Autoren laden zu literarischen Reisen ein

Autorin Barbara Hampe entführte bei ihrer Lesung ins alte Lennep. Foto: Roland Keusch
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Autorin Barbara Hampe entführte bei ihrer Lesung ins alte Lennep. Foto: Roland Keusch

Die Welle verlegte das Lesefestival „Erlesen 2020“ wegen der Pandemie ins Internet

Von Peter Klohs

Kulturelle Veranstaltungen mit Publikumsbesuch sind untersagt. So dürfen sich die Institutionen glücklich schätzen, die in der Lage sind, ihre Events zu streamen, also dafür zu sorgen, dass Interessierte den Veranstaltungen im Internet folgen können. Das Lesefestival „Erlesen 2020“, das in unterschiedlichen Remscheidern Auftrittsorten an diesem Wochenende durchgeführt werden sollte, wurde programmmäßig etwas abgespeckt und gestreamt, zum Teil aufgezeichnet, zum großen Teil auch live.

Am Sonntagmorgen gab Dr. Sonja Klarhof, Mitarbeiterin im Röntgen-Museum, an ihrem Arbeitsplatz einen spannenden und amüsanten Einblick in das Leben von Wilhelm Conrad Röntgen. Klarhof griff dazu auf vier Bücher zurück, unter anderem auf „Anna, Phillip und das Leben des Herrn Röntgen“, geschrieben von Dr. Uwe Busch, Direktor des Röntgen-Museums. Aber auch „Nette Skelette“ von Jan Paul Schutten, das Sonja Klarhof „einen richtigen Schmöker“ nennt, wusste in der Lesung zu gefallen.

Die hauptsächlich an Jugendliche gerichtete Literatur verriet viel Nebenwissen. Röntgens Hobby, das Befassen mit Kristallen, wurde genau so erwähnt wie die Fischart Silberner Pampel, die bei der Erforschung der Röntgenstrahlen eine gewisse Rolle spielte.

Im Jugendzentrum „Die Welle“ ist am frühen Nachmittag diverse Technik aufgebaut worden. Die Lesung der Remscheider Autorin Barbara Hampe wird live ins Internet übertragen. In den Geschichten aus dem alten Lennep tauchen unheimliche Gestalten auf: Ein Spukgeist treibt sein Unwesen in einem alten Zollhaus, Räuber stehen vor den Toren Lenneps, ein Grenzstein ist Ausgangspunkt einer weiteren düsteren Geschichte, Fuhrleute und Bannsprüche spielen eine große Rolle.

Mit Michael Zeller geht es in die Ukraine

Hampe liest akzentuiert, verstellt ihre Stimme effektvoll und hat Spaß an ihrem Vortrag. Die Sprache der vorgelesenen Geschichte ist altmodisch und wirkt gestelzt, was den geschilderten Vorgängen etwas sehr Bodenständiges verleiht. Barbara Hampe schließt ihre 30 Minuten mit der Schilderung ab, wie man in alten Zeiten und ohne Geld auf pfiffige Weise an eine Flasche Hochprozentiges kam.

Ein weiterer Gast in der Welle, der 1944 im polnischen Breslau geborene und in Wuppertal lebende Michael Zeller, berichtete in seinem Buch „Die Kastanien von Charkiv“ und in bestechender Prosa von einem mehrmonatigen Besuch in der ukrainischen Stadt Charkiv, den er auf Einladung des ukrainischen PENs im Herbst 2019 erleben durfte.

Seine Schilderungen behandeln scheinbar einfache Spaziergänge durch die Stadt, die sich als extrem detailreich erweisen und einen ungeschönten, wenngleich prosaischen Blick auf das Alltagsleben in der Ukraine gestatten. Sie beziehen Cafés und den mäßigen Straßenverkehr ein, sprechen von „Satttrinken an Licht“, erweisen Straßenmusikern, die fantasievolle Paraphrasen spielen, die Ehre, erklären die Blumenlosigkeit der Innenstädte. Er berichtet über die Probleme zwischen Ukrainern und Russen.

„Russland ist nicht weit“, weiß Zeller, „keine zwei Dutzend Kilometer.“ Besonders angetan ist er „immer wieder von dieser Weite“, die man genießen kann, sobald man die Stadt auch nur wenige Meter verlässt. „Dieses Gefühl von Weite“, sagt der Autor, „hatte ich beinahe vergessen.“

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