Meine erste Platte

Aus dem Bauch heraus kaufte sie die LP vom Musical „Hair“

Die deutsche Version des Musicals „Hair“ war die erste Platte von Ute Lennartz-Lembeck. In Zeiten des Vietnam-Kriegs war die Musik von Liebe und Frieden besonders politisch.
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Die deutsche Version des Musicals „Hair“ war die erste Platte von Ute Lennartz-Lembeck. In Zeiten des Vietnam-Kriegs war die Musik von Liebe und Frieden besonders politisch.

Ute Lennartz-Lembeck bekam mit 14 Jahren einen Plattenspieler.

Von Peter Klohs

Remscheid. „Meine Tante war eine Auto-Närrin“, erinnert sich Ute Lennartz-Lembeck. „Ich fuhr oft mit ihr. Und immer lief das Autoradio, zumeist auf einen Sender eingestellt, der Schlager dudelte. Die kannte ich alle. Ich war vielleicht sechs Jahre alt, und das war meine erste Berührung mit Musik.“ Die sie seitdem nicht mehr losgelassen hat. „Musik ist ein Lebensausdruck“, sagt sie überzeugt und erzählt von ihrer Großmutter, die Marschmusik mochte.

Aber die Geschichte zu ihrer ersten Platte ist eine ganz andere. „Als ich 14 Jahre alt war, hatte ich keine Ahnung von politischen Zusammenhängen“, erzählt die Künstlerin. „Aber ich weiß, dass ich in Tränen ausgebrochen bin, als ich vom Krieg in Vietnam erfuhr. Das fand ich ganz furchtbar. Und kurz vor meiner Konfirmation bekam ich einen Plattenspieler geschenkt. Ich lief sofort los und kaufte aus dem Bauch heraus ‚Haare‘, die deutsche Version des Musicals ‚Hair‘, das sich ausgiebig mit Liebe und Frieden beschäftigt. Ich hatte keine Ahnung, welche Musik mich erwartete. Der Kauf geschah instinktiv. Ich kann das nicht besser erklären.“ Muss sie auch nicht. Viele Musikfreunde verstehen das sicher gut.

Musikbegeisterter Bruder war ein Fixpunkt

Ihr Interesse an Musik erwachte mit zunehmendem Alter. Ein Fixpunkt war dabei Utes Bruder, der nicht nur musikbegeistert, sondern auch „der absolute Sound-Fanatiker“ ist. Auf dessen hochspezifizierter Anlage hörte sie die Dire Straits („Die haben immer einen ganz speziellen Sound, den mein Bruder absolut liebte“) und Supertramp. Die Hamburger Band Tocotronic lernte sie ebenfalls lieben. Aber auch das Radio war nach wie vor Bestandteil der musikalischen Neuentdeckungen: Mal Sondock, Formel 1, das Übliche. Joy Division, die Pet Shop Boys, Marc Almond – alles Namen aus dieser Zeit. Ute Lennartz-Lembeck gründete mit zwei musikaffinen Freunden einen Plattenclub, der sich gegen Mitte der 80er Jahre auflöste. „Da kam die CD auf“, erinnert sie sich. „Und ich war erst einmal ein Gegner dieses elektronischen Mediums. Aber irgendwann konnte man sich nicht mehr dagegen wehren.“

Sie hat immer und gerne viele Konzerte besucht. „Ich war auf so vielen Konzerten, dass ich immer das Gefühl habe, bei einer Aufzählung große Namen zu vergessen.“ Die Konzerte, die einen bleibenden Eindruck hinterlassen haben: Pink Floyds The-Wall-Tour, die sie in der Dortmunder Westfalenhalle erlebte; Peter Gabriel, mit und ohne Genesis; Nina Hagen. Das Größte war für sie ein Konzert der britischen Gothic-Band The Cure. „Das hat mich schier umgeblasen“, berichtet sie.

Der harte Rock ist allerdings nicht ihr Ding. Zusätzlich macht sie um House und Acid einen großen Bogen. Klassik geht. „Ich kann Klavier spielen“, sagt die Remscheiderin, „und als Pianistin ist man mit Klassik ja sozusagen verbunden.“ Zu Jazz hat sie keine Beziehung („Nie gehabt“) und zum Schlager hat sie eine knappe, aber eindeutige Meinung: „Nee!“ Das nutze sich so schnell ab, findet sie. „Wie die Neue Deutsche Welle. In den 80ern fanden wir das alle cool, aber jetzt. . .“

Ihre Kinder, 27 und 30 Jahre alt, sind von der Mutter infiziert. „Ich habe denen oft Mixed-Tapes hergestellt. Und irgendwann fingen sie an, die Band Fleetwood Mac zu hören. Fand ich toll.“ Schade findet Lennartz-Lembeck, dass sie nie die Gelegenheit hatte, David Bowie live zu sehen. „Und das ist jetzt ja auch nicht mehr möglich.“ Sie fand die Beatles klasse, mochte die Stones nicht und findet „Insanely alive“ des Remscheiders Wolfgang Tillmanns „viel zu unterschätzt. Das klingt wie die Pet Shop Boys.“

Ihre Plattensammlung hat jetzt ihr Sohn, der in Berlin lebt. „Ich vermisse sie nicht. Heute streame ich.“

Zur Person

Ute Lennartz-Lembeck wurde 1960 in Remscheid geboren und lebt seitdem – mit einigen Unterbrechungen – in ihrer Geburtsstadt. Sie erhielt eine Ausbildung zur Kunstpädagogin, ist aber auch gerne als freie Künstlerin tätig. Ihr Schwerpunkt liegt auf sozialen Kunstprojekten. Heute hört sie nicht mehr viel Musik. „Wenn ich den ganzen Tag beschäftigt bin, dann habe ich danach eher das Bedürfnis nach Ruhe.“

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