie ermahnten verbal und mit Plakaten sowie Bannern die vorbeirauschenden Autos. „Siehst du mich?“, riefen sie sich ins Gedächtnis der Verkehrsteilnehmer.

Kurz nach der lautstarken Aktion sitzt Lehrer Markus Ziehr mit seinen Grundschülern im Klassenraum. In reflektierender Kleidung kommen sie zu reflektierten Gedanken, tauschen sich über das Projekt aus. Der stellvertretende Schulleiter beschreibt: „Es ist sehr wichtig, dass wir immer wieder alle Verkehrsteilnehmer sensibilisieren, vor allem in der dunklen Jahreszeit.“ Das betrifft den motorisierten Verkehr mit sichtbaren Aktionen wie am Freitagmorgen, das betrifft aber auch die jungen Schüler. „Wir sensibilisieren die Kinder immer wieder, vorsichtig zu sein.“

Polizei: Es gibt viele brenzlige Situationen für Kinder auf dem Schulweg

Größere Unfälle mag es zuletzt nicht gegeben haben, wie Hans-Jörg Holz bestätigt. Er leitet die Verkehrsunfallprävention im Polizeipräsidium Wuppertal. Das liegt auch an Bezirksbeamten wie Uwe Wargers und Christian Jörres, die in der Schulwegsicherung aktiv sind, oder den auch in Pension aktiven Stephan Keller.

Holz kennt trotzdem eine Vielzahl brenzliger Situationen. Manches taucht eben in der Statistik gar nicht erst auf. Häufiger gebe es leichte Rangierunfälle, berichtet Holz: Beim Wenden nutzen Autofahrer, in der Regel Eltern, den Fußweg gleich mal mit, fahren ein Kind leicht an. „Die rennen dann weg, die Eltern fahren weg, und es taucht offiziell nirgendwo auf.“

Elterntaxis sind den Polizisten und Schulen ein stetes Ärgernis. Das Phänomen lässt nicht nach. Dabei hat die Mannesmann-Schule sogar eine Zone eingerichtet, einige Hundert Meter von der Schule entfernt. „Wir freuen uns über alle Eltern, die den Schulweg zu Fuß üben. Es gibt viel zu viele Elterntaxis.“ Paradox: Gerade am Tag der Aktion sind es noch einmal mehr als sonst – die Lehrer vermuten die frühere Uhrzeit als Grund.

Lehrer: Viele Kinder wollen gar nicht gefahren werden

Bei den Kindern ist die Sensibilisierung in diesem Bereich eigentlich angekommen, sagt Ziehr: „Wir hören oft, dass die Kinder sagen, sie würden den Fußweg gerne mit den Eltern üben und dann zu Fuß zur Schule kommen.“ Dann aber würden viele Schüler berichten: „Ich werde dann trotzdem mit dem Auto gefahren.“ Holz bestätigt, dass die Eltern die wichtigsten Verkehrserzieher sind: „Sie sehen die Kinder 365 Tage im Jahr, wir und auch die Erzieher sowie Lehrer nicht.“

Ziehr hat übrigens über die Verkehrssicherheit hinaus gute, lebensnahe Gründe, warum Kinder nicht gefahren werden sollten – oder zumindest nicht bis vor die Einrichtung: Hätte man alles verpasst, was man früher selbst auf dem Schulweg erlebt und wahrgenommen hat, das Leben wäre um manch schöne Erinnerung ärmer.

Tipps der Verkehrsunfallprävention

Für Autofahrer: Ein Viertel aller Unfälle geschehe durch Ablenkung, weiß Hans-Jörg Holz. Er fordert erhöhte Aufmerksamkeit. „Und Tempo 30 ist nur bei optimalen Bedingungen erlaubt. Das heißt: Bei Kindergruppen Schrittgeschwindigkeit!“

Für Eltern und Kinder: Neben „Tagesleuchtfarben“ für die Kleidung gilt: üben, üben, üben. „Eltern spielen die entscheidende Rolle. Kinder müssen die Verkehrsabläufe kennen.“ Unter anderem: An der Bordsteinkante anhalten, bei geparkten Autos zweimal.

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