Stadtwerke mussten bereits Fahrpläne reduzieren

Ausfälle durch Omikron-Welle: So steht es um die kritische Infrastruktur in Remscheid

Krankenhäuser, Stadtwerke, Verwaltung, Feuerwehr und andere Bereiche der öffentlichen Infrastruktur kämpfen mit den Folgen der Omikron-Welle, die derzeit durch Remscheid rollt.
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Krankenhäuser, Stadtwerke, Verwaltung, Feuerwehr und andere Bereiche der öffentlichen Infrastruktur kämpfen mit den Folgen der Omikron-Welle, die derzeit durch Remscheid rollt.

Die Omikron-Welle hat Remscheid zurzeit fest im Griff. Beinahe täglich gibt es bei den Neuinfektionen neue Höchstwerte. Quarantänen und Krankheitsfälle haben inzwischen auch Auswirkungen auf die kritische Infrastruktur in Remscheid.

Von Timo Lemmer und Sven Schlickowey

Remscheid. Einschränkungen beim Standesamt und in der Führerscheinstelle, Ausfälle auf den Buslinien, kurzfristig geschlossene Arztpraxen: Die Omikron-Welle grassiert in Remscheid und hat längst auch Auswirkungen auf die sogenannte kritische Infrastruktur.

Bei den Stadtwerken zum Beispiel seien derzeit etwa 50 von 170 Busfahrern krank oder in Quarantäne, berichtet Armin Freund, Geschäftsbereichsleiter Mobilität. Darauf reagieren die Verkehrsbetriebe nun und stellen ab Donnerstag auf den Ferienfahrplan um. So wie sonst nur in den Schulferien, wird die Zahl der täglichen Fahrten merklich reduziert, vorerst für zwei Wochen. Nur im morgendlichen Schulverkehr soll ungefähr alles beim Alten bleiben.

„Wir tun alles, was wir können.“

Armin Freund, Stadtwerke

Dafür werde man individuelle Verbindungen schaffen, so Freund: „Schule ist uns heilig.“ Andere Möglichkeiten gebe es kaum mehr, um die Ausfälle zu kompensieren: Alle Verwaltungsmitarbeiter mit Bus-Schein seien bereits im Fahrbetrieb, ein externer Dienstleister voll eingebunden. „Wir tun alles, was wir können.“

Erneut fallen am Mittwoch einzelne Busfahrten der Stadtwerke aus.

Ebenfalls einige Ausfälle, insgesamt aber eine stabile Lage meldet die Kassenärztliche Vereinigung. Die Kreis-Vorsitzende Dr. Bettina Stiel-Reifenrath erklärt, dass Grenzwerte festgelegt worden seien: Nicht mehr als 15 Prozent der Haus- oder 50 Prozent der Fachärzte dürfen ohne Vertretung wegfallen. „Inzwischen kommt es wöchentlich vor, dass Praxen aufgrund von Omikron schließen müssen“, sagt Stiel-Reifenrath. Vier Fachärzte waren das vergangene Woche, zu Beginn dieser Woche kam eine Hausarzt-Praxis dazu. Aber: Die Versorgung der Patienten durch Vertreter sei durchweg gewährleistet.

Hoher Krankenstand bei den Stadtwerken: Ab Donnerstag gilt der Ferienfahrplan

Von Feuerwehr und Polizei heißt es derweil: „Alles im grünen Bereich.“ Feuerwehrchef Guido Eul-Jordan berichtet, aktuell seien coronabedingt nur zwei Mitarbeiter außer Gefecht – die Spitze lag bei einem halben Dutzend. Bei 150 Mitarbeitern hatte das nicht zu Buche geschlagen. „Zumal aktuell die üblichen Krankheiten wie Grippe nahezu wegfallen.“ Ähnliches berichtet Polizeisprecher Stefan Weiand. „Insgesamt lässt sich sagen, dass wir bisher nur sehr wenige Ausfälle wegen Corona hatten.“ Um die Einsatzfähigkeit aufrechtzuerhalten, seien bei Polizei und Feuerwehr die Kontakte untereinander schon länger deutlich reduziert. „Das Pandemiekonzept baut darauf und greift“, so Weiand,

Auch die Kliniken mussten bis dato keine Verschiebungen von Operationen veranlassen, wie Sana-Klinikum und Fabricius-Klinik auf RGA-Anfrage mitteilen. „Auch wir haben Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Quarantäne“, sagt Katharina Stratos für Sana, „die Ausfälle können wir jedoch derzeit noch angemessen kompensieren.“ Das unterstreicht auch Susanne Kuczera für Fabricius: Die Personalausfälle seien höher als sonst zu dieser Zeit, bisher musste aber nicht einem Patienten abgesagt oder eine OP verschoben werden. Sollte die Lage sich zuspitzen, verfüge man über Konzepte wie flexible Arbeitszeitmodelle, um dies abzufedern.

Bei der Verwaltung schlage Omikron eher punktuell zu, berichtet Sozialdezernent Thomas Neuhaus. Zu Ausfällen komme es in Bereichen, in denen Mitarbeiter nicht ohne weiteres vertreten werden können („Die Lizenz zum Trauen hat nicht jeder“) und da, wo Kontakte unvermeidbar seien. In Neuhaus´ Dezernat seien zum Beispiel aktuell 66 Mitarbeiter in Quarantäne oder Isolation – davon 42 in den Kitas.

Trotzdem sei der Betrieb nicht gefährdet, versichert der Dezernent. Neben den üblichen und noch einmal überarbeiteten Sicherheitsvorkehrungen sorgt dafür eine Priorisierung der Aufgaben: Wenn Mitarbeiter aus den Bereichen Sicherung der Daseinsvorsorge oder Sicherheit und Ordnung ausfallen, rücken andere aus weniger wichtigen Bereichen nach. „Sollte das nicht mehr funktionieren, entscheidet der Krisenstab, wie es weitergeht“, sagt Neuhaus: „Aber davon sind wir noch meilenweit entfernt.“

Hintergrund

Quarantänen: Die Stadt hat per Allgemeinverfügung veranlasst, dass die Kinder der gesamten Kita Rappelkiste mit Besuchstag 4. Februar, sowie die Kinder der gesamten Tagespflege Kinderland (3./4. Februar) in Quarantäne müssen.

Impfung: Im Zentrum Süd werden ab heute auch Personen ab 12 Jahren terminfrei geimpft.

Ausfälle: Für Mittwoch sind Busausfälle auf acht Linien angekündigt, unter anderem gibt es Einschränkungen bei den Linien 240 und 655. Alle Ausfälle online: stadtwerke-remscheid.de

Standpunkt: Der Wert eines Berufs

Kommentar von Sven Schlickowey

sven.schlickowey@rga.de

Pfleger, Erzieher und nun die Busfahrer – die Liste der Berufe, deren Wert wir in der Pandemie ganz neu schätzen lernen, wird immer länger. Dazu kommen die Maler, Dachdecker und Elektriker, auf die wir immer länger warten müssen. Und die Zerspaner, Schmiede und Industriemechaniker, deren Mangel uns Wirtschaftswachstum und damit Wohlstand kostet. Dass die Pandemie und ihre Folgen hier wie ein Brennglas wirken, ist oft genug beschrieben worden. Geht man aber ein paar Schritte zurück, müssen wir uns eingestehen, dass die Basis dafür lange vor Corona gelegt wurde. Weil das Ansehen eines Berufes offenbar eher an der Kleidung und dem Grad ihrer Verschmutzung festgemacht wurde, als an seiner Bedeutung für die Gesellschaft. Weil Menschen, die sich für einen Sozialberuf entscheiden, das aus Überzeugung tun und weniger wegen des Geldes. Und weil Arbeitgeber das ausnutzen. Weil Eltern wollen, dass es dem Kind mal besser geht. Und sie ihm damit die Wahlmöglichkeit nehmen, was dieses besser eigentlich ist. Das fällt uns nun auf die Füße.

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