Gegen Gewalt an Frauen

Lesung: Aus Wut können Frauen Kraft schöpfen

Lesung zum Internationalen Tag gegen Gewalt an Frauen: Ciani-Sophia Hoeder stellte ihr Buch „Wut und Böse“ vor.
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Lesung zum Internationalen Tag gegen Gewalt an Frauen: Ciani-Sophia Hoeder stellte ihr Buch „Wut und Böse“ vor.

Die Autorin Ciani-Sophia Hoeder war zu Gast im Westdeutschen Tourneetheater.

Von Sabine Naber

Remscheid. Auf Einladung der Remscheider Frauenberatung und dem Runden Tisch gegen Gewalt war die Autorin Ciani-Sophia Hoeder mit ihrem Buch „Wut und Böse“ ins Westdeutsche Tourneetheater gekommen. Anlass ihrer Lesung war der Internationale Tag gegen Gewalt an Frauen.

Die Journalistin legte keinen Lebensratgeber vor, sondern wies auf ein strukturelles Problem hin, angereichert durch wissenschaftliche Studien und Erkenntnisse. „Ich habe über Wut und Weiblichkeit geschrieben. Früher habe ich keine Möglichkeit gefunden, mich mit Wut zu verbinden. Ich war nicht wütend, ich war traurig“, erzählt sie. Aber ihre Mutter habe richtig wütend werden können.

Bei welchen Gelegenheiten das der Fall war und wie das aussah, las sie vor: „Meine Mutter hat uns alleine erzogen. Das Geld war immer knapp. Nach einem Einkauf im Supermarkt entdeckte sie einen Fehler, sie hatte zu viel bezahlt.“ Die Frau an der Kasse habe ihr gesagt, sie solle warten. „Wir warteten und warteten, bis meine Mutter verlangte, den Chef zu sprechen. Wieder warteten wir. Dann schrie meine Mutter vor Wut immer lauter. Die Leute um uns herum taten sie als laut und hysterisch ab. Das war meine erste Lektion, dass es wohl besser war, seine Wut nicht zu zeigen. Dabei ist Wut eine Kraft, mir war sie damals allerdings nur peinlich.“

Aber weil ihre Mutter sie gelehrt habe, für ihre Rechte einzustehen, auch wenn es mal ungemütlich wird, habe sie jetzt eine kleine Anleitung zum Wütendwerden geschrieben. Denn die Wut sei ein Signal, das darauf hinweist, dass etwas nicht stimmt. Ohne Wut gebe es keine Veränderung. Hoeder lud ihre Zuhörerinnen zu einem kleinen Spiel ein: „Ich lese Adjektive vor und ihr sagt mir, ob sie weiblich, männlich oder beides sind.“ Bei hysterisch und emotional wurde „beides“ gerufen, bei cholerisch männlich, bei anstrengend weiblich – um nur einige Beispiele zu nennen.

Dann las die Journalistin Passagen aus ihrem Buch, in denen sie wütende Frauen zitiert. Zum Beispiel eine Krankenpflegerin, die „Bitch der Station“ genannt wird, weil sie ihre eigenen Grundsätze von Pflege verfolgt. Hoeder erzählt von übergriffigem Verhalten bei einem Netzwerktreffen, bei dem der neben ihr sitzende Veranstalter unter dem Tisch seine Hand auf ihr Bein legte. „Ich schob sie weg. Aber vielleicht wäre es wirkungsvoller gewesen, ich hätte laut gesagt: Nimm deine schmierige Hand von meinem Bein.“

Die eigenen Wünsche über dasHarmoniebedürfnis stellen

„Verbünde dich, stell' deine eigenen Wünsche mal über dein Harmoniebedürfnis“, heißen einige der Strategien, die Ciani-Sophia Hoeder zusammengetragen hat. Wohlwissend, dass das weiblich erzogenen Frauen schwerfällt.

In der anschließenden Diskussion waren sich die Zuhörenden uneins. „Die Wut unter Kontrolle zu halten, ironisch zu werden, finde ich besser“, hieß auf der einen Seite. „Ruhig wütend sein, Kraft zeigen. Und nicht versuchen, die Wut durch Yoga weg zu meditieren“, auf der anderen.

Ciani-Sophia Hoeder: „Wut und Böse“, hanserblau, 208 Seiten, 18 Euro.

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