Bundestagswahl 2021

Authentizität als Alleinstellungsmerkmal

Handball-Herren und -Damen sind sich einig: Wählen wollen sie auf jeden Fall gehen. Wo das Kreuzchen gemacht wird, steht hingegen meist noch nicht fest. Fotos: Michael Schütz
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Handball-Herren und -Damen sind sich einig: Wählen wollen sie auf jeden Fall gehen.

Die Handballerinnen und Handballer des LTV sind noch unentschlossen, wen sie wählen werden.

Von Sven Schlickowey

Remscheid. Ja, zur Wahl am 26. September gehen, wollen sie alle, da sind sich die Handballerinnen und Handballer des Lüttringhauser TV einig. Doch wo sie dann ihr Kreuz machen werden, das wissen die meisten auch wenige Wochen vor der Wahl noch nicht. „Das entscheide ich kurzfristig“, sagt Mike – und damit spricht der 41-Jährige vielen seiner Vereins- und Mannschaftskameraden offenbar aus der Seele.

Auch Mitspieler Alex (28) will seine Entscheidung erst „relativ knapp vor der Wahl“ treffen. Bis dahin möchte er sich noch Interviews mit den Kandidaten anschauen. Und den Wahl-O-Mat der Bundeszentrale für politische Bildung nutzen, um zu sehen, welches Wahlprogramm am besten zu seinen Ansichten passt.

Ein Plan, mit dem die Handball-Herren nicht ganz alleine dastehen. Denn auch Sarah, bei den LTV-Handballerinnen aktiv, ist unentschlossen und möchte sich erst noch informieren. Im Internet zum Beispiel. „Und Interviews gibt es derzeit ja auch reichlich.“ Ein Thema, auf das die 30-Jährige, außerhalb des Handballfeldes Lehrerin an einem Gymnasium, dabei besonders achten wird, ist Bildungspolitik.

Ihr Mitspielerinnen Annika (31) und Franziska (24) haben da eher den Klimawandel im Blick, nicht erst seit dem Hochwasser Mitte Juli, wie sie sagen. Derweil interessiert sich Anna-Lena vor allem für Fragen rund ums Thema Pflege. Aus eigener Betroffenheit, sie arbeitet in der Branche. Ob ihr das wirklich helfen wird, eine Wahlentscheidung zu treffen, sei aber fraglich, gibt die 27-Jährige zu: „Viel versprechen tun da ja alle.“ Wer wirklich etwas von seinen Versprechungen umsetze, sei dagegen derzeit noch völlig unklar.

Wo das Kreuzchen gemacht wird, steht hingegen meist noch nicht fest.

„Die Themen standen noch nie so im Mittelpunkt wie in diesem Jahr“, ist Oli überzeugt. Dass so viel Theater um die Kanzler- und Spitzenkandidaten gemacht wird, bezeichnet der 30-Jährige schlicht als „Augsburger Puppenkiste“. Stattdessen interessiert er sich vor allem für Sicherheitspolitik: „Ich will wissen, wie die unser Land schützen wollen.“

Dass man die Kandidaten dabei aber nicht ganz ausblenden kann, davon geht Sarah allerdings doch aus: „Man guckt da ja schon irgendwie drauf.“ Doch selbst bei den Handball-Damen genießen weibliche Bewerber dabei keinen Bonus, darin sind sich die Spielerinnen einig: „Das ist ja keine Frauenfrage, sondern eine Kompetenzfrage“, fasst es Caro (27) knapp zusammen.

Wobei nicht etwa die Kandidaten vor Ort, sondern eher das Spitzenpersonal der Parteien auf Bundesebene gemeint ist, wie Damen- und Herrenteam übereinstimmend erklären. „Ich guck mir die Hauptfiguren an“, sagt zum Beispiel Alex. Auch wenn die derzeit eher einen lahmen Wahlkampf abliefern, wie Mannschaftskollege Oli meint: „Da geht es doch nur noch darum, Fehler zu vermeiden.“

So lange jeder noch so kleine Patzer vom politischen Gegner ausgeschlachtet werde, könne kein Kandidat „klare Kante“ zeigen, sagt Oli noch. Dabei würde er sich genau das wünschen, wie Mitspieler Florian sagt. Der 21-Jährige wird zum ersten Mal bei einer Bundestagswahl mitmischen – und würde am liebsten einen authentischen Kandidaten wählen. „Das wäre mal ein Alleinstellungsmerkmal, da könnte ich sogar zum Stammwähler werden.“

Ansonsten ist die Zeit der Stammwähler, die ihr Leben lang einer Partei treu bleiben, offensichtlich vorbei. In beiden Teams findet sich nur einer, der bei allen bisherigen Wahlen immer die gleiche Partei gewählt hat. „Das hat mir, als ich das erste Mal gewählt habe, am besten gefallen und tut es immer noch“, sagt Oli. Mannschaftskamerad Alex (35) hingegen hat seine Stimmen regelmäßig an andere Gruppierungen gegeben. „Und ich werde von Wahl zu Wahl unentschlossener.“

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