Ereignis

Aussichten für die Mondfinsternis sind bestens

Beobachtet mit nicht nachlassender Begeisterung den Sternenhimmel mit dem Teleskop Peter Stolzen – und nutzt diese Gelegenheit natürlich sehr gerne bei solchen Besonderheiten wie der Mondfinsternis (kleines Foto) vom 28. September 2015. Fotos: Peter Stolzen
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Beobachtet mit nicht nachlassender Begeisterung den Sternenhimmel mit dem Teleskop Peter Stolzen – und nutzt diese Gelegenheit natürlich sehr gerne bei solchen Besonderheiten wie der Mondfinsternis vom 28. September 2015.
  • Thomas Wintgen
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Längste Verdunklung des Jahrhunderts steht bevor. Der Mars ist der Erde so nah wie selten. Optimal: Blick nach Südost bis zum Horizont.

Von Thomas Wintgen

Seit der partiellen Sonnenfinsternis 1961 beschäftigt sich Peter Stolzen intensiv mit Astronomie. Heute leitet er unter anderem Führungen durch die Hans-Schäfer-Sternwarte und ist Beirat im Vorstand des Astronomischen Vereins Remscheid. Aktuell bereitet er sich auf eine Reise nach Windhoek vor – zu einem ganz besonderen astronomischen Ereignis: der längsten Mondfinsternis dieses Jahrhunderts, die einhergeht mit einer so genannten „Mars-Opposition“.

Das bedeutet: Der Mars steht der Sonne gegenüber. Dazu kommt, dass der „rote Planet“ der Erde gerade so nahe ist, wie es nur etwa alle 18 Jahre vorkommt. Stolzen sagt: „Das wird auch für Remscheid interessant werden. Er möchte insbesondere deshalb vorab darüber informieren, damit niemand auf die Idee kommt, dass da in der Nähe des roten Mondes („Blutmondes“) ein unbekanntes Flugobjekt (UFO) zu sehen wäre. „Denn das wird der Mars sein“, sagt Stolzen.

Er hat eine Übersicht der Mars-Oppositionen von 2003 bis 2022 dabei und erläutert im Gespräch mit dem RGA: „Es gibt erdnahe und erdferne Oppositionen. 2012 beispielsweise habe es sich um eine erdferne gehandelt. Erdnahe Oppositionen sind entgegen der Mutmaßungen weniger attraktiv, weil nur sehr tief südlich zu sehen, als erdferne, die meist im Winterhalbjahr, dafür aber gut zu sehen sind – wenn auch die so genannten „Mars-Scheibchen“ nicht so groß seien.

Aktuell schätzt Stolzen die Phase, da der Mars vergleichsweise gut zu sehen sein wird, auf etwa zwei Wochen. Er wird der Erde – „erdnah“ auf etwa 57,6 Millionen Kilometer nahe kommen – das ist etwas mehr als die Hälfte der Distanz von 2012 („erdfern“); vor sechs Jahren war der „rote Planet“ rund 160,8 Millionen Kilometer entfernt.

„Wir stehen auch international in einem regen Austausch“

Peter Stolzen, Hobby-Astronom

Peter Stolzen macht allen Remscheidern Mut: „Suchen Sie sich einen Standort, von dem aus Sie im Idealfall Richtung Südsüdost schauen können – und zwar bis zum Horizont.“ Damit meint er, dass ein naher Wald oder gar eine hohe Häuserzeile trotz idealer SSO-Ausrichtung optisch unüberwindbare Sichthindernisse bedeuten. Als optisches Hilfsmittel empfiehlt der begeisterte Hobby-Astronom ein Fernglas mit der Brennweite 8 x 30.

Der Fahrplan des Jahrhundert-Ereignisses (langer „Blutmond“ und Mars-Nähe) sieht so aus: Mondaufgang 21.18 Uhr mitteleuropäischer Sommerzeit (MESZ), Beginn der „Totalität“ (völlige Mondfinsternis) 21.30, Ende der Totalität 23.14 Uhr; Austritt des Vollmonds aus dem Kernschatten der Erde 0.19 Uhr.

Peter Stolzen verfolgt das Ereignis in Windhoek

Peter Stolzen selber wird übrigens, während seine astronomischen Freunde hier in die Ferne schauen, den Blick eher in Richtung Zenit richten. Er fliegt nämlich am Montag nach Windhoek in Namibia, eingeladen von Sonja Itting-Enke. Die 1930 in Ostthüringen aufgewachsene Tochter eines bekannten Ingenieurs war 1957 dorthin ausgewandert. Kurz darauf trennte sie sich von ihrem Mann und baute eine Sternwarte auf.

Die findet sich heute 18 km südlich Windhoeks hinter der Auasbergkette, die das Licht der Stadt von den Astronomen fernhält. Die Warte trägt den Namen „Cuno-Hoffmeister- Memorial-Observatory“. Cuno Hoffmeister ist der Begründer der Sternwarte Sonneberg in Thüringen. Heute ist Sonja Itting-Enkes Warte in zwei Bereiche geteilt. Die Dachsternwarte wird hauptsächlich von Wissenschaftlern genutzt; ein weiterer Bereich dient als Schulsternwarte und steht der Öffentlichkeit und für die Zusammenarbeit mit Schulen zur Verfügung.

SONDERBEOBACHTUNG

TERMIN 1 Am Freitag, 27. Juli (21 bis 24 Uhr) sind – nur bei wolkenlosem Himmel – Mondfinsternis und Mars zu sehen.

TERMIN 2 Am Donnerstag, 16. August (21.30-23 Uhr) ist – nur bei wolkenlosem Himmel – der Mars zu sehen.

EINTRITT Frei – Spenden sind freilich willkommen.

ÖFFNUNGSZEITEN Die Sternwarte ist jeden 1. und 3. Donnerstag (20-21.30 Uhr) geöffnet, nur nicht in den Sommerferien.

ADRESSE Schützenplatz 2 in 42853 Remscheid.

Peter Stolzen freut sich natürlich auf die Gelegenheit, auf der wissenschaftlichen Etage der Sternwarte; dort schaut niemand gen Südsüdost an den Horizont, sondern schauen alle senkrecht nach oben. „Wir betreiben auch personelle einen regen internationalen Austausch zwischen den Astronomischen Vereinen“, berichtet er. Und versichert den Remscheidern noch einmal: „Sie können das Naturschauspiel voraussichtlich auch mit bloßem Auge verfolgen.“

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