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Auf Klassenfahrten wird der Chef auch mal den Bus steuern

Seit 1. Juni Schulleiter an der Albert-Schweitzer-Realschule: Thorsten Schmalt.
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Seit 1. Juni Schulleiter an der Albert-Schweitzer-Realschule: Thorsten Schmalt.
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Thorsten Schmalt ist neuer Leiter der Albert-Schweitzer-Realschule.

Von Andreas Weber

Remscheid. Thorsten Schmalt bezog sein Büro in der Albert-Schweitzer-Realschule in der hektischten Phase des Schuljahres. Gewünscht hätte er sich einen Wechsel zum Schuljahresanfang im August, aber aus rechtlichen Gründen musste es schneller gehen. Dreieinhalb Wochen vor den Ferien nahm der neue Schulleiter seinen Dienst auf. Alles kennenzulernen, dafür blieb dem 51-jährigen Wermelskirchener nicht genug Zeit. Vor allem, sich bei 701 Schülern und dem 60-köpfigen Kollegium vorzustellen.

„Ich habe es mir aber im Rahmen eines 100-Tage-Programms fest vorgenommen“, kündigt der Nachfolger von Jörg Bergemann an. Alle Klassen wird er einmal besuchen, jeden Kollegen persönlich zu einem Kennlerngespräch bitten, sich auch mit Lehrerrat und SV zusammensetzen. Die Sommerferien wird er nutzen, sein Büro in Hückeswagen leer- und sein Dienstzimmer in Lennep einzuräumen.

Seit 2005 war Schmalt an der Realschule Hückeswagen, ab 2011 als Konrektor. Angekommen ist er in seiner neuen beruflichen Heimat. Die ersten Eindrücke sind positiv: „Wenn ich morgens über den Schulhof laufe, werde ich immer freundlich und nett von Schülern begrüßt, die mich eigentlich noch nicht kennen.“ Gute Erziehung zählt Schmalt zu den Soft Skills, die andeuten, auf was für eine Schülerschaft er trifft. Auch vom Kollegium fühlt er sich bestens aufgenommen.

Aus erster Hand weiß er, dass die Albert-Schweitzer einen sehr guten Ruf über die Stadtgrenzen besitzt. Seine 2014 verstorbene Ehefrau, die einst diese Realschule besuchte, hat ihm davon vorgeschwärmt. Dabei hatte Thorsten Schmalt bei seiner Ausbildung andere Pläne. Sein Referendariat absolvierte er um die Jahrtausendwende am GBG. Zu einer Zeit, als den Studenten klar signalisiert wurde, dass sie später auf der Straße stehen würden. „Ich wollte ans Gymnasium, die Realschule hatte ich nicht auf dem Schirm.“

Die Jobangebote ließen den Rhein-Berger umdenken. 2003 stieg er an der Realschule Overath ein. Heute ist er ein glühender Anhänger der Realschule. „Die Mischung aus gezielter Berufsvorbereitung wie die erfolgreiche Vorbereitung für die gymnasiale Oberstufe ist unser Markenkern. Da sind wir führend“, erklärt Schmalt, dessen Fächer Physik, Biologie und Geografie sind.

Hilda-Heinemann-Schule in die Bildungslandschaft integrieren

Ideen zur Weiterentwicklung bringt er mit. Eine davon ist, die benachbarte Förderschule Hilda-Heinemann fest in die Bildungslandschaft Lennep zu integrieren. Auch die Nachbarn auf der anderen Seite, die Hauptschule, hat Schmalt im Blick. „Da sollten wir eine noch engere Kooperation hinbekommen“, findet Schmalt. Eins sei klar in Zeiten, wo die letzte verbliebene Hauptschule Remscheids mit abnehmenden Schülerzahlen kämpfe: „Unser Schicksal hängt zusammen.“ Denn die Zahl der Hauptschulempfehlungen steigt seit Jahren, viele landen aber zunächst an der Realschule, und mancher müsste diese am Ende der Erprobungsstufe in Klasse 6 verlassen. Und dann? „Die Hauptschule ist eine tolle Schulform, die wir erhalten müssen“, betont Schmalt.
Alle weiterführenden Schulen auf einen Blick

Für seine Schule gibt er eine Formel aus: „Wir müssen zur guten alten Realschule zurückkehren: Sechs Jahre top ausbilden, danach direkt in einen Lehrberuf.“ Es gäbe so viele, die für seine Schüler in Zeiten des Fachkräftemangels in Frage kommen. Polizei und Feuerwehr nennt Thorsten Schmalt stellvertretend. Und Busfahrer. „Warum sollen sich die Stadtwerke nicht mal bei uns mit einem Fahrzeug auf den Hof stellen und für den Ausbildungsberuf werben.“ Schmalt spricht auch in eigener Sache. Denn das Fahren von Reisebussen ist seine Leidenschaft neben seinem Lehrerberuf. Wenn die freie Zeit es erlaubt, ist er für den Busunternehmer Latzel für Tagestouren unterwegs, letztmalig Ostern mit Senioren zum Keukenhof in Holland. Seine Schüler sollten sich nicht wundern, wenn sich der Chef für Klassenausflüge selber ans Steuer setzt.

Zur Person

Thorsten Schmalt stammt aus Pohlhausen, wo er bis heute lebt. Nach dem Besuch des Gymnasiums Wermelskirchen studierte er in Bonn. Schmalt ist CDU-Mitglied, von 1999 bis 2014 saß er im Rat der Stadt Wermelskirchen, seit 2004 ist er im Kreistag Rhein-Berg und ist Schulausschussvorsitzender. 14 Jahre war er auch als Personalratsvorsitzender bei der Bezirksregierung Köln für die Realschulen zuständig.

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