Terminnot beim Bürgerservice löst Ärger aus

Ausweise werden weiterhin anerkannt

Termine bei der Meldebehörde sind derzeit Mangelware. Doch der Personalausweis wird meist auch abgelaufen anerkannt. Archivfoto: Roland Keusch
+
Termine bei der Meldebehörde sind derzeit Mangelware. Doch der Personalausweis wird meist auch abgelaufen anerkannt.

Mehr als drei Monate hat RGA-Leser Uwe Hansen sowohl telefonisch als auch via Internet versucht, einen Termin zur Verlängerung seines Personalausweises und des Reisepasses zu bekommen.

Von Alexandra Dulinski

Remscheid. Vergeblich – erst mit einer Beschwerde-E-Mail hatte er Erfolg. Online würden immer wieder Termine freigeschaltet werden, habe man ihm zuvor immer wieder gesagt. „Online waren aber immer alle Termine vergeben. Ich kann ja auch nicht jeden Tag vor dem Computer sitzen“, sagt er. Noch könne er zwar nicht reisen, sein Personalausweis laufe aber bald ab und er wolle vorbereitet sein. „Da ist man machtlos.“

Remscheid: Erhöhte Zahl an abgelaufenen Ausweisen schafft Probleme

Tabitha Henn, Abteilungsleiterin im Bürgerservice, erklärt, woher die Terminnot stammt. Im vergangenen Jahr habe es eine erhöhte Zahl an abgelaufenen Ausweisen gegeben. Zum einen, weil der neue Ausweis, der im Jahr 2010 eingeführt wurde, 2020 seine Gültigkeit verloren hat. „Zum anderen hatten wir wegen Corona vier Wochen geschlossen, da hat sich ein bisschen was angesammelt“, sagt Henn.

Termine für Kfz-Zulassungen wurden deswegen erstmal an private Zulassungsdienste ausgelagert. „Seit Januar bieten wir diese Termine aber wieder an.“ 120 dieser Zulassungsanträge habe es im Januar gegeben, 725 im Februar und 893 bis Ende März. Das wirke sich auf die anderen Bereiche im Bürgerservice aus.

Remscheid: Termine werden blockiert

Montagmorgens werden online stets die Termine für in drei Wochen freigegeben. Tabitha Henn bittet jeden, der seinen Termin nicht wahrnehmen kann oder möchte, diesen zu stornieren. „Das ist ein ganz großes Problem, dass Leute einen Termin blockieren“, sagt sie. An einem Dienstag habe sie 38 solcher nicht wahrgenommenen Termine gezählt. Werde ein Termin storniert, stehe dieser im Netz sofort wieder zur Verfügung.

Remscheider müssen sich aber keine großen Sorgen machen: „Seit Beginn der Pandemie werden weder im Meldewesen – beispielsweise bei Ummeldungen – noch im Ausweiswesen Verwarngelder erhoben“, sagt Henn. „Wir wissen, dass die Bürgerinnen und Bürger nichts dafür können.“ Der Ausweis sei zwar nicht länger gültig, werde aber von vielen Stellen über die Gültigkeitsdauer hinweg anerkannt. Verwarngelder könne dabei nur die Meldebehörde des Wohnortes einleiten. Wie es aber aussieht, wenn man mit einem abgelaufenen Dokument verreisen wolle, darüber müsse man sich vorher informieren.

Das Team im Bürgerservice arbeite derzeit an verschiedenen Lösungsansätzen. „Durch die immer neuen Corona-Maßnahmen müssen wir gucken, dass wir auch coronakonform arbeiten. Ich darf nicht riskieren, dass sich ein Mitarbeiter infiziert, sonst ist der Laden zu“, sagt Henn. Sie könne aber schnell reagieren – sollte das Reisen im Sommer wieder möglich sein, steige die Nachfrage nach Pässen und Ausweisen.

Standpunkt: Das nächste Brennglas

sven.schlickowey @rga.de

Kommentar von Sven Schlickowey

Dass Corona bei den Problemen dieses Landes wie ein Brennglas wirkt, gehört zu den Phrasen, die man eigentlich nicht mehr hören mag. Die aber trotzdem unverändert gelten. Im Großen. Aber auch im Kleinen, wie beim Remscheider Bürgeramt. Da lief schon vor der Pandemie nicht alles rund, mit dem Virus aber werden die Wartezeiten für die Bürger teils absurd lang. Dabei, das zeigen Untersuchungen, gehen bei einem durchschnittlichen Behördengang, der rund zweieinhalb Stunden dauert, nur 25 Minuten für die eigentliche Behördentätigkeit drauf. Der Rest in Anreise – und vor allem Warten. Völlig überflüssig, wenn man bedenkt, dass man in Ländern wie Estland und Litauen 90 Prozent aller Behördengänge online erledigen kann. In Deutschland ist es etwa ein Viertel. Auch das haben wir so lange verschlafen, dass es uns heute auf die Füße fällt. Auch da wirkt Corona wie das sprichwörtliche Brennglas, selbst wenn das niemand mehr hören mag. Auch da kann man nur hoffen, dass es nicht wieder vergessen wird, wenn die Pandemie überwunden ist.

Das könnte Sie auch interessieren

Unsere News per Mail

Nach der Registrierung erhalten Sie eine E-Mail mit einem Bestätigungslink. Erst mit Anklicken dieses Links ist die Anmeldung abgeschlossen. Ihre Einwilligung zum Erhalt des Newsletters können Sie jederzeit über einen Link am Ende jeder E-Mail widerrufen.

Die mit Stern (*) markierten Felder sind Pflichtfelder.

Meistgelesen

„Vereinigte Hüttenwerke“ verschwinden am Remscheider Rathaus
„Vereinigte Hüttenwerke“ verschwinden am Remscheider Rathaus
„Vereinigte Hüttenwerke“ verschwinden am Remscheider Rathaus
Führerscheine gibt es nur nach Priorität
Führerscheine gibt es nur nach Priorität
Führerscheine gibt es nur nach Priorität
Elektroschrott für Schulen zu gefährlich
Elektroschrott für Schulen zu gefährlich
Elektroschrott für Schulen zu gefährlich
Zweitimpftermine für Remscheider der Sonderimpfaktion am 18. Mai
Zweitimpftermine für Remscheider der Sonderimpfaktion am 18. Mai
Zweitimpftermine für Remscheider der Sonderimpfaktion am 18. Mai

Kommentare